DLM: Ein Erfahrungsbericht der besonderen Art beim T-Shirt-Kauf

Kolumne

Moment mal

(Wiesbaden/Darmstadt/Waiblingen/Krefeld, 14. Oktober 2021) Ein kleines Schmankerl über den Kauf/Versand eines alten T-Shirts aus dem großen Kleidersack der Ladenhüter der Wiesbadener Marketing-Tochter DLM des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Darmstadt. Zur DM der Männer/Frauen 2019 im Olympiastadion in Berlin gab es ein Shirt mit einem Speerwerfer auf der Frontseite. Klar, dass meine Frau Susanne als passionierte Speerwerferin nach drastischer Reduzierung des Kaufpreises dieses Schnäppchen haben wollte. Die Bestellung habe ich übers Internet vorgenommen. Wobei mich die Versandkosten von 6 Euro für ein leichtes T-Shirt schon ziemlich ge-, richtiger: verwundert haben.
Ein paar Tage später kam eine E-Mail, dass das Objekt der Begierde jetzt unterwegs ist und wir den Sendeverlauf verfolgen könnten. Es sollte an einem Mittwoch bis 14:00 Uhr geliefert werden, war da beim Lieferanten GLS nachzulesen. Da um 15:00 Uhr noch nichts angekommen war und auch keine Benachrichtigungskarte im Briefkasten lag, habe ich nochmals online den Verlauf angeschaut. Und siehe da: Das Paket war ausgeliefert worden – an einen Paket-Shop 2 Kilometer von uns entfernt, da wir angeblich nicht zu Hause waren. Was nicht stimmte und an unserer Schelle niemand geklingelt hatte.

Modernes  Raubrittertum bei Portokosten

Also bin ich zum Paketshop gefahren und holte das T-Shirt, das größenmäßig in einen Din-A4 Umschlag (Porto 1,45 €) gepasst hätte. Die Dame kam jedoch mit einem Paket wieder. Ein Lieferschein war drin und da stand, dass die Versandkosten 2 Euro betragen.
Stellt sich die Frage, wie die DLM die Einnahmen an den überschüssigen 4 Euro Portokosten verbucht? Egal wie. Um es mit dem DLV Slogan auszudrücken: Ein ECHT.STARKes.unFAIRes Stück, was der Verband sich da – gewiss nicht nur bei uns – leistet.

Anmerkung der Redaktion: Thomas Strohm aus Waiblingen ist in Personalunion Ehemann und Trainer von Susanne (*1963; oben im Bild). Sie gewann bei der Senioren-DM 2021 in Baunatal mit 35,08m den Titel in der W55 und führt mit dieser Weite zugeich die deutsche Bestenliste an.

Nordrhein-Winterwurfmeisterschaften Anfang November in Düsseldorf

(Leichlingen/Düsseldorf/Duisburg/Krefeld, 13. Oktober 2021; 08:30 Uhr) Nicht dem eigenen Triebe folgend musste der Leichlinger TV mit Frontmann Manfred Schmitz die für den 07.November 2021 beabsichtige Ausrichtung der Nordrhein-Winterwurfmeisterschaften der Ü30-Generation schweren Herzens an den Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) in Duisburg zurückgeben. Während der Starkregenfälle und der dadurch ausgelösten so genannten Flutkatastrophe Mitte Juli war auch die nahe am Sportzentrum Balker Aue vorbei fließende Wupper weit über ihre Ufer getreten, hinterließ ein Bild der Verwüstung. Der Wurfplatz (Rasen) neben dem Stadion war dermaßen versumpft, dass dort das Erdreich um etwa 50 Zentimeter abgetragen, mit einer Drainage und einer neuen Oberschicht versehen werden muss. Ein größeres Unternehmen. Wobei sich wie immer in solchen Fällen höherer Gewalt zunächst die Gretchenfrage stellt: Wer kann, soll, will oder muss das bezahlen?
Nun war also wieder mal guter Rat teuer. Der kam erneut in Gestalt der ehrenamtlichen LVN-Seniorenwartin Gisela Stecher (im Bild) aus Grevenbroich, die bereits die vom Ausfall bedrohten Einzelmeisterschaften am 28./29.August 2021 gerettet hatte.
Im Schulterschluss mit dem TV Angermund, der an diesem Termin ohnehin einen Werfertag veranstalten wollte, werden diese Titelkämpfe für die Fraktion von Stoß und Wurf nunmehr am 07.November im Arena Sportpark in Düsseldorf hinter der Leichtathletikhalle (sie bietet auch dem Wettkampfbüro Platz) ausgetragen.
Dem Vernehmen nach soll die Ausschreibung noch heute auf der Netzseite des Verbandes im Veranstaltungskalender erscheinen.

Richard Rzehak beendet seine erfolgreiche zweigleisige Karriere

(Zuchering/Erlangen/Effeltrich/Krefeld, 11. Oktober 2021) Letzte Ausfahrt Zuchering bei Ingolstadt. Dort beging Werfer-Urgestein „König“ Richard Rzehak (*13.10.1929; im Bild) wenige Tage vor Vollendung seines 92. Lebensjahres vorigen Samstag bei den Bayerischen Meisterschaften im Rasenkraftsport-Dreikampf den Abschied vom Wettkampfsport (siehe unsere Vorschau). Die Resultate gerieten dabei mehr zur Nebensache, zumal er zuletzt nur noch wenig trainiert hatte und er in seiner Altersklasse VII (ab 90 Jahre) buchstäblich konkurrenzlos war. Die Rahmenbedingungen hätte er sich allerdings im vermeintlich „Goldenen Oktober“ zu seinem ultimativen sportlichen Kehraus erheblich freundlicher gewünscht. „Es war lausig kalt. Ich habe alle Versuche aus dem Stand absolviert, um mich nicht noch auf dem letzten Drücker zu verletzen“, erzählte mir der Vorsicht walten lassende Richard gestern Abend am Telefon. „Aber es war eine hervorragend organisierte Veranstaltung auf bestens präparierten Anlagen. Bei der Siegerehrung ist erwähnt worden, dass es sich um meinen letzten Wettkampf handelte.“  

Einmalig: Vier Titel bei einer DM mit Kugel, Diskus, Speer und Hammer

Den in der Leichtathletik, wo er auf eine noch erfolgreichere langjährige internationale und nationale Karriere zurückblickt, gab es bereits zuvor. Übrigens: Richard hält im Rasenkraftsport aktuell sieben deutsche Rekorde durchgängig von den Klassen IV bis VII. Und noch ein Glanzlicht mit Einmaligkeitscharakter aus der Leichtathletik: Bei den Deutschen Senioren-Meisterschaften (oder hießen sie da noch Bestenkämpfe?) 1989 im niedersächsischen Scheeßel gewann der in beiden Sportarten für den SC Preußen Erlangen startende Mittelfranke aus Effeltrich bei Stoß und Wurf alle vier Titel in der M60 mit Leistungen, die heutzutage selbst für sich betrachtet auf vier Köpfe von Spezialisten verteilt ihresgleichen suchen: Kugel 14,43, Diskus 52,32, Speer 53,08, Hammer 56,42m. Was könnte seine einstige Klasse und Ausnahmestellung nachdrücklicher widerspiegeln?! Dass er auch ein untadeliger, beliebter Sportler und Kumpel war sowie als Mensch mit viel Herzenswärme und Empathie weiterhin ist, soll nicht ungenannt bleiben.
Die Ergebnisliste von Zuchering. Ehre, wem Ehre gebührt, wird sie vom „Alterspräsidenten“ angeführt. Wer genauer hinschaut, wird mit der zweifachen Olympia-Teilnehmerin (1956 und 1960) Almut Brömmel (*1935) eine weitere
alte weibliche Bekannte" entdecken (siehe auch Wikipedia).

Internationales Masters-Meeting zur "Späten Saison" in Turnhout/B

(Turnhout in Belgien/Krefeld, 12. Oktober 2021) Ein ultimativer Tipp für abkömmliche, spontane Freiberufler, Vorruheständler, Pensionäre und Rentner: Wer immer schon mal Belgien mit seinen sehenswerten Städten Antwerpen, Brügge, Brüssel und/oder Gent besuchen wollte, der hat in der „Späten Saison“ die Gelegenheit das touristische mit dem sportlichen Vergnügen zu verbinden. Versteht sich am Rande, dass auch ein reiner Wettkampf-Trip möglich ist. Wie auch immer: Im idyllisch gelegenen Stadtparkstadion von Turnhout in der Region Flandern findet kommenden Samstag von 9 bis 19 Uhr ein Internationales Masters-Meeting mit der ganz großen Palette von Disziplinen ab M/W35 statt. Bei Online-Stellung dieses Beitrages waren 112 Startwillige aus drei Nationen gemeldet. Naturgemäß vorwiegend aus dem Gastgeberland und den grenznahen Niederlanden. Aber auch zwei Deutsche. Darunter der weithin bekannte Stabhochspringer Alfred Achtelik (*1960) vom FC Nordkirchen, der momentan die DLV-Bestenliste der M60 mit 3,81m anführt.  – Mit der nachfolgenden Verlinkung geht es zur Ausschreibung.

Bei demgemäßem Lebensstil wird jeder irgendwann der Ü80 angehören

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Wiesbaden/Darmstadt/Krefeld, 09. Oktober 2021)
Wer Zitate, Sprüche und Aphorismen zu Statistik im Netz recherchiert, der bekommt 96 Angebote dazu präsentiert. Wen’s näher interessiert, der kann ja mal selber nachforschen. Unsererseits greifen wir uns ein paar besonders gängige Umschreibungen heraus: Hoch lebe die Statistik – Traue keiner Statistik, die nicht von dir selber gefälscht worden ist – Steigerungsform von Lüge: Notlüge, verdammte Lüge, Statistik. Nun wollen wir dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden selbstverständlich nicht unterstellen, es würde lügen. Schon gar nicht bei der an knallharten Fakten feststehenden Frage, wie alt die weibliche und männliche Bevölkerung unserer Republik wird. Wohlgemerkt: Das bildet den rechnerischen Durchschnitt vom plötzlichen Kindstod bis zur Sterblichkeit im Methusalem-Alter ab, beträgt bei Frauen 83,6 bei Männern 78,9 Jahre. Tendenz kontinuierlich steigend.
Man lese und staune: Trotz Corona-Pandemie gab es im Vorjahr 20.465 Menschen über 100 Jahre, und damit 3.523 mehr als 2019! Heruntergebrochen auf über 90-Jährige sind es 0,85 Millionen (0,58 Frauen, 0,27 Mio. Männer). Der Altersgruppe von 80 bis 100 gehören 7,1 Prozent oder  5,9 Millionen der in Deutschland lebenden Bürger an.

Ü35-Generation gebührt die verdiente Wertschätzung
  
Genug der Zahlenarithmetik. Kommen wir zum springenden Punkt und zur eigenen Mission Leichtathletik, die jedoch mit dem Vorgeplänkel im unmittelbaren Zusammenhang steht. Die Altersstruktur bei den Damen und Herren „der über 50 hauptamtlichen Kräfte in der Geschäftsstelle“ (O-Ton Präsident „Tollpatsch“ Jürgen Kessing) des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Darmstadt ist uns nicht bekannt. Doch sicherlich dem eigenen Credo entsprechend überwiegend jung, dynamisch und ungeheuer innovativ. Das ist aber auch ziemlich schnuppe. So sie sich jedoch nicht bei Eintreten der – im DLV-Deutsch – „Midlife-Crisis“ (Lebensmittekrise) den Eiffelturm oder sonst wo runterstürzen wollen, einen halbwegs soliden, gesunden Lebenswandel führen, vielleicht auch selber nach Neigung und Talent Sport treiben, werden sie eines schönen Tages in den Ruhestand verabschiedet und wenn’s gut weiterläuft irgendwann die 80-Lenze-Marke knacken. Also was sein werden? Richtig: Senioren*innen!
Einfach noch im seligen Berufsleben in exponierter Stellung mal daran denken und immer wieder vor Augen führen, wenn es um die Wertschätzung der bislang zumeist und noch verstärkt seit dem Ausbruch von Corona mit Geringschätzigkeit behandelte und Missachtung gestrafte Ü35-Generation geht. Sogar vorliegende Bewerbungen mit im Amtsdeutsch „belastbaren Absichtserklärungen“ (Mehrkampf und Wurf-Fünfkampf 2021 in Zella-Mehlis) sind schlechterdings einfach ignoriert worden.

Kleinere Nationen machen es dem DLV vor

Konkret in die nahe Zukunft gesehen: Derweil im
Rahmenterminplan 2022 für die U-Klassen und Männer/Frauen alle Einzelmeisterschaften einschließlich Team-DM Jugend schon fix terminiert und einige auch schon mit einem Austragungsort versehen sind, herrscht bei den Titelkämpfen der Talente von gestern und vorgestern in allen Belangen gähnende Leere: Als da wären die Großen Fünf mit dem Kürzel DM: Halle/Winterwurf, Stadion, Mehrkampf, Wurf-Fünfkampf, Team (DAMM).
Dabei gibt es seit der offenbar noch nicht vollinhaltlich umgesetzten Strukturreform von April 2021 eine eminent wichtiges elfköpfiges Gremium mit dem Arbeitstitel „Kommission Laufen und Seniorenwettkampfsport“ unter Leitung der hauptamtlichen „Senior Managerin Sportentwicklung“ Dr.Kristin Behrens (siehe Link). Da würde der Volksmund konstatieren: „Viele Köche verderben den Brei“, „Die linke Hand weiß nicht was die recht tut“ oder
„Wenn einer nicht mehr weiter weiß, dann bildet er 'nen Arbeitskreis". Jedenfalls sichtbar auf den Weg gegeben hat dieses Konsortium bislang nullkommanix.
Derartige Probleme sind von unseren Anrainerstaaten Niederlande, Belgien, Österreich und der Schweiz bei ihren Masters nicht bekannt. Kleinhirn an Großhirn: Neidisch werden! Probater noch: Die bereits von vielen namhaften Athleten*innen und Ehrenamtsinhabern geforderte Abspaltung nach britischem Muster betreiben. Rund 390.000 Leichtathletik-Senioren*innen sind ein Pfund, mit dem sich wuchern ließe.
In diesem Sinne einen schönen Sonntag im „Goldenen Oktober“ und, je nach Alter, eine schaffens- oder abwechslungsreiche 41. Kalenderwoche!