Hammerwurf bei der Senioren-EM: Is mir schlecht in Izmir

Kommentar
 
Unter uns gesagt 
 
(Izmir, 26. August 2014)
Die auch beim Lob sparsamen Schwaben sind der Meinung „Net gschimpft is globt gnua“ (Hochdeutsch: „Nicht geschimpft ist genug gelobt!“) und bringen damit auch zum Ausdruck, dass es ihnen nur schwer recht gemacht werden kann. Nun muss man kein Schwabe sein, um den Zeitplan der Hammerwurf-Wettbewerbe bei der Senioren-EM in Izmir suboptimal zu finden. Gerade mal 90 Meter sind die beiden gegenüberliegenden Wurfringe von einander entfernt. Selbst mit nur rudimentären mathematischen Kenntnissen sollte einem Zeitplangestalter klar sein, dass bei dieser Konstellation sich keinesfalls Altersklassen “gegenüber” stehen dürfen, in denen regelmäßig weiter als 50, nahe an 60 Meter geworfen wird. Das Risiko, dass sich zwei Hämmer in der Luft treffen, kann wohl als minimal angesehen werden: Nicht jedoch die Gefährdung der bei den jeweiligen Messvorgängen weiter im Feld Rücken an Rücken stehenden beteiligten Kampfrichter.
Dass durch die so notwendig gewordene gegenseitige Rücksichtnahme bei parallel ausgetragenen Wettbewerben Athleten und Kamprichter fast drei Stunden gefühlten 41 Grad  im Schatten ausgesetzt waren, hätte sich mit etwas Überlegung leicht vermeiden lassen. Beispielsweise bei der Kombination Gewichtwurf der Frauen mit dem Hammerwurf der Männer und umgekehrt.
Dann könnte sich auch der Schwabe darauf zurückziehen, nicht zu schimpfen. Aus Werfersicht, und vermutlich nicht nur aus der, ließe sich nach all den leidigen Vorkommnissen Izmir mit Is mir schlecht assoziieren. Gemein, aber durchaus treffend.

 

Umbenennung des Verbandsnamens steht heute auf der Agenda

(Izmir/Krefeld, 26. August 2014) Es ist über die Wettkämpfe hinaus heute im Backofen Izmir am Rande der Bande auch noch etwas gebacken. Der kontinentale Dachverband European Veterans Athletic Association, kurz EVAA genannt, hält vor den Delegierten aller anwesenden Herren Länder seine Generalversammlung ab. Das ist gemeinhin für Athleten/innen so spannend, als würde vor dem Hauptbahnhof in Peking ein Fahrrad umfallen. Diesmal geht es jedoch tatsächlich alle Aktiven an. Denn es liegt ein von EVAA-Präsident Kurt Kaschke (im Bild) aus Freudenstadt im Schwarzwald unterstützter Antrag vor, sich von dem diskriminierenden, längst nicht mehr zeitgemäßen (falls er es überhaupt je war) „Veterans“ im Verbandsnamen zu verabschieden. Es steht in Anlehnung an die World Masters Athletics (WMA), dem Senioren-Weltverband, eine Umbenennung in European Masters Athletics (EMA) auf der Agenda. Bleibt zu hoffen, dass auf die Senioren-Leichtathletik bezogen hinterher ganz Europa zur Freudenstadt mutiert. Aus Athletensicht zu vernachlässigen ist, dass auch (Teil-)Wahlen auf dem Programm stehen. Da werden eh nur Köpfe und Namen ausgetauscht. Besserung pflegt höchst selten bis gar nicht einzutreten. Verhehlen wir nicht, dass sich manche/r von Kaschke als Nachfolger des Traditionalisten Dieter Massin (Ahlen) auch mehr versprochen hat.

Werfer erlebten gleich zu ihrem EM-Auftakt ein "blaues Wunder"

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Izmir/Krefeld, 24. August 2014)
Obwohl den Protagonisten alles andere als zum Lachen zumute war, könnte der weitere Verlauf der Wurfwettbewerbe bei der Senioren-EM in Izmir noch in mancherlei Beziehung ausgesprochen „heiter“ werden. Jedenfalls erlebten die Schwerathleten unter Leichtathleten gestern beim Gewichtwurf ihr blaues Wunder. Die beiden Wurfringe sind so glatt, dass sie jedem Eislaufstadion zur Ehre gereichen würden. Um diese Misere halbwegs zu beheben, wurde auf Betreiben der stellvertretenden DLV-Delegationsleiterin Margit Jungmann vorgeschlagen, die Ringe mit Magnesia, das auch schon bereit lag, abzustumpfen beziehungsweise die Schuhsolen damit einzupudern. Das hat natürlich nur bedingt funktioniert und ist vor allem ein Verstoß gegen die Regel 187. 4d  IWR, die das Einbringen von Substanzen auf den Wurfkreis oder die Schuhsohlen verbietet.
Dann wurde unter Bezug auf Regel 192.4 IWR der linke Flügel des Schutzgitters so stark eingeschwenkt, dass er cirka 1,50 Meter in den Sektor ragte und Würfe, die im Sektor gelandet wären, dort anprallten. Erst nach längeren Diskussionen kam das Kampfgericht zur Einsicht und schwenkte den Flügel wieder zurück.
Bei den M 80/85 musste der Wettkampf nach drei Versuchen abgebrochen werden, weil die beiden Wurfgewichte zerbrachen und Ersatz nicht zur Verfügung stand. Die Konkurrenzen werden mit den restlichen drei Durchgängen heute fortgesetzt. Wo sie die Geräte so schnell herzaubern wollen, könnte noch sehr spannend werden.

Chaos in türkischen Wundertüten

Als ob das alles noch nicht genug des „Chaos’ in türkischen Wundertüten“ wäre, erklärte das Kampfgericht bei der M 35/40 den Wettbewerb nach drei Versuchen für beendet. Die Jungs waren zuvor beim Zehnkampf im Einsatz und daher der Meinung, dass es in den Einzeldisziplinen gleichfalls nur drei Versuche geben würde. Regelkundigkeit sieht anders aus. Erst nach langer Diskussion und Herbeizitieren des Schiedsrichters Wurf wurde der Wettkampf fortgesetzt. Der Klassiker unter den Leistungskillern aus sehr ungewöhnlichem Anlass. Ausgebildete Kampfrichter können das unmöglich  gewesen sein.
Der für 20.20 Uhr angesetzte Wettbewerb der M 65 wurde nach dem Einwerfen und ausgiebiger Diskussion innerhalb der Kampfrichterschaft wegen der Lichtverhältnisse und der daraus resultierenden Gefährdung für alle Beteiligten gar nicht erst begonnen und auf heute Vormittag 9.00 Uhr verlegt. Sehr zur Freude der Athleten, die um 8.00 Uhr ihren Diskuswettbewerb haben ...
Der zuständige Kampfrichter hat indes völlig richtig entschieden. Aber die Frage, die sich stellt: Haben sich die Zeitplangestalter nicht im Vorfeld mit den Lichtverhältnissen auf dem Wurffeld bei Nacht beschäftigt? Der Gewichtwurf der M 65 im Rahmen des Wurf-Fünfkampfes ist zum Beispiel am 30. August um 22.50 Uhr angesetzt.

Funktionäre stellten sich Armutszeugnis aus

Das gleiche gilt für die Funktionäre der EVACS und EVAA, Hat von diesen Damen und Herren niemand bei der Vergabe der Veranstaltung die Wurfringe inspiziert und deren absolut untauglichen Zustand festgestellt? Die Antwort kann gleich in Geschäftsführung ohne Auftrag mitgeliefert werden: Nie und nimmer! Sonst wäre es zwangsläufig nicht zu solchen Unzulänglichkeiten gekommen.
Der Begriff „heitere Spiele“ muss für diese EM völlig neu interpretiert werden. Diese sehr frühzeitige Prognose ist nicht allzu gewagt.

Redaktionelle Anmerkung: Unser Gastautor Albert Fichtner war Teilnehmer am Gewichtwurf der M 70, hat das zuvor Geschilderte hautnah und authentisch miterlebt.
 

Spiegelglatte Wurfringe mit unterschiedlichem Erfolg nachgebessert

(Izmir, 25. August 2014)  Legen wir der Fairness halber noch einmal nach zum gestrigen Kommentar zu den unmöglichen Rahmenbedingungen beim Gewichtwurf. Durch die Intervention von Margit Jungmann vom DLV und der sich dem anschließenden Athleten wurde immerhin erreicht, dass einer der beiden spiegelglatten Wurfringe abgeschliffen wurde und sich gestern Mittag in einem brauchbaren Zustand befand. So lobenswert diese Spontanaktion auch gewesen sein mag, so entschuldigt sie doch nicht das Versagen der EVAA-Funktionäre bei den Vorbereitungen zu den Wettkämpfen und der pflichtgemäßen Überprüfungen der Anlagen. Der bereits im Vorfeld gestartete Versuch, den anderen Wurfring mittels eingeflexter Furchen raurer zu machen, ist allerdings kläglich gescheitert.
Weniger erfreulich ist dagegen, dass die Waagen in Izmir offenbar anders gehen. Der von mir benutzte eigene Wurfhammer, in den letzten 14 Wettkämpfen zwischen acht und zehn Gramm zu schwer befunden, soll plötzlich 14 Gramm unter dem vorgeschriebenen Gewicht liegen und ist somit zum Wettkampf nicht zugelassen worden. Ob das an der Meereshöhe liegt? Dabei wir ich bislang der Meinung, die Gravitationskraft nimmt mit dem Abstand zum Erdmittelpunkt ab und müsste demnach der Hammer hier mehr auf die Waage bringen als in meiner bergigen oberbayerischen Heimat.

Annener Werfertag - ein Tipp für Kurzentschlossene

(Annen/Krefeld, 24. August 2014)  Aufatmen der Werfer/innen im einwohnermäßig stärkst besiedelten Bundesland  Nordrhein-Westfalen. Denn mit dem Wiederbeginn der Schulzeit geht auch das Ende der wettkampflosen, der schrecklichen Zeit einher. Kurzentschlossene aus der Umgebung haben heute die Gelegenheit beim 6. Annener Werfertag im Wullenstadion in Witten an der Ruhr ihre Spezialschuhe für Kugel, Diskus und/oder Speer zu schnüren. Diese drei Wettbewerbe sind mit Altersklassen-Wertung ab M/W 30 ausgeschrieben und finden erfreulicherweise nicht, wie heutzutage häufig als um sich greifende Unsitte üblich, in „gemischten Raubtiergruppen“ von M/W 12 bis endlos statt. Dazu ist die veranstaltende DJK Blau-Weiß Annen bekannt dafür auf die Gegebenheiten einzugehen und nötigenfalls zu große Felder durch Teilung zu entzerren. Die Anlagen sind optisch und technisch sehr schön, stets athletenfreundlich markiert und das Drumherum ist ebenfalls absolut stimmig. Für die Ü-30-Generation beginnen die Konkurrenzen ab 13.45 Uhr. Weitere Infos unter www.djkannen.de (= Leichtathletik).