Arthur Abele stellte nach beiden Lesarten deutschen M35-Rekord auf

(München/Krefeld, 24. August 2022) Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Manchmal, nicht immer. Durch das Tagesgeschäft im Zusammenhang mit unserer aktuellen und umfangreichen Berichterstattung von den Europameisterschaften der Männer/Frauen im Olympiastadion in München haben wir es zunächst auf Halde legen müssen. Nun aber wollen wir endlich dem abgedankten Zehnkampf-König Arthur Abele (*30.07.1986) aus Ulm die im gebührende Reverenz erweisen. Bei dem Schnellschuss am nächsten sehr frühen Morgen mit ohnehin schon sehr viel Recherchearbeit vom Vorabend, habe ich leider vorbehaltlos den Kommentar der Fernsehreporter übernommen, wonach der 36-jährige Ex-Europameister nicht nur mit jenen 7.662 Punkten sein Ziel den Abschied mit einem letzten „Achttausender“ aufzuwerten verfehlte, sondern auch den bereits Jubiläum feiernden 50 Jahre alten deutschen Rekord der M35 von Graf Werner von Moltke (*24.05.1936,†29.07.2019) vom USC Mainz mit 7.713 Punkten vom 13.Mai 1972 in Bonn.

Einigen LAMPIS-Lesern ist diese erhellende Erkenntnis zu verdanken

Eine ganze Reihe von aufmerksamen und fach-/sachkundigen LAMPIS-Lesern, darunter der frühere 7.019-Punkte-Zehnkämpfer und heutige Wurf-Allrounder Klaus Kynast (*1949) aus Hagen, haben mich via E-Mail auf die Falschmeldung hingewiesen. Denen sei symbolisch der abgebildete Leuchtturm gewidmet, ansonsten dem
Deutschen Leuchtturm-Verband" mit seiner selbst ernannten weltweiten Strahlkraft vorbehalten.
Also habe ich inzwischen nach dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ die jeweiligen Einzelleistungen anhand des Mehrkampfrechners auf der DLV-Netzseite in Punkte ohne und mit Altersklassenfaktor ermittelt. Denn es hätte ja sein können, dass der bei dem Uralt-Rekord des gräflichen Zehnkämpfers noch nicht einbezogen wurde. Das war jedoch der Fall. Korrekt mit Faktor habe ich 7.711 statt der gelisteten 7.713 Punkte (siehe Link) ausgerechnet, ohne den sind es 7.404. Bei Abele aber 7.662 und mit jenem Bonus der M35 7.973 Punkte. Ergo stellte er so oder so einen neuen deutschen Rekord auf. Und das nach meiner Version mit einem Plus von 258 respektive 262 Zählern recht deutlich.
Wer mag und kann, belehre mich eines Besseren. Halt, einen Tipp für den DLV-Statistiker habe ich noch: Abele fehlt auch noch in der unterjährigen deutschen Bestenliste bei der M35!

Sommermärchen 2.0 mit matter Kehrseite des vorderen schönen Scheins

Kolumne

Moment mal

(München/Krefeld, 23. August 2022)
Vorweg: Eigentlich kann es bei den Zeit-, Augen- und Ohrenzeugen insbesondere live vor Ort und daheim an den Fernsehschirmen keine zwei Meinungen geben, dass die European Championships Munich 2022 in der Bayern-Metropole mit insgesamt neun Sportarten an den elf Tagen bei 176 Entscheidungen eine tolle, stimmungsvolle Veranstaltung mit alles in allem grandiosen, mitreißenden Leistungen und spannenden Auseinandersetzungen waren. Dabei haben die Sportstätten der Olympischen Spiele von vor exakt 50 Jahren in der heutzutage werbeträchtig so bezeichneten „Weltstadt mit Herz“ eindrucksvoll ihre – ein Modewort der Zeit – Nachhaltigkeit bewiesen. Ja, und nicht zuletzt, hat das begeisterungsfähige, vor allem beim Triathlon im Olympiapark mit jenseits der 100.000 in Massen strömende Publikum ein gerütteltes Maß zum Gelingen beigetragen. Auch als Stimulanz für die Hauptdarsteller, die Athletinnen und Athleten. Klar, geht es auch stets um Lokalkolorit, werden eben Landsleute besonders enthusiastisch gefeiert. Das ist legitim, so lange es nicht parteiisch wird. Und das war meines naturgemäß nicht allumfassenden Wissens aus der Fernsicht nicht der Fall.

Kleinere Verbände machen dem DLV vor wie Spitzensportförderung geht

Naheliegend, dass ein Teil der großen Erfolgsgeschichte durch die heimischen Sportler/innen in den neun verschiedenen Nationaltrikots geschrieben wurde. Als am Ende überall zusammengerechnet worden ist, war die deutsche Nationalhymne (26) der größte Hit vor „God save the Queen“ der Briten (24) und dem unschlagbar inbrünstig mitsingbaren „Italia“ von Italien (14). Als Sparte ebenfalls vorne dabei die Leichtathletik (7). Fraglos nach dem desaströsen Abschneiden bei der WM in den USA eine mittelprächtige, diesmal positive Überraschung. Aber, und das sollte bei der Spitzensportförderung den weiterhin völlig zu Recht übel ins Gerede gekommenen Damen und Herren des DLV ernsthaft zu denken geben, waren so kleine Verbände mit wesentlich weniger Teilnehmern wie der Radsport und Kanu/Kajak (beide je 8) noch erfolgreicher. Kleiner Anschauungsunterricht gefällig? Dazu sind sie leider zu eitel, glauben fälschlicherweise, die Weisheit für sich gepachtet zu haben. Blanker Unsinn, noch nett formuliert.

Horrende Preise modernem Raubrittertum gleich

Losgelöst davon, müssen es hier zu Lande immer gleich irgendwelche Superlative sein, wird das größte Sportspektakel auf Münchner Boden seit eben jenen Sommerspielen 1972 in Anlehnung an die Fußball-WM 2006 in Deutschland als „Sommermärchen 2.0“ hochstilisiert. Gemach, gemach! Da werden Äpfel mit Birnen verglichen, blieb die Strahlkraft von „König Fußball“ beispielsweise mit Fanmeilen unerreicht. Allerdings heruntergebrochen auf die Leichtathletik, vermutlich auch anderswo, war schon einiges märchenhaft: Die horrenden Preise für Eintritt und „Nebengeräusche“ im Olympiastadion, wie unser Münchner Korrespondent einer großen, angesehenen Tageszeitung zu berichten weiß. Das vermochte lediglich ein junges Publikum etwa im Bereich von zehn Prozent anzulocken. Der gaaanz große Rest gehörte der Generation 60+ mit viel Zeit und Kleingeld in großen Scheinen an. Ein Großvater mit zwei Enkeln hatte für je drei Bratwürstchen, Apfelschorle und Eis am Stiel satte 45 Euro auf den Kassentisch des Caterers zu legen. Dazu kam noch das Entree für die vier „Sessions“ der beiden Zehnkampf-Tage im mittleren Preissegment in Höhe von 480 Euro. Halleluja! Was „lacostet“ die Welt? Das grenzt nicht nur an, das ist modernes Raubrittertum.
So schaute es also hinter den Kulissen des vordergründig schönen Scheins aus!

Zwei silberne und eine bronzene Medaille für das DLV-Team

(München/Krefeld, 21. August 2022) Mit einem stimmungsvollen Regenbogen über dem Zeltdach des Olympiastadions von 1972, 50 Jahre später immer noch eine architektonische Schönheit mit einem besonderen Flair für inspirierte Darsteller und stimulierte Zuschauer, begann gestern am vorletzten Wettkampftag die Abendveranstaltung bei der Leichtathletik-EM. Ein schönes, auch von den Fernsehkameras eingefangenes und ins Pantoffelkino geliefertes Bild. Allerdings mit der Kehrseite von teilweise schwierigen Bedingungen bei nicht anhaltendem Nieselregen. Insbesondere beim Speerwurf der Frauen und Stabhochsprung der Männer mit ihren ultralangen Verweildauer am Ort der Handlung.
Da war indes lediglich die Frage zu beantworten, wer hinter dem nun in 19 Wettkämpfen in Serie unantastbaren Überflieger und Weltrekordler (6,21m) Armand „Mondo“ Duplantis aus Schweden, der es gnädig machte und es beim neuen Meisterschaftsrekord (CR) von 6,06m bewenden ließ, die beiden weiteren Medaillenränge belegen würde. Erfreulicherweise konnte sich Bo Kanda Lita Baehre als „erster Verlierer“ und übersprungenen 5,85m mit der Silbermedaille schmücken lassen. Dritter mit 5,75m wurde der Norweger Lillefosse.

Lea Meyer: Nach „Slapstick“ bei der WM nunmehr Silber bei der EM

Der 23 Jahre junge, ehrgeizige Leverkusener mit seinem sicherlich noch großen Potenzial durfte schon im Vorfeld als die größte, wenn nicht gar einzige deutsche Medaillenhoffnung in den sechs Entscheidungen der „Evening Session“ gehandelt werden. Doch nahezu gleichzeitig beim vom Zeitplan abschließenden Rennen über 3.000m Hindernis sollte es eine faustdicke Überraschung geben. Für die zeichnete Lea Meyer verantwortlich, die bei der WM in Eugene durch ihre unfreiwillige Slapstick-Einlage mit dem „Köpper“ in den Wassergraben weltweite Berühmtheit erlangte. Seinerzeit sich aufrappelnd und tapfer-zügig ins Ziel laufend, deutete die knapp noch 24-Jährige ihre wahren Möglichkeiten bereits an. Doch mit dem was sie gestern in einer makellosen Vorstellung bot, damit sprengte sie förmlich ihre Leistungsgrenzen und stieß in ungeahnte Dimensionen vor.

Bisherigen "Hausrekord" um 10,26 Sekunden in Schutt und Asche gelegt

Trotz einer vorherigen Corona-Infektion (erst seit neun Tagen ist sie wieder negativ getestet) unterbot die Kölnerin in einem couragierten Rennen ihre bisherige persönliche Bestzeit von 9:25,61 um unfassbare 10,26 Sekunden auf 9:15,35 Minuten, belohnte sich dafür hinter der haushohen Favoritin Luzia Alba (9:11,31 CR), aber deutlich vor der ebenfalls hoch gehandelten Britin  Elizabeth Bird (9:23,18) mit einer nicht für möglich gehaltenen Silbermedaille. Aus solchem Holz sind die vom DLV in seinem Anglizismuswahn propagierten „True Athlets“ (Wahre Athleten) geschnitzt, die über sich hinauswachsen, wenn es darauf ankommt. „Das Publikum hat mich getragen. Heute hat einfach alles zusammen gepasst“, sagte die nachvollziehbar überglückliche „Meyerin“ ins ARD-Mikrofon. Und vermutlich jeder Zeit-, Augen- und Ohrenzeuge freute sich mit ihr. Da schließe ich mich als Chronist ein.
Sei darüber nicht vergessen, dass am Vormittag bei fortwährender Regendusche, was in dem konkreten Falle kein Nachteil war, Saskia Feige im 20 Kilometer Gehen in der persönlichen Bestzeit von 1:29,25 Stunden Bronze gewann.
Alle weiteren Resultate der deutschen Finalisten: 800m: 7. Christine Hering 2:00,82 min.; 3.000m Hindernis: 12. Elena Burkhard 9:39,63 min. (SB); 4x400m Männer: 7. Schlegel, Schneider, Koch, Sanders 3:02,51 min.; 4x400m Frauen: 5. Thiel, M.Mayer, Schmidt, Krafzik 3:26,09 min. (SB); Stabhoch: 8. Torben Blech 5,50m, 9. Oleg Zernikel 5,50m; Speer: 11. Annika Marie Fuchs 54,52m; 20 km Gehen: 9. Leo Köpp 1:21,36 Stunden (SB), 20. Karl Junghannß 1:28,31, Nils Brambach DQ. Und die Gesamtergebnisse des sechsten Wettkampftages.

EM-Schlusstag: "Finale furioso" mit zwei Goldmedaillen gekrönt

(München/Krefeld, 22. August 2022) „Finale furioso“ gestern Abend bei den Europameisterschaften in der Leichtathletik vor rund 40.000 Zuschauern im Münchner Olympiastadion anlässlich der European Championships Munich 2022 mit insgesamt neun Sportarten. Gekrönt mit zwei Goldmedaillen bei fünf Entscheidungen unter deutscher Mitwirkung. Aber auch getrübt durch die sehr kurze Schicht der Sprintstaffel der Männer, die nach dem Halbfinal-Erfolg mit Landesrekord von 37,97 Sekunden zumindest als glühendheißer Medaillenkandidat gehandelt werden durfte. Doch der erste Wechsel von Kevin Kranz auf den zu spät loslaufenden Joshua Hartmann ging nach wildem Gestochere mit letztlichem Stabverlust vollends in die Binsen. Deutlich besser gelang dies den vier Mädels mit dem Bundesadler auf den gestreiften Trikots, wie es mal abgesehen von der Zeit einfach nicht geht: Den Stab einigermaßen schadlos als Erste über die Ziellinie zu bringen, obendrein davon zu profitieren, dass dies querbeet den vom läuferischen Potenzial überlegenen Britinnen und den Französinnen nicht gelang.

Freudentaumel des Sprintquartetts der Frauen und der Zuschauer

Normalerweise heißt es „Ladies first“. Doch diesmal blieb es den Frauen in einer sinnfreien Steigerung des Genderwahns vorbehalten mit dem Wettbewerb über 4x100m für den ultimativen Schlussakkord dieser siebentägigen kontinentalen Titelkämpfe zu sorgen. Den 400 Meter langen Laufsteg der Stadionrunde vollendete das DLV-Quartett in 42,34 Sekunden mit der siebten Goldmedaille. Dabei ging es freilich recht holprig los. Startläuferin Alexandra Burghard versiebte den Auftakt mit der schwächsten Reaktionszeit von 0,252 Sekunden. Auch der Wechsel zu der erneut auf der Gegengeraden sehr stark laufenden Lisa Mayer (für die formschwache, angeblich auch verletzte Tatjana Pinto; vermutet werden darf eine Leistungszerrung) war haarscharf an der Grenze zu misslungen. Trotz ihrer nach dem 100-m-Triumph mit acht Stichen genähten Platzwunde am Bein und dem Verzicht im Halbfinale, legte Gina Lückenkemper einen blitzsauberen Kurvenlauf hin, schickte die als Solistin ebenfalls nicht überzeugende Rebekka Haase (11,52 im Triplefinale) mit Vorsprung auf den letzten Abschnitt der kurzen Reise. Den musste die staffelerprobte 29-Jährige nur noch verwalten. Der Abstand schmolz gegen die läuferisch klar stärkere EM-Vierte Ewa Swoboda (11,18) zusehends dahin, war aber gegen die Nationalrekord laufenden Polinnen (42,61) immer noch groß genug. Der Rest war vierfacher Freudentaumel im Innenraum und beim weit überwiegenden heimischen Publikum mit stehenden Ovationen auf den Rängen.  

Speerwerfer Julian Weber durchbrach den Fluch des Viertplatzierten

Das halbe Dutzend an goldglänzendem Edelmetall hatte zuvor Speerwerfer Julian Weber vom USC Mainz vollgemacht, der endlich den Fluch ablegen konnte, bei Großereignissen den medaillenlosen vierten Platz zu belegen. Der 27-jährige Mainzer lieferte nach einem sehr weiten, aber knapp ungültigen zweiten Versuch mit „Vetter-Bauchplatscher“ von etwa 88 Metern im vierten Versuch mit 87,66m sein Meisterstück. Damit verdrängte er den favorisierten WM-Dritten und von Weltrekordler Jan Zelezny (98,48m) trainierten Jakub Vadleijch aus Tschechien um 38 Zentimeter von der Spitze. Der war davon augenscheinlich so beeindruckt und konsterniert, dass er nur noch restlos missratene Versuche zuwege brachte. So stand Weber bereits vor dem finalen sechsten Durchgang als neuer Europameister fest, auf den er dann bei dem gehörigen Spannungsabfall verzichtete. So bleibt also der Titel fest in deutscher Hand, den Thomas Röhler aus Jena 2018 in Berlin gewonnen hatte und sich in der bayerischen Metropole seine „Wild Card“ abfeiernd mit 71,31m gehörig blamierte. Die vernichtende Etikettierung gebührt auch leider Andreas Hofmann. Bereits als Elfter der Qualifikation mühte sich der körperlich monumentale 92,06-m-Werfer mit 77,29m ab. Dieser Rang war auch nach dem Vorkampf des Finales für ihn reserviert, blieb er mit 74,75m unter der Weite von Zehnkampf-Europameister Niklas Kaul (76,05m). Auweia! Ein weiterer Offenbarungseid der Marke Röhler in der einstigen deutschen Speerwurf-Herrlichkeit.

Frank Busemann: "Es ist nicht nun nicht alles gut, darf nicht so weitergehen wie bisher“
 
Als einer von etlichen Schönheitsfehlern sollte der blank polierte Medaillenspiegel auf Rang eins mit einer Goldmedaille mehr vor Großbritannien (insgesamt jedoch 16:20) den Blick vor der blanken Realität indes nicht verschließen. Das war Europa, dazu noch ohne die stärkste Leichtathletik-Nation Russland, die nicht auf Dauer verbannt bleiben wird, wie seinerzeit Deutschland nach dem 2.Weltkrieg ebenfalls nicht. Im Weltstandard, und das hat die WM in Eugene in aller schonungslosen Deutlichkeit aufgezeigt, spielen  die weiblichen und männlichen Germanen lediglich noch eine Nebenrolle mit gelegentlichen Ausreißern nach oben. „Es ist nun nicht alles gut, darf nicht so weitergehen wie bisher“, sei mit dem früheren Weltklasse-Zehnkämpfer und ARD-Experten Frank Busemann nur einer von vielen Fachleuten zitiert, die in dieselbe Kerbe schlagen. Und da ist ein Neuanfang in der selbstgefälligen, restlos überforderten Verbandsspitze um den Vorstandsvorsitzenden Cheick-Idriss Gonschinska und DLV-Chefbundestrainerin Annett Stein dringend vonnöten. Denn irgendwann wird es dem Bundesinnenministerium und dem Bundesrechnungshof zu bunt, in dieses Fass ohne Boden zu investieren. Der Bund der Steuerzahler hat bereits aufgemuckt und viele besorgte Bürger mit ihm in rundum besch... Zeiten wie diesen, wo ganz woanders der Schuh drückt und der Gürtel enger geschnallt werden muss. Die Erfüllung des Rufs nach noch mehr Fördermitteln durch die öffentliche Hand darf es schlichtweg nicht geben, ist zunächst der eigene
Saustall" von grundauf auszumisten.
Alle Resultate vom Schlusstag.   

Fünfter EM-Tag: Zwei aus zehn schnupperten an bronzenem Edelmetall

(München/Krefeld, 20. August 2022) Kontrastprogramm beim aufgeblähten DLV-Aufgebot bei den Europameisterschaften im Olympiastadion in München: Während Mittwoch alle sechs Finals ohne Beteiligung der gastgebenden einstigen „Grande Nation“ über die sportliche Bühne an der durch die Olympischen Sommerspiele 1972 geweihten Kultstätte gingen, war unser einig Vaterland – und das lassen wir „Gegenderten“ uns alle miteinander genüsslich auf der Zunge zergehen – in allen sieben Entscheidungen vertreten. Ein neuerlicher Medaillenrausch wie am vorigen Dienstag kam freilich nicht dabei heraus. Aber immerhin die sich mehrende Erkenntnis, dass die im Weltkonzert in Spitze und Breite nur noch die dritte Geige spielende deutsche Szene der Männer/Frauen zumindest auf dem alten europäischen Kontinent noch munter mitmischen, manchmal auch eine Rolle in vorderste Linie spielen kann. Allerdings sollte das bei den (un-)verantwortlich Handelnden im Verband nicht zu überschwänglichen Optimismus und einem „weiter so“ führen. Erhebliche Zweifel sind angebracht, da sich höchstwahrscheinlich am notleidenden leitenden Personal nichts ändern wird. Jede Wette!

Paritätisch verteilt zehn Deutsche in sieben Entscheidungen

Zehn Deutsche, hübsch paritätisch nach Geschlecht verteilt, in sieben finalen Endkämpfen: Was kam dabei unter dem Strich heraus? Zwei davon durften wenigstens an der Bronzemedaille schnuppern. Dreispringerin Neele Eckart-Noack fehlten als Viertplatzierte mit 14,43m daran lediglich zwei Zentimeter und das nun einmal unerlässliche Quäntchen Glück. Leider sollte  sich für die 30-jährige Niedersächsin mit 14,53m als Beste der Qualifikation die von uns geäußerte Binsenweisheit bestätigen, dass im Finale die Karten nun einmal gänzlich neu gemischt werden.
Einen Platz weiter hinten jedoch genau genommen noch näher dran war Langhürdler Joshua Abukabu. In einer äußerst knappen Auseinandersetzung mit Zielfotoentscheid  um Bronze wurde der Frankfurter in der persönlichen Bestzeit von 48,79 Sekunden über 400m Hürden Fünfter, fehlten ihm auf Rang vier sechs Tausendstel und auf den dritten Platz eine Hundertstel.
Der Rest vom Fest der Platzierten: 200m: 5. Joshua Hartmann 20,50; 8. Alexandra Burghardt 23,24 Sekunden; 1.500m: 5. Hanna Klein 4:05,49, 10. Katharina Trost 4:06,95 Minuten; 400m Hürden: 8.Carolina Krafzik 56,02 Sekunden (bis zur zehnten Hürde, die sie fast aus dem Stand überquerte, auf dem dritten Platz); 3.000m Hindernis: 5. Karl Bebendorf 8:26,49, 14. Niklas Buchholz 8:37,51 Minuten; Diskuswurf: 10. Henrik Janssen 61,11m.

Sprintstaffel der Männer rannte in 37,97 Sekunden deutschen Rekord

Und was am Vormittag geschah: Alle vier deutschen Staffeln erreichten die Finals. Die größten Hoffnungen weckte das männliche Sprintquartett (Kranz, Hartmann, Ansah, Ansah-Peprah), das als Vorlaufsieger in 37,97 Sekunden den deutschen Rekord um zwei Hundertstel verbesserte. Ein weiteres „Heimspiel“ verdiente sich das Münchner Kindl Christina Hering in 2:00,86 Minuten über 800m mit einem kleinen „q“ im Sportgepäck. Dies gelang auch der weiterhin nach ihrer Bestform suchenden Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch, für die gar 1,87m Saisonbestleistung bedeuteten (alle Resultate).

Thomas Röhler blamierte sich und schadete der Sache

Auf äußerst schwachem Niveau stand die Qualifikation im Speerwurf. Keiner der angetretenen 24 Recken schaffte die für ein direktes Weiterkommen verlangten 83 Meter. Der „Cut“ auf Platz zwölf lag bei lausigen 77,20m. Zweitbester war Julian Weber mit 80,99m. Andreas Hofmann zog als Elfter mit 77,29m sinnbildlich noch so gerade den Kopf aus der Schlinge, die bereits an seinem Hals baumelte. Und dann war da ja noch der restlos entzauberte Titelverteidiger Thomas Röhler, der völlig außer Form auf Gedeih und Verderb seine ihm zustehende persönliche „Wild Card“ ausspielte. Dies auch hinterher im Interview bei ZDF-Moderator Norbert König vehement und wortreich, indes nicht überzeugend verteidigte (was auch sonst?). Was dem Thüringer als 22. der Gesamtwertung mit 71,31m blieb, war eine sehr ordentliche Weite für einen Zehnkämpfer. Gegen Europameister Niklaus Kaul hätte es allerdings nicht gereicht, der bei seiner erfolgreichen Aufholjagd 76,05m geworfen hat. Jeder blamiert sich halt so gut er kann. Röhler konnte. Wer wollte das jetzt noch bestreiten?! Doch er schadet nicht nur sich, sondern auch dem Ansehen der ohnehin um Reputation und verlorenes Terrain ringenden deutschen Leichtathletik.
So schaut’s aus und wird ein Sportschuh draus!