Umkehr der Beweislast dürfte im Doping-Kampf nicht mehr haltbar sein

(Köln/Krefeld, 18. Juli 2021) Erschütternd, schockierend, alarmierend, schlechterdings der Super-GAU (Größte angenommene Unfall). Die ARD-Sportschau zeigte gestern die ausführliche Dokumentation des federführenden, investigativen deutschen Anti-Doping-Papstes" Hajo Seppelt unter dem Arbeitstitel: „Geheimsache Doping: Schuldig“. Die Reportage beweist, dass vermeintliche Täter durch bewusste Anschläge mit kaum wahrnehmbaren, flüchtigen Kontakten, wie sie unter Sportlern vor, während und nach einem Wettkampf zigmal vorkommen, zu Opfern werden können. Dazu reicht ein Tröpfchen einer kontaminierten Dopingsubstanz, zum Beispiel eines anabolen Steroids, in einer winzigen Trägermasse durch Übertragung auf die Haut per Klaps, leichter Berührung oder Handschlag des Anschlagsopfers. Dies wurde in einer aufwändigen wissenschaftlichen Studie an zwölf Probanden nachgewiesen, bei denen bereits nach einer Stunde und noch 14 Tagen danach ein positiver Dopingbefund vorlag.

Christina Obergföll: „Das löst ein Erdbeben aus“

In der anschließenden, von Moderator Markus Othmer geleiteten hochinteressanten Diskussion mit dem wieder mal schrill gekleideten DHB-Vizepräsidenten und Ex-Handballer Bob Hanning, Christina Obergföll und Seppelt brachte es die ehemalige Weltklasse-Speerwerferin auf den Punkt: „Das löst ein Erdbeben in der Sportszene aus.“ Ja, treffender kann es nicht mehr formuliert werden. Denn nach den Erkenntnissen dieser Reportage ist nichts mehr so, wie es vorher war. Anders als im Zivilrecht gilt nicht die Unschuldsvermutung des Beklagten, sondern wird im Sportrecht nach den Statuten der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) die Umkehr der Beweislast angewendet. Danach muss der zunächst mal überführte Dopingsünder seine etwaige Unschuld beweisen.
Wie schwierig das bisher schon war, wurde an vier ergreifenden Beispielen einer australischen Schwimmerin, die kurz davor stand sich das Leben zu nehmen, eines schweizerischen Handballspielers, einer belgischen Judosportlerin und zwei spanischen Hockey-Nationalspielerinnen gezeigt. Nunmehr dürfte es schier unmöglich sein, wenn tatsächlich ein Anschlag vorliegen sollte. Andererseits sind aber auch nach beiden Seiten der Manipulation Tür und Tor geöffnet. Soll heißen: Dass kriminelle Betrüger, die unter den insgesamt 7.536 Dopingfällen zwischen 2014 und '18 in einer erdrückenden Überzahl waren, sich künftig mit einem angeblichen Anschlag herausreden könn(t)en. – Wer diesen Beitrag nicht gesehen hat, sollte das unbedingt in der Mediathek unter dieser Verlinkung nachholen!
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