Olympisches Dorf: "Ein Knast mit großem Hofgang" titelt die RP

(Tokio/Krefeld, 22. Juli 2021) Kleines Olympia-Quiz, allerdings nicht mit der richtigen Antwort unter vier Möglichkeiten: Was wird das wichtigste Szenario neben dem „bisschen Sport“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Ort an den Wettkampfstätten? Liefern wir sie gleich mit: Die Verlautbarung des täglichen ärztlichen Bulletins zu den Neuinfektionen mit dem Corona-Virus. Gestern waren es derer fünf weitere an der Zahl. Dabei sind die 11.300 Akteure aus 206 Nationen noch gar nicht aus der vermeintlichen Blase des Olympischen Dorfes zu den externen Wettkampfstätten ausgeschwärmt. Das 18.000-Einwohner-Dorf, das an Tokios Bucht zum Pazifik liegt, beherbergt auch die Betreuer der Nationalmannschaften, wird heute in einer großen fünfspaltigen Geschichte der Rheinischen Post (RP) mit „Ein Knast mit großem Hofgang“ überschrieben. Das zur einstigen wichtigsten Begegnungsstätte der Völkerverständigung von Sportlern*innen aus aller Welt.

Laura Ludwig und Patrick Hausding tragen die deutsche Fahne

Nicht vorstellbar, was bei der morgigen Eröffnungsfeier noch so alles passieren könnte. Hoffentlich geht sie nicht als „Superspreader-Event“ mit massenhaften Neuansteckungen in die Historie ein. Wenngleich mit anderer Argumentation (sie haben bereits am nächsten Tag ihr Auftaktspiel gegen Europameister Spanien), eine weise Entscheidung, dass die deutschen Handballer davon fernbleiben. Dazu wird zurecht befürchtet, dass „vieles von der Schönheit der Feier fehlen wird“. Und während ich diesen Beitrag schreibe, höre ich beiläufig im Radio auf meinem Lieblingssender WDR4, dass als Zeichen der Gleichberechtigung Beachvolleyballerin(a) Laura Ludwig, zusammen mit Kira Walkenhorst 2016 Olympiasiegerin, und Wasserspringer Patrick Hausding die deutsche Fahne tragen werden. 

Jetzt schon sicher: Ein neues Ruhmesblatt wird nicht aufgeschlagen

Und noch ein Zeichen einer ganz großen Geste: Toyota aus Japan, der größte Automobilbauer der Welt, dessen frühere pfiffige Werbung mit sprechenden Tieren verhieß „Nichts ist unmöglich – Toyota!“ sagte als Groß-Sponsor seine geplanten Werbespots und die Teilnahme an der Eröffnungsfeier ab. Der Gigant der Branche fürchtet Imageschäden. „Bei diesen Spielen werde vieles auf Unverständnis stoßen“, hieß es zur Begründung.
Bingo! Seit Monaten meine an dieser Stelle immer und immer wieder niedergeschriebene Rede. Eines ist schon jetzt sicher: Ein neues Ruhmesblatt wird mit diesen Olympischen (Nachhol- und Geister-)Spielen nicht aufgeschlagen. Denn das ist unmöglich!