Fromme Lüge musste als untaugliche Argumentationshilfe herhalten

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(Darmstadt/Erding/Krefeld, 18. Juni 2022) Weil es gerade in vielen Mündern ist, für gehörigen Gesprächs- und Schreibstoff sorgt, gewiss nicht zum letzten Mal Senioren-DM 2022 am 17./18. September in Erding jenseits des bayrischen Weißwurst-Äquators. Da nimmt es der Herr Schröder vom DLV mit der Wahrheit nicht gar so genau, hätte uns beinahe allen miteinander einen gehörigen Bären aufgebunden. Seine Argumentation, dass aufgrund des sehr späten Meisterschaftstermins ausschließlich Qualifikationsleistungen aus dieser Saison anerkannt werden, ist ausgesprochener Nonsens, schlechterdings eine fromme Lüge.
Die DM im Vorjahr in Baunatal war mal gerade eine Woche früher. Das kann den Kohl diesmal ja wohl nicht wesentlich fetter machen. Ein Schuft, der Böses dabei denkt. Es darf vielmehr gemutmaßt werden, dass es eher um die weitere Minimierung der Teilnehmerfelder geht. Weshalb eigentlich? Dafür sprechen auch die vielen Ungereimtheiten bei den Normen, die bei seit Jahren sinkendem Niveau in Spitze und Breite zum Teil drastisch angehoben worden sind. Selbst da, wo rein biologisch bedingt eine von Mutter Natur gegebene Ausdünnung stattfindet und nur wenige ältere Semester trotz Normenerfüllung letztlich antreten. So bei der M85 Kugel von 6,50 auf 7,90m und Diskus von 14,50 auf 19,00m. Krass!

Allzu kleine Felder verderben den Meisterschaftscharakter und die Wertigkeit

Als Kummerkasten der Ü35-Generation und ihr „Sprachrohr“ erreichten uns in den letzten beiden Tagen viele Nachrichten mit diesbezüglichen Hinweisen. Der Ehre sind wir uns durchaus bewusst, haben die „Geister“ ja aufmunternd schließlich selber gerufen. Allerdings schier unmöglich, sie alle zu nennen. Exemplarisch heraus gegriffen sei das Kugelstoßen der M75. Die Norm von 10,10m haben laut aktueller unterjähriger DLV-Bestenliste bislang gerade mal sieben Athleten erfüllt. Dazu ist noch in Rechnung zu stellen, dass nie alle Qualifizierten auch starten. Eine deutsche Meisterschaft mit meinetwegen vier Sportlern ohne eine Ausleseverfahren der besten Acht nach dem Vorkampf zu bestreiten ist eine ziemlich trostlose Angelegenheit. Da fabuliere ich nicht über des Kaisers Bart, war 2021 in Baunatal nicht nur dabei, sondern mittendrin, als wir mit einem Quintett im Ruck-Zuck-Verfahren den Titelträger und die Medaillengewinner ermittelt haben. Damals betrug die Norm 10,30m, die saisonal bis dahin lediglich drei erreicht hatten, der kleine Rest auf 2020 zurückgreifen musste.

Normen sollten nach einheitlichen Kriterien und nicht dem Zufallsprinzip festgelegt werden

Das kann es nicht sein. Wohlgemerkt bin ich bekanntermaßen ein großer Befürworter von Mindestanforderungen, beklage seit dem Bestehen von LAMPIS (06.Dezember 2009) den Sporttourismus in der normenfreien Komfortzone von internationalen Meisterschaften. Aber sie sollten für mehr als eine Handvoll von Athleten männlich wie weiblich realistisch und machbar sein, vor allem  nach denselben Kriterien und nicht dem Zufallsprinzip aufgestellt werden. Doch auf dem Sektor ist allzu viel ganz offensichtlich mit der heißen Nadel gestrickt worden. Denn dass die Macher keine Bestenlisten lesen und interpretieren können, wollen wir ihnen nicht unterstellen. Wohl dies: Es geht ja nur um die ungeliebten Senioren*innen, die jedoch als „Zahlvieh“ und bei der durch sie aufgehübschten stetig sinkenden Mitgliederstatistik sehr willkommen sind.