Klubkameraden Storl und Lewke "die Dinosaurier des Kugelstoßens"

Glosse

Neben der Spur

(Leipzig/Krefeld, 06. Juni 2020)
Hick! Bin ich etwa getreu des Mottos „Lieber ein Stadt bekannter Säufer, als ein anonymer Alkoholiker“ noch beschwipst, habe Restalkohol an der Tastatur. Und wie viel Promille sind da erlaubt und tolerabel? Späßle g’macht, ist ja auch eine Glosse. Und vom bloßen Anblick ist auch noch niemand besoffen geworden. Kein Spaß allerdings, was meine sich daraufhin blitzartig entzündenden Augen gestern Nachmittag beim Betrachten des „Live-Streams“, so heißt das heutzutage, zusammen mit in der Spitze 322 weiteren Sehleuten in Internet auf Youtube beim Kugelstoß-Trainingswettkampf in Leipzig gesehen habe. Bei dieser von der lokalen Galionsfigur David Storl mitorganisierten Benefiz-Veranstaltung „Sportler helfen Sportler“ gab es bei der Siegerehrung für die drei Erstplatzierten Männer (mehr waren es in dem Fünferfeld mit zwei Junioren eh nicht), man lese und staune, je einen Karton mit sechs Flaschen Gin von einem der Meeting-Sponsoren. Den Namen verkneife ich mir jetzt.

Ernüchterndes Resultat beim einstigen Doppel-Weltmeister

Das hat was. Eingedenk des, Achtung: Wortspiel, ernüchternden Resultats insbesondere beim einstigen Doppel-Weltmeister (im Bild) aus Sachsen mit einer Lebensbestleitung von 22,20m aus 2015 kann es auch so interpretiert werden, dass er sich vor dem Wettkampf womöglich ein paar Schnapsgläschen dieses Hochprozentigen gönnen sollte. Das könnte enthemmend wirken. Ob es die Leistung zu steigern vermag, sei dahin gestellt. Aber immerhin wäre er zumindest hernach der Lustigste. Beim erst 29-jährigen immerwährenden „Storli“ liegt indes der Verdacht sehr nahe, dass er seinen Zenit bereits überschritten hat, sich überwiegend im Rückwartsgang befindet.
Gewöhnen wir uns schlicht und ergreifend an den Gedanken.

Platzsprecher Hardy Gnewuch mit Entzugserscheinungen anderer Art

Genug geunkt. Fast. Der speziell in der Werfer-Szene (auch von mir) sehr geschätzte und beliebte Platzsprecher Hardy Gnewuch aus Halle an der Saale muss unter Entzugserscheinungen anderer Art gelitten haben. Da auch er mangels Wettkämpfen bislang öffentlich beschäftigungs- und sprachlos war, entwickelte er ein ausuferndes Mitteilungsbedürfnis für die genaue Handvoll Aktiver, Kampfrichter und die sieben Zuschauer hinter dem durchsichtigen Gitterzaun am Rande der Anlage. Der gute Hardy, mit Mikrofon vor dem Mund allenfalls drei Meter vom/hinter dem Ring entfernt, sabbelte in einer Tour. Selbst als die Protagonisten ihre Versuche ausführten. In einen 100-m-Start würde er sicherlich nicht reinquasseln. Er ist auch für den 4.Neustädter Kugel-Cup kommenden Samstag vorgesehen. Da sollte er sich an der richtigen Stelle ein wenig Zeit lassen, um mal ausgiebig Luft zu holen.

Eine elendig langatmige und langweilige Pause als Leistungskiller

Als regelrechter Leistungskiller erwies sich auch die elendig lange Pause zwischen dem Vor- und Endkampf. Die wurde gefüllt mit einem langatmigen und langweiligen Online-Interview mit dem Vertreter einer Krankenkasse und dem eingespielten Beitrag eines völlig sinnfreien Schuhweitwerfens. Wenigstens erheiternd das abschließende Live-Gespräch zwischen dem von EUROSPORT und MDR bekannten Sportkommentator Marc Huster sowie den beiden Leipziger Klubkameraden Storl (20,45m) und Dennis Lewke (19,45m).  Der ehemalige Weltklasse-Gewichtheber zeigte sich  bei der von ihm angestoßenen Thematik Technik Disziplin-übergreifend bestens informiert, bezeichnete dieses Interpreten-Duo des antiquierten Angleit-Stils als „die Dinosaurier des Kugelstoßens“. Wie wahr!

17-jährige Steven Richter drehte auf und stieß formidable 21,62 Meter

Welchen ungeheuren Mehrwert in dem Luftgitarren-Wettbewerb leider ohne wahrhaftigen sportlichen Wert die Dreherei bei entsprechendem Talent bringt, bewies Drehstoßer Steven Richter (*2003) vom LV 90 Erzgebirge aus der U18. Der 17-Jährige stieß im dritten Versuch 21,62m und übertraf seine zwei Wochen alte offizielle Bestweite von 20.76m in Neubrandenburg um 86 Zentimeter! So weit hat das einstige Jahrhundert-Talent Storl bei seinem damaligen deutschen Jugend-Rekord von 21,40m (seit 2013 Partrick Müller mit 22,02m) mit der 5-Kilo-Kugel nicht gestoßen. Die Entwicklung und Förderung der Drehstoßtechnik wurde hier zu Lande über Jahrzehnte hinweg buchstäblich verschlafen.

Weshalb wurde dieser Wettkampf nicht angemeldet?

Was sich dem neutralen Beobachter vom Fach ebenfalls nicht erschließt, dass diese Schaueinlage alle behördlichen Hürden genommen haben muss, aber nicht beim zuständigen Leichtathletik-Verband Sachsen (LVS) angemeldet und genehmigt worden ist.Die Bunte Republik Deutschland eben mit ihrem föderalistischen System der Länderhoheit. Nicht einmal oder gerade beim Sport steigt da keiner mehr durch.
Oder muss vielmehr gemutmaßt werden, dass die Macher dann nicht mehr einen solch freizügigen Handlungsspielraum der Vermarktung für den guten Zweck gehabt hätten…

Ex-Diskuswerfer und -Bundestraier Jürgen Schult wurde gestern Sechzig

(Potsdam-Töplitz/Krefeld, 12. Mai 2020) Obwohl es nicht Usus ist, auf ein derartiges Ereignis hinterher aufmerksam zu machen, holen wir wenigstens nach, was der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) versehentlich oder in purer Absicht versäumt hat. Das sah bei seinem „Fünfzigsten“ noch anders aus. Diskuswurf-Weltrekordler und Olympiasieger Jürgen Schult (*11.05.1960 in Neuhaus/Elbe) vollendete gestern sein 60. Lebensjahr. Ursprünglich war eine große Fete geplant, da seine Frau Tanja gleichzeitig das halbe Jahrhundert vollendete. Die fiel Corona-bedingt aus. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, sagte dazu der Neu-Sechziger.
Was immer zu den Animositäten zwischen dem Dachverband und Schult oder umgekehrt führte, ist uns nicht bekannt. Dass der DLV sich zu seinem aktuellen Jubeltag bedeckt gehalten hat, derweil Sprintlegende Merlene Ottey aus Jamaika zum selben Anlass mit ein paar Zeilen bedacht wird, kann freilich nicht daran liegen, dass die erfolgreiche Karriere des früheren DDR-Starathleten mit einem Makel behaftet ist. Denn das war vor schon bekannt, als der Verband ihn zunächst zum Disziplin- und später zum Chef-Bundestrainer Stoß/Wurf ernannte. Es darf gemutmaßt werden, dass bei seiner Ablösung allerhand Porzellan zerdeppert worden ist. Heutzutage wirkt der letzte Olympiasieger des einstigen Arbeiter-, Bauern- und Unrechtsstaates als Trainer an der Bundespolizeisportschule in Kienbaum. - Mehr zu ihm in Laudationen der Märkische Allgemeine Zeitung und des NDR.

EMA-Präses Kurt Kaschke vollendet heute sein 65. Lebensjahr

(Freudenstadt/Gütersloh/Assafora/Krefeld, 07. April 2020) Nunmehr folgt der dritte, letzte und unangenehme Teil der hier auf die bloße Chronistenpflicht reduzierten Geburtstagstrilogie. Vermelden wir nüchtern-nachrichtlich, dass EMA-Präsident Kurt Kaschke (*07.04.55) mit den multiplen Wohnsitzen/Anschriften in Freudenstadt, Gütersloh und Assafora (Portugal) heute sein 65. Lebensjahr vollendet. Das war früher einmal für die biologische Restlaufzeit der Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt – die Altersrente (heutzutage übergangsweise mit 67; bei ihm 65 plus 9 Monate). Wie dem auch sei gilt das leider in manchen Fällen nicht bei Inhabern von Ehrenämtern. Dazu ist jüngst an dieser Stelle mehr als genug und der Gründe wegen eigentlich zu ertragen war über ihn berichtet worden.

Vom Elektriker zum Realschullehrer hochgedient

Und um der Wahrheit die Ehre zu geben, weiß ich wenig über ihn, wie er als ganz normaler Mensch so tickt. Begegnet ist er mir zuletzt mit Gesprächskontakten bei der Auftakt-Pressekonferenz im Sommer 2011 zur Senioren-Europameisterschaft ein Jahr später im sächsischen Zittau. Damals war er noch als Verbandssekretär der Adlatus von EVAA-Präsident Dieter Massin, den er im August 2012 an der Spitze des kontinentalen Senioren-Dachverbandes (seit 2014 European Masters Athletics) beerbt hat. Als aktiver (Senioren-)Leichtathlet glaubt er fast alles zu können, war/ist jedoch weit unterdurchschnittlich begabt. Fast ausnahmslos peinlich seine internationalen Auftritte (wir berichteten).
Beruflich diente sich der gelernte Elektriker bei Miele in Gütersloh bis zum Realschullehrer (Vorruhestand ab September 2018) hoch. Er ist in vierter Ehe – was nichts Ehrenrühriges ist, seine Beziehungen zu legitimieren, andere tun im Stillen viel Gutes – mit Christine Ratzke de Figueiredo (beide ihm Bild) verheiratet. Bei dem Mischnamen dürfte sie auch Wiederholungstäter/in sein.
Ansonsten schweigt zumindest an seinem Jubeltag des Sängers Höflichkeit. Wer mehr über den Präsidialherrn lesen möchte, der googele „Kurt Kaschke auf Lamps“ und erhält in 0,30 Sekunden 817 Ergebnisse. Er dürfte bei uns hinter dem DLV die klare Nummer 2 der „Hitliste“ sein.

"Grande Dame" des Wurfs Altmut Brömmel feiert "runden" Geburtstag

(Augsburg/München/Krefeld, 05. Mai 2020) Wer im Wonnemonat Mai das Licht der Welt oder des Kreißsaales erblickte, hat in aller Regel ein sonniges Gemüt. Denn wissenschaftliche Studien belegen, dass die ersten Lebensmonate im Frühling und Sommer den Werdegang des Homo sapiens, schlicht Mensch genannt, positiv beeinflussen und prägen. Wenn es auf eine zutrifft und ich das zudem aus etlichen Begegnungen persönlich zu beurteilen vermag, dann auf die für den TSV 1860 München startende „Grand Dame“ des Wurfs Almut Brömmel (*05.05.1935 in Leipzig) aus Augsburg. Wie bei näherem Hinsehen das Geburtsdatum unschwer verheißt und Blitzrechner schnell ermitteln, vollendet die gebürtige Sächsin justament heute ihr 85. Lebensjahr!

Hohe Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement

Die Wahl-Bayerin aus dem Regierungsbezirk Schwaben ist der Leichtathletik als Athletin und darüber hinaus Trainerin des Werfer-Nachwuchses ihres eigentlichen Heimatvereins TSV Göggingen stets treu geblieben. Für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement wurde sie im Februar 2017 im Rokokosaal des Augsburger Rathauses mit dem vom damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer verliehenen „Ehrenzeichen für ihm Ehrenamt tätige Frauen“ ausgezeichnet. Einer der höchsten dieser Art im Freistaat Bayern (wir berichteten).
Die Vita der Jubilarin ist dermaßen prall gefüllt, dass selbst eine nur fragmentierte Wiedergabe diesen Rahmen sprengen würde. Natürlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass sie mit ihrem Lieblingsspielzeug Speer unzählige Erfolge feierte und als herausragende Glanzlichter bei zwei Olympischen Spielen (1956 Melbourne und 1960 in Rom) an den Ablauf gegangen ist.
Viel mehr über sie in einem ausführlichen Porträt von Statistik-Guru Bernd Rehpenning und auf Wikipedia.
Was uns von dieser Stelle und (Äther-)Welle noch bleibt: Herzlichen Glückwunsch, liebe Almut, bleib‘ vor allem gesund, munter und zuversichtlich!

Teil eins der Laudatio-Trilogie: Siegfried Wille wird heute Siebzig

(Stendal/Krefeld, 05. April 2020) Wer in diesen – fortan salopp formuliert – beschissenen Zeiten der Coronavirus-Katastrophe einen runden oder eckigen Geburtstag feiert, der hat regelrecht die Arschkarte gezogen. Da hilft auch nicht der Spruch des deutschen Immunologen (wie passend) und Aphoristikers Gerhard Uhlenbruck „Trost gibt dir in allen Dingen, Ritter Götz von Berlichingen“. Und der wiederum wird im Schauspiel von Johann Wolfgang von Goethe zitiert – und das ist jetzt Kultur, darf folglich unverblümt genannt werden: „Vor ihrer Kaiserlichen Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag's ihm, er kann mich im Arsch lecken!"

Gründer-Vater des Stendaler LV ‘92

Den nicht stets gleichermaßen verdienten gebührenden Respekt (das wird im dritten Teil noch deutlich) werden wir in einer Trilogie in den nächsten drei Tagen bekannten Personen aus der Senioren-Leichtathletik mit Laudationen zollen. Das heutige Datum fügt es, mit Siegfried „Siggi“ Wille (*05.04.1950) aus Stendal in der schönen Altmark zu beginnen, der sein 70.Lebensjahr vollendet. Sein Vor- und Nachname sind gewissermaßen schon Programm. Er ist in der rund 40.000 Einwohner zählenden Hanse- und Kreisstadt von Sachsen-Anhalt bekannter als der Bürgermeister, der sicherlich zu den ursprünglich 80 geladenen Gästen gehört hätte.
Wille gründete nach der Wiedervereinigung den Stendaler Leichtathletik-Verein von 1992, dessen Ehrenmitglied er mittlerweile ist und hob neben vielen anderen Veranstaltungen in einer gemeinsamen Initiative mit EVVA/EMA-Ehrenpräsident Dieter Massin aus Ahlen den in der Mehrkampf-Szene der Senioren/innen weltweit beachteten „Stendaler Hanse Cup“ aus der Taufe.

Statt 80 Gäste ein ziemlich einsamer Jubeltag

Nun muss er seinen Jubeltag ziemlich einsam verbringen, allenfalls ein wenig versüßt durch viele Video-Botschaften, telefonische und digitale Glückwünsche. Diesen von Lampis eingeschlossen. Wobei es aus meiner persönlichen Sicht und Erfahrung, weswegen wir die bis dahin sehr umfangreiche, engagierte Berichterstattung über den SHC mit vorjähriger Wirkung eingestellt haben, noch einiges anzumerken gäbe. Das gebietet sich indes zu einem solchen Anlass nicht, musste jedoch zum besseren Verständnis der anhaltenden Verweigerung ansatzweise erwähnt werden.
Wer mehr über den Jubilar wissen möchte, der klicke den Link an.