Bayern das gelobte Land der Senioren-Leichtathletik - inklusive DAMM

(Wendelstein/Krefeld, 02. September 2021) Gut zu wissen, dass wenigstens der bayrische Löwe auch in diesen vermaledeiten Zeiten von Corona noch brüllt. Es ist übrigens nicht Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gemeint, der von der Schwesterpartei CDU (Lasch > Lascher > Laschet) verhinderte Kanzler-Kandidat. Nein, vielmehr die Senioren-Leichtathletik (SeLa). In dieser Hinsicht darf Bayern getrost als das gelobte (Bundes-)Land bezeichnet werden. Es fanden/finden in 2021 alle gängigen Meisterschaften der Ü30-Generation statt, inklusive der Keimzelle der Seniorenbewegung in der Leichtathletik – der guten alten Deutschen Mannschafts-Meisterschaft (DAMM). Das Landesfinale steht morgen im zu Fürth nahen Wendelstein auf der Agenda.

Fast 1.000 Kilometer für einen Gaststart

Aus der Not, der SeLa-Diaspora Nordrhein anzugehören, macht das M70-Team der Stg Hünxe-Bedburg-Duisburg eine Tugend und startet als Gast außer Konkurrenz. Aber immerhin geben sie einen starken „Sparringspartner“ für die einheimische Stg LAC Quelle Bayern Masters ab, die ansonsten allein auf weiter Flur gewesen wären. Natürlich macht das von ihrem vielseitigen sportlichen Frontmann Friedhelm Unterloh angeführte Nordrhein-Septett nicht mal eben einen reinen Wettkampf-Trip ins rund 480 km entfernte Mittelfränkische. Organisiert durch den ortskundigen Dieter Krumm (im Bild) vom LAC Quelle Fürth, logieren sie vor und nach getanem Werk im Hotel Pyramide in Fürth und werden Samstagabend im schönsten Biergarten der Stadt, den BierHimmel im Hexenhäusle, gemeinsam mit fünf LAC-Athleten bei landestypischen Speisen (Fränkisches Schäufele) und Getränken (Weizenkaltschale) zünftig den Tag bis zum Abwinken ausklingen lassen (das übersichtliche Starterfeld von Wendelstein unter diesem Link).

Letztes DAMM-Bundesfinale ebenfalls in Bayern

Noch zwei Dinge: Das mit Spannung erwartete Debüt der stark aufgerüsteten M60 der Bayern Masters kann aufgrund Verletzungsproblemen (unter anderem Hubert Berger) nicht stattfinden. Und: Das letzte Bundesfinale der DAMM ging Ende September 2019 zur Eröffnung des Oktoberfestes im Münchner Dantestadion ebenfalls auf bayrischem Boden über die sportliche Bühne (damals waren die Kontrahenten von jetzt bei 7.145 zu 7.108 Punkten zugunsten der Bajuwaren lediglich um 37 Punkte getrennt). Alles Weitere wusste der DLV trotz vorliegender Bewerbung(en) abzublocken. Wie so manches andere auch, beispielsweise die Mehrkampf-DM und die Wurf-Fünfkampf-DM jeweils in Zella-Mehlis. Und das alles bei einem Personenkreis, der bereits weitgehend zweimal geimpft ist (etwa 80 Prozent). Die größte Risikogruppe für Neuinfektionen stellen derzeit die bis 24-Jährigen dar. Die kommen jedoch nicht einmal unter den Kampfrichtern bei Leichtathletik-Wettkämpfen aller Art vor. Da sind die „Alten“ jedoch herzlich willkommen, würde gar ohne sie tote Sporthose herrschen.

Für etwaig notwendige Nachbesserungen sind Aktive selbst zuständig

(Baunatal/Darmstadt/Duisburg/Krefeld, 01. September 2021) Nun stehen wir nicht in dem Verdacht, noch weniger in dem Ruf, mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV)  zu sympathisieren und in Geschäftsführung ohne Auftrag Partei für ihn zu ergreifen. Die Ausschreibung für die Deutschen Senioren-Meisterschaften vom 10. bis 12.September in Baunatal ist fraglos in weiten Teilen eine Missgeburt, musste gar irgendwann zum besseren Verständnis durch ein vermutlich selbst gebasteltes Frage- und Antwortspiel (nennt sich FAQ, spricht sich sinnigerweise wie das englische Wort Fuck) ergänzt werden. Aber der nachfolgende Passus zu „Punkt 8 Teilnahmeberechtigung“ ist zumindest in der Formulierung unstreitig:
Senioren der Klassen M35 – M90 und W35 – W90 sind teilnahmeberechtigt:
- sofern sie in der Freiluftsaison 2020/2021 die geforderten Mindestleistungen bis zum Meldeschluss erfüllt haben.
- wenn aus diesem Zeitraum keine Qualifikationsleistungen vorliegen, kann auch eine Leistung aus der Freiluftsaison 2019 herangezogen werden. In diesem Fall ist aber ein Leistungsnachweis aus dem Jahr 2021 (Wettkampfergebnis in der identischen Disziplin) vorzulegen.
(Anmerkung: Die Fettschrift haben wir zu Verdeutlichung vorgenommen.)


Regeln sind nun mal ausnahmslos für alle da

Regeln sind für alle da. Auch für solche, die über jeden Zweifel ihrer Leistungsfähigkeit erhaben sind.
Dass der DLV für Hallenmeisterschaften Freiluft-Leistungen anerkennt, umgekehrt jedoch nicht, steht auf einem anderen Blatt, ist nach unserer Kenntnis auch von einigen Aktiven beanstandet worden. Erfolglos! Die Absicht ist klar, diente der angestrebten Reduzierung der Teilnehmerfelder.
Exemplarisch am Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) aufgemacht, gibt es dort schon sehr frühzeitig nach dem Meldeschluss zur Senioren-DM eine Liste mit den anerkannten und nicht zugelassenen Meldungen nebst Begründung. Bei Letzterem sind im Eventualfall durch die betroffenen Athleten*innen Nachbesserungen möglich. Denn die Verbände sind nun einmal nicht alleswissend. Insbesondere im Ausland 2020 oder 2021 erzielte Zeiten, Höhen, Weiten sind ihnen nicht bekannt, da es bei der Ü35-Generation (noch) keine internationale Vernetzung gibt. Allerdings wäre bei einer solchen Leistung aus 2019 noch ein Leistungsnachweis aus 2021 erforderlich.
Quintessenz aus der Geschicht‘: Jedem vermeintlich Gemeldeten kann nur dringend empfohlen werden, sich sachkundig zu machen. Spätestens dann, wenn der DLV auf seiner Netzseite die Gesamtmeldeliste nach Altersklassen und Disziplinen veröffentlicht.  Darauf werden wir selbstverständlich hinweisen.

Regionale Titelkämpfe der Ü30 standen unter keinem guten Stern

Kolumne

Moment mal

(Bielefeld/Düsseldorf/Heuchelheim/Ingelheim/Krefeld, 30. August 2021)
Einfach zu viel – des Guten wäre schamlos übertrieben. Das bezieht sich schlicht darauf, dass es einer Herkulesaufgabe gleich kommen würde, in einem Beitrag alle vier regionalen Senioren-Meisterschaften von Westfalen in Bielefeld, vom Nordrhein in Düsseldorf, von Hessen in Heuchelheim und Südwest in Ingelheim selbst nur in Glanzlichtern be-, geschweige denn ausleuchten zu wollen. Dennoch habe ich mich pflichtgemäß zumindest im Schnellverfahren durch den Wust der unübersichtlichen Ergebnislisten nach Art des österreichischen Software-„Dienstleisters“ SELTEC gearbeitet. Alles in allem rein oberflächlich bilanziert: Häufig sehr dünn besetzte Felder, nicht nur erfahrungsgemäß in den Eingangsstufen von M/W 30 und 35, und oftmals auch mäßige Zeiten, Höhen und Weiten. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Corona hat seine tiefen Spuren hinterlassen

Dafür gibt es neben dem allgemeinen, seit Jahren zu beobachtenden durchgängigen Sinkflug des Leistungsvermögens viele gute, richtiger: schlechte Gründe. Corona hinterlässt seine tiefen Spuren, gerade bei der Ü30-Generation. Die Trainingsmöglichkeiten waren bei geschlossenen Anlagen sehr lange Zeit stark eingeschränkt bis gar nicht vorhanden. Das fehlende Wettkampf-Angebot tat sein Übriges, ließ die Motivation ins bodenlose sinken. Speziell der Nordrhein, von dem ich es ganz genau weiß, ist regelrecht zum Leichtathletik-Niemandsland verkommen. Für viele waren die genannten vier Titelkämpfe die erste Startgelegenheit seit eineinhalb Jahren oder länger überhaupt. Da sind nun mal keine Leistungen auf dem ureigenen, eben auch sehr unterschiedlichen Niveau zu erwarten. Das wäre nicht nur, das ist vollkommen illusorisch. Erschwerend kamen die teilweise außerordentlich ungünstigen, leistungshemmenden äußeren Bedingungen (regnerisch, entsprechend kühl) hinzu. Definitiv ist es mir aus eigenem Erleben von Düsseldorf bekannt, aus Heuchelheim und Bielefeld via Überlieferung buchstäblich Betroffener.

Mitunter schweigt besser des Sängers Höflichkeit

Demzufolge wäre es ungerecht, einige hervorzuheben und damit andere automatisch zurück zu setzen. Obendrein ist es mitunter geboten, sich an jenem Sänger zu orientieren, der aus purer Höflichkeit geschwiegen hat. Besonders augenfällig wird es an dem grundsätzlich tollen Service der Westfalen, die in der Dachleiste der Ergebnisliste den jeweiligen Verbandsrekord führen. Besser nicht hinschauen. Da kann einem regelrecht angst und bange werden, wie es früher aussah und heutzutage aussieht. Bisweilen liegen Welten dazwischen.

Wer den DLV zum Freund hat, braucht keine Feinde mehr

Nun jedoch wieder ganz allgemein gesehen: Gleichwohl ist es bei aller Unbill manchem/mancher gelungen, auf der allerletzten Rille die Norm für die Senioren-DM in Baunatal zu erfüllen. Ob er/sie bei den angesagten Teilnehmer-Beschränkungen pro Disziplin einen Startplatz erhält, steht wiederum auf einem anderen Blatt: Dem irrwitzigen Pamphlet (er nennt es Ausschreibung), Diktat und Willkürakt des ach so innovativen Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) mit seiner weltweiten Strahlkraft von eigenen Gnaden. Ein neues Leuchtturmprojekt von ihm, bei dem allerdings vergessen worden ist, das elektrische Licht einzuschalten. Mehr als eine Kerze ist es nicht geworden. Gute Nacht „Freunde"! Stichwort: Wer den DLV zum Freund hat, braucht keine Feinde mehr.   
Nun aber: Überlassen wir es zu guter Letzt dem Auge und der Beurteilung des geneigten Betrachtes mit seinem privatem Studium der verlinkten Ergebnislisten aus Westfalen, vom Nordrhein, aus Hessen und Südwest selber zu gewichten.

Senioren-DM: Notfalls mit Einstweiliger Verfügung sein Recht erstreiten

(Baunatal/Darmstadt/Krefeld, 31. August 2021) Ungeachtet der rechtlichen Angreifbarkeit des unterschiedlichen Handelns durch die Dachorganisation DLV bei der Ausschreibung zu den Deutschen Senioren-Meisterschaften vom 10.bis 12.September 2021 in Baunatal halten wir zunächst rein faktisch fest: Aus 16 Landes-/Regionalverbänden haben Stand gestern bis zum Meldeschluss (29.August) in Summe 809 Startwillige ihre Meldungen abgegeben. Es fehlen noch Hessen sowie die kleineren Regionen Rheinhessen, Pfalz und Saarland. Mithin dürfte bereits klar sein, dass die Deckelung der beabsichtigten Höchstteilnehmerzahl von 1.000 nicht überschritten werden dürfte. Das ist jedoch noch kein Freifahrtschein, dass auch alle Gemeldeten starten dürfen. Bereits im Vorfeld sind vom LV Nordrhein neun Meldungen von teilweise bekannten Athleten*innen nicht zugelassen worden. Die Begründung wurde mitgeliefert. Aber wer steigt da noch durch, was wann unter welchen Voraussetzungen bei der Normerfüllung anerkannt wird?
Deshalb sollte jede/r, der sich vom seinem Verein hat melden lassen, ganz genau nach der offiziellen Veröffentlichung der Online-Meldeliste nach Altersklassen und Disziplinen auf der Verbandsnetzseite hinschauen. Es kann nur jedem dringend angeraten werden, der sich durch irgendetwas beschwert oder diskriminiert fühlt, eine Einstweilige Verfügung gegen den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) mit Sitz in Darmstadt zu erwirken. Wie bereits hier und da bei uns angeklungen ist, werden wir noch in einem eigenständigen Beitrag unter Zurateziehung eines Juristen auf wider- und unsinnige Feinheiten in dieser Karikatur einer Ausschreibung eingehen. Unstreitig ist schon jetzt, dass mehrfach gegen den Gleichheitsgrundsatz nach Artikel 3, Absatz 1 des Grundgesetzes verstoßen worden ist.

Christina Schwanitz gab sich und dem Werfertag nicht die Ehre

(Niederselters/Paris/Krefeld, 29. August 2021) Es mutete schon sehr abenteuerlich an, dass die ehedem weltmeisterliche Kugelstoß-Spezialistin Christina Schwanitz (im Bild) vom LV 90 Erzgebirge zu einem (Betriebs-)Ausflug in die Provinz mit ihren Klubkameradinnen Katharina Maisch und Sarah Schmidt ausschließlich zum Diskuswurf meldet (wir berichteten). Die 35-jährige Jung-Seniorin wurde dann gestern beim zweiten diesjährigen Werfertag der LSG Goldener Grund in Niederselters wie gemutmaßt nicht gesichtet. Wohl aber ihr Heim- und Bundestrainer Sven Lang, der nicht immer über alle Schritte seiner einstigen Vorzeigeathletin informiert zu sein pflegt (Quarantäne-Trip nach Gateshead, 5.Neustädter Kugel-Cup). Der hatte Maisch und Schmidt im Schlepp. Eine merkwürdig anmutende Aktion, sich zum Saisonkehraus dafür hin und zurück 850 Kilometer unter die Autoräder zu nehmen. Antrittsgelder wird es dafür wohl keine gegeben haben, zu gewinnen gab es ebenfalls nichts.

Julia Ritter gewann das klassische Double von Kugel und Diskus

Davor stand beide Male die bienenfleißige, außerdordentlich beständige Julia Ritter vom TV Wattenscheid. Die 23-Jährige schrieb nach langer Zeit zwar diesmal mit 17,44m im Kugelstoßen keine 18 vor dem Komma, stellte jedoch bei unwirtlichen äußeren Bedinungen einen neuen Stadionrekord auf und lag klar vor Sarah Schmidt (15,95m). Den Diskuswurf entschied sie mit 56,42m noch deutlicher vor Maisch (45,57m) und Schmidt (42,60m) für sich. Alle Ergebnisse.

Speerwerfer Johannes Vetter trotz Tagesbestweite von 87,20m nur Zweiter

Werfen wir noch einen Blick in die große weite Leichtathletik-Welt zum gestrigen Juwelen-Meeting in Paris. Speerwerfer Johannes Vetter wurde trotzt der Tagesbestweite von 87,20m aufgrund der hirntoten Regelung des besten finalen Versuchs (80,23 zu 84,84m) der bis dahin drei Erstplatzierten lediglich Zweiter hinter Weltmeister Anderson Peters (85,98m) aus Grenada. Nicht nur für mich vollkommen unverständlich, dass die Athleten*innen der vertikalen Sprünge und von Stoß/Wurf dagegen nicht erfolgreich opponiert haben. Schließlich geht es in der absoluten Spitze um Profis und um beträchtliche Preisgelder sowie Ranglistenpunkte für den „Jackpot“, die aufgrund einer schlechteren Platzierung zum Teil flöten gehen. Davon waren allen anderen deutschen Teilnehmer*innen jedoch weit entfernt, liefen teilweise buchstäblich hinterher. Siehe Ergebnislisten 100m, 3.000m, Disque/Diskus (alles Femmes/Frauen), Triple Saut/Dreisprung und Javelot/Speerwurf (beides Hommes/Männer).

Vier regionale Senioren-Meisterschaften

Kommen wir noch zu unserer originären Mission. Es regnete, leider nicht nur sinnbildlich, an diesem Wochenende insgesamt vier regionale Senioren-Meisterschafen. Die vom Nordrhein in Düsseldorf werden heute fortgesetzt. Eine Zusammenfassung aller Titelkämpfe mit einigen herausragenden Resultaten veröffentlichen wir morgen in unserem Fenster Ergebnisse. Vorab geht es für Mensch gewordene Kiebitze und unersättliche Freunde der Statistik mit den blau unterlegten Verlinkungen zu den Ergebnislisten von Hessen in Heuchelheim, Südwest in Ingelheim, Nordrhein in Düsseldorf (1. Tag) und Westfalen in Bielefeld.