Trotz toller Vorstellung Jochen Gippert "lediglich" Vize-Weltmeister...

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(Tampere/Krefeld, 01. Juli 2022; 07:45 Uhr) Lehnen wir uns über unseren originären, aber nicht ausschließlichen Bereich von Stoß/Wurf ein wenig aus unserem Redaktionsfenster hinaus und machen eine Verbeugung vor der gepriesenen, oftmals elektrisierenden Königs-Disziplin der Leichtathletik, dem 100-Meter-Sprint. Zumal unsere Nation in der Männer-Klasse beim Weltkonzert lediglich eine Statistenrolle als Pausenfüller spielt, noch nie einer unter zehn Sekunden rannte. Bei den Senioren haben die Germanen jedoch einen Jochen Gippert (*1977; im Bild) vom TV Herkenrath im Bergischen Land, der sich bei den Weltmeisterschaften der Ü35-Generation im finnischen Tampere anschickte nach der Krone zu greifen. Der im doppelten Wortsinne sehr zielstrebige 45-Jährige mit ultralangem sportlichen Haltbarkeitsdatum, dem ein großes Interview in der Senioren-Spielecke auf leichtathletik.de gewidmet wurde, hatte erst kürzlich den Europarekord (11,00 sec.) des Italieners Mario Longo mit 10,98 unter die hier magische 11-Sekunden-Marke gedrückt.

...und dazu noch den gerade verbesserten Europarekord verloren

Da setzte er nun als Sieger des Halbfinales im ebenfalls heißen kühlen Norden in phänomenalen 10,89 noch einen drauf, hatte allerdings lediglich eine Hundertstel hinter sich den mitfavorisierten Briten Dominic Bradley im Schlepp. Auf diese beiden kaprizierte sich gestern Abend im Finale der dramaturgische Höhepunkt um Sekt oder Selters. Und der Endlauf hielt, was er versprach. Leider mit dem „falschen“ Triumphator. Bradley hatte bei nahezu idealem Rückenwind von 1,5m/sec. in abermals neuer Europarekord-Zeit von 10,84 das bessere Ende für sich, Gippert bestätigte in 10,90 seine überragende Form, hat mit den 200 Meter ein weiteres Eisen im Feuer. Wer allerdings (mich eingeschlossen) glaubt(e), jene 10,84 müssten doch in der M45 auch Weltrekord sein, der sieht sich getäuscht. Den hält seit 2006 der US-Amerikaner Willie Gault in 10,72 Sekunden. Einfach der ganz normale Wahnsinn in der schnellkräftigsten aller Schnellkraft-Wettbewerbe, wo gemeinhin jenseits der Dreißig die Biologie gnadenlos zuzuschlagen pflegt.
Sei noch für die extrem eingefleischten Enthusiasten unter den unendlich vielen daheimgebliebenen wettkampfaffinen deutschen Senioren*innen erwähnt, dass mit den nachfolgenden Verlinkungen ein Livestream (offenbar nur aus dem Hauptstadion) und die Resultate als Suchspiel von diesen Titelkämpfen abrufbar sind. Überhaupt ist der Internet-Auftritt des Lokalen Organisationskomitees (LOC) ein Artmutszeugnis der Extraklasse.