Bayerische Senioren-Meisterschaften Wurf bieten endlich Wettkampfluft

(Bogen//Krefeld, 18. August 2021) Ohne viel Tamm-Tamm im Vorfeld mit obskuren selbstgestrickten Frage-/Antwort-Spielen werden kommenden Samstag in Bogen die Bayerischen Senioren-Meisterschaften Wurf ab M/W30 in den vier klassischen Disziplinen Kugel, Diskus, Speer und Hammer über die sportliche Bühne gehen. Dazu bar irgendwelcher Beschränkungen hinsichtlich Teilnehmerzahlen und Mehrfachstarts. Selbstverständlich gibt es dem heutzutage leider erforderlichen Standard entsprechend ein Hygienekonzept. Das bedarf eigentlich fast keiner besonderen Erwähnung mehr.

131 Aktive aus 63 Vereinen mit 333 Starts

Es haben 131 Senioren*innen aus 63 Vereinen zu 333 Starts ihre Meldungen abgegeben. Also einem rechnerischen Schnitt von 2,5 pro Person. Was darauf hindeutet, dass reine Spezialisten eher eine Rarität darstellen. Für viele dürfte es nach langer Zeit die erste Gelegenheit sein wieder die geliebte Wettkampfluft zu schnuppern und sich, sofern beabsichtigt, die Norm für die Deutschen Senioren-Meisterschaften vom 10. bis 12.September 2021 Baunatal (jene organisatorische DLV-Posse in mehreren Akten) zu sichern. Was bei der flüchtigen Draufsicht auf die Teilnehmerliste auffällt, dass mit Wurf-Allrounder Norbert Demmel (*1963/M55) vom TSV Unterhaching und Helmut Maryniak (*1968/M50) vom LAC Passau zwei weit über die bajuwarischen Landesgrenzen hinaus bekannte Namen fehlen.
Wer sich einen genaueren Überblick verschaffen möchte, dem sei erwähnte und verlinkte Liste der Startwilligen empfohlen.

Bei Johannes Vetter drückt womöglich noch woanders der Sportschuh?

Kolumne

Moment mal

(Offenburg/Herzogenaurach/Krefeld, 17. August 2021)
Mitten im Strom die Pferde zu wechseln hat sich schon auf Trecks im ehedem Wilden Westen allzu häufig als fatale Entscheidung erwiesen. Das lässt sich sinnbildlich auch auf alle möglichen Bereiche des normalen Lebens übertragen. Nicht zuletzt auf die angeblich herrlichste Nebensache der Welt: den Sport. Derer Beispiele gibt es unendlich viele, habe ich aus unmittelbarer Erfahrung als Aktiver in den vier Sportarten Fußball, Eishockey, Tennis und Leichtathletik miterlebt. Aber auch später ab meinem 22. Lebensjahr als Sportjournalist in der Berichterstattung für Print, Funk, Fernsehen und Co-Autor von Büchern mit dem Schwerpunkt Eishockey.

Wechsel aller Art nicht immer das Allheilmittel

Doch nicht nur da haben sich Trainer-Wechsel oftmals als der berühmt-berüchtigte Griff ins Klo herausgestellt. Auch der von Zehnkämpfer Jürgen Hingsen (*1958) vom FC Bayer 05 Uerdingen, der im Olympiajahr 1988 seinen Entdecker, langjährigen Mentor,  Coach, väterlichen Freund, den „Karajan unter den Trainern“ Norbert Pixken (*18.08.1938,
29.12.2018) verließ und „inoffiziell“ zum TV Wattenscheid wechselte. Das Ergebnis ist älteren Generationen bekannt: Drei Fehlstarts im einleitenden 100-m-Lauf und das denkbar früheste Aus bei den Olympischen Spielen in Seoul. Die Hintergründe kenne ich, will sie aber an dieser Stelle nicht auswalzen. Sie sprechen allerdings nicht für das vor Ort körperlich anwesende damalige Trainer-Trio des TVW.

Kunterbunter Mix aus Pleiten, Pech und Pannen

Beim kunterbunten Mix von Pleiten, Pech und Pannen von Speerwerfer Johannes Vetter (LG Offenburg) bei Olympia anno 2021 in Tokio war es in Sachen Planung und gezielt(er)em Aufbau womöglich auch ein wenig der dauerhafte Bundes- und Heim-Trainer Boris Obergföll (geb. Henry). Doch es darf gemutmaßt werden, dass der Sportschuh noch woanders drückte, wie uns der ganz genau hinschauende Senioren-Werfer und Trainer Georg Kinadeter (*1946) vom TV Hauzenberg in Niederbayern freundlicherweise nebst entsprechendem Link zu zwitscherte: Die Probleme nämlich hausgemacht waren. Denn Vetter hat auch ein bisschen die Pferde gewechselt, nämlich zum 12.Juli 2021 den Schuh-Sponsor von Nike auf Puma. Sicherlich nicht allein, weil ihm das Logo mit dem springenden Raubtier besser gefällt als der stilisierte „Fleischerhaken“ des us-amerikanischen Giganten. Gut, dass bei einem Halb-Profi (er ist zudem bei der Bundeswehr) der monetäre Aspekt eine Rolle spielt, ist durchaus legitim.

Bislang letzter 90-m-Wurf im alten Modell

Aber passte der Schuh nicht nur von der Größe? Zweifel sind geboten. Der 28-jährige Sachse bestritt seinen letzten Wettkampf im alten Modell am 29.Juni 2021 bei der „World Continental Tour“ in Luzern, warf dort als Siegerweite bei nur drei absolvierten Versuchen 92,14m und noch 91,39m. Es sollten bis dato seinen letzten über 90 Meter gewesen sein. Es folgten – bereits gestern beschrieben – als Eingänge in die jeweiligen Ergebnislisten 85,25, 86,48, 85,64, 82,52 und 86,17m. Alles purer Zufall, oder was? Erschwerend kommt hinzu, dass die frühere Spitzen-Trainerin Gertrud Schäfer (unter anderem von Siebenkämpferin Sabine Braun und Speerwerferin Beate Peters, beide Weltklasse) bei Vetter eine falsche Fußstellung des linken Stemmbeines ausgemacht hat. Das in Summe mag einiges der für Vetters überragenden Möglichkeiten  lang anhaltenden Talfahrt erklären.       
Nun aber diesbezüglich endgültig genug unserer Vetter-Wirtschaft. Sonst müssten wir noch Berater-Honorare aufrufen.

Speerwerfer Johannes Vetter muss beim "Heimspiel" Farbe bekennen

(Offenburg/Krefeld, 15. August 2021) Nun muss der ausgerechnet auf dem Olymp in Tokio bei seiner „Mission Gold“ höchst unsanft als Neuntplatzierter mit 82,52m und 13,77m unter seiner Weltjahresbestleistung von 96,29m abgestürzte saisonale Speerwurf-Überflieger Johannes „Jo“ Vetter von der LG Offenburg Farbe bekennen. Beim Spezial-Meeting heute in seinem „Wohnzimmer“ auf der Heim- und Trainingsanlage gibt es keine Ausreden von einem angeblich unzulänglichen Belag, auf dem bei den Olympischen Spielen der Zweit- bis Viertplatzierte immerhin Saisonbestleistung warfen. Nullkommanix mit einer von seinem Trainer und Coach Boris Obergföll (geb. Henry) daraufhin geäußerten Verschwörungstheorie von „Betrogen und beschissen“ worden zu sein. Das war so was von völlig daneben und deplatziert. Sprachlich asozial und inhaltlich ultimativer Nonsens. Betrug setzt Vorsatz voraus. Und das kann den Organisatoren und Anlagenerbauern nicht wahrhaftig allen Ernstes vorgeworfen werden. Als ob sie es in irgendeiner Form gezielt auf Vetter abgesehen hatten? Absurd!

SWR berichtet ab 12.45 Uhr drei Stunden lang im Internet-Livestream

Gleichermaßen unsinnig und abwegig ist es, den heutigen Wettbewerb als „Olympia Revanche“ hochstilisieren zu wollen: 1. ist die Goldmedaille von Tokio unwiederbringlich futsch, und 2. folglich eher nebensächlich, da nicht alle elf Gegner vom Vetter’schen Waterloo asiatischer Prägung am Start sein werden. Egal: Der 28-Jährige muss liefern. Alles unter 90 Metern befeuert den heißen Verdacht, dass er sich mit großzügiger Unterstützung seines großmäulig verplappernden Trainers in dem unbedingten Wollen zur absoluten Unzeit in ein veritables Leistungstief manövriert hat. Bereits die beiden letzten Wettkämpfe vor den Olympischen Spielen beim Juwelen-Meeting in Gateshead und Thum waren für seine überragenden Möglichkeiten mit Weiten um 85 Meter eher unterdurchschnittlich. Das erst im dritten Versuch erzielte Ergebnis der Tokioter Qualifikation von 85,64m lag gewissermaßen im unheilvollen Trend. Es nagte weiter am Selbstvertrauen, nährte Zweifel an der abhanden gekommenen Höchstform.
Auf Rehabilitation aus ist vorher in der Konkurrenz der Frauen auch Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken, die als Weltbestenlisten-Zweite (69,19m) ihren Medaillentraum ebenfalls als Neunte mit für sie kläglicher Weite von 59,94m begraben musste. Dem SWR ist es im Internet-Livestream wert, von diesem doppeltgemoppelten Wiedergutmachungsunternehmen ab 12.45 Uhr zu berichten.

Johannes Vetter fand in die Siegspur, aber nicht zur 90-m-Form zurück

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Offenburg/Krefeld, 16. August 2021) Ein Befreiungsschlag, eine Art von Rehabilitation hätte deutlich anders aussehen müssen. Speerwurf-Ass Johannes Vetter von der LG Offenburg konnte gestern bei seinem heimischen Spezial-Meeting lediglich die Abwärtsspirale stoppen und in die Siegspur zurückkehren. Der 28-jährige Lokalmatador gewann gegen den mit 85,85m Saisonbestleistung werfenden amtierenden Weltmeister Anderson Peters aus Grenada denkbar knapp mit 86,17m. Gemessen an der aktuellen Weltbestenliste, die er selber mit 96,29m als einziger 90-m-Werfer und Riesenvorsprung von 6,74 Meter anführt, war das fraglos ein Topresultat. Aber er wirft eben nicht mehr in seiner eigenen Liga jenseits der 90 Meter, die er bis zu jenem Juwelen-Meeting in Gateshead am 13.Juli bei seinen dortigen 85,25m in sieben Wettkämpfen hintereinander übertroffen hatte.

Seit dem Juwelen-Meeting war der Hochglanzlack praktisch ab

Doch von da an war der Hochglanzlack praktisch ab. Drei Tage später bei der Verabschiedung der stoßenden und werfenden Olympioniken in Thum (da wollte er ursprünglich nicht starten) konnten 86,48m seine verloren gegangene Zufriedenheit und das angeknackste Selbstvertrauen auch nicht wieder herstellen. Bekanntlich sollte es ja noch schlimmer kommen. Bei der Qualifikation (84,00m) in Tokio gelang erst im dritten Anlauf mit 85,64m das große Q, jedoch nach 19 saisonübergreifenden Erfolgen in Serie im direkten Aufeinandertreffen die erste Niederlage gegen den späteren Olympiasieger Neerja Chopra (86,65m) aus Indien. Ein kleiner schwarzer Fleck auf der bis dahin blütenweißen Weste, abzuhaken unter Schönheitsfehler. Denktste! Die Talfahrt ging weiter mit dem Ausscheiden nach dem Vorkampf des Finales als Neuntem mit für Vetter indiskutablen 82,52m. Wieder mal soll es der unzulängliche Belag schuld gewesen sein, auf dem in beiden Qualifikationsgruppen und im Finale insgesamt sieben Saisonbestleistungen mit teilweiser hoher Qualität zu notieren waren, darunter die Zweit- bis Viertplatzierten. Also zwei Medaillengewinner und Julian Weber (85,30m) aus Mainz.

Nun soll ein standardisierter Belag a la „Bruder Johannes“ her

Soweit die ernüchternde Historie vom „Unternehmen Gold“, die jedoch darin gipfelte, dass Bundes- und Heimtrainer Boris Obergföll (geb. Henry) in prolliger Manier von „Betrogen und beschissen“ sprach (wir berichteten). Doch damit immer noch nicht genug. In einem auf dem Internet-Portal des Nachrichtsenders n-tv veröffentlichten Beitrag fordert „Bruder Johannes“ vom Weltverband World Athletics nicht mehr und nicht weniger als einen standardisierten Belag im Abwurfbereich quasi nach seinem Gusto, damit die neue
Mission Paris" nicht gefährdet wird. Das könn(t)en dann andere natürlich auch für sich in Anspruch nehmen. Der weitspringenden Olympiasiegerin Malaika Mihambo wäre anzuraten, einen Absprungbalken von 40 statt 20 Zentimeter zu fordern, um auch mal in den Genuss zu kommen, das Brett zu treffen und die Katapultwirkung mitzunehmen.
Wie wäre es bei dem mit drastischem Vokabular auffällig gewordenen ehemaligen Herrn Henry und seinem Parade-Schützling einfach zuzugeben, dass in der Wettkampf- und Trainingssteuerung beim zuvor vollmundig erklärten Vorhaben Olympiasieg eklatante Fehler gemacht worden sind. Der Beweis liegt spätestens seit gestern auf der Hand, die Ausrede vom vermeintlich leistungshemmenden Belag zieht nicht mehr.

Kugelstoßerin Julia Ritter adelt den 12. Annener Werfertag

(Witten/Krefeld, 14. August 2021) Keine Späße mit Namen, besagt ein altes, ungeschriebenes journalistisches Gesetz. Aber bei dem in keiner Weise ehrabschneidenden Falle machen wir eine selbstbestimmte Ausnahme. Geadelt durch einen geradezu wörtlich zunehmenden Ritterschlag wird heute der 12. Annener Werfertag im Wullenstadion in Witten. Mit Julia Ritter (im Bild) vom TV Wattenscheid gibt eine Kugelstoßerin der absoluten deutschen Spitzenklasse der Veranstaltung die Ehre. Die 23-jährige Bestenlisten-Fünfte vereinigt zudem die Attribute auf sich, die wettkampffreudigste Athletin auf konstant hohem Niveau mit den meisten Wettbewerben jenseits der 18-m-Marke zu sein. Die Organisatoren sind gut beraten, dort auch noch eine Innenfeld-Linie zu ziehen. Denn abgesehen vom eigenen Gefühl ist der Mensch an sich visuell veranlagt und möchte direkt sehen, wohin er gestoßen oder geworfen hat.

Oftmals legt sie ihre Versuche auf einem "Bierdeckel" ab

Beim Schützling von Trainer Miroslaw „Miro“ Jasinski schlägt bei einer saisonalen und persönlichen Bestleistung von 18,35m die Amplitude der Streuung selten höher als 25 Zentimeter aus. Mit der antiquierten, aber sehr ausgefeilten Rückenstoß-Technik nach Parry O’Brien legt sie innerhalb der sechs Durchgänge oftmals drei, vier Versuche im Weitenbereich von 18,15m auf dem Durchmesser eines Bierdeckels ab. Die übrigen Teilnehmer/innen dürfen sich nicht nur auf hochklassigen Anschauungsunterricht freuen, sondern auf eine sehr sympathische, freundliche und aufgeschlossene junge Dame. Halt eine aus der Zunft wie du und ich. Was mich betrifft, werde ich allerdings leider nicht vor Ort sein, um sie wie beim 5.Neustädter Kugel-Cup live und aus nächster Nähe zu sehen. Für Kiebitze: Das Kugelstoßen der weiblichen Klassen beginnt um 13.15 Uhr. - Alle Details mit Teilnehmerliste unter diesem Link.