Maritim angehauchte Dachorganisation steuert auf Reformkurs...

Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Krefeld, 02. Juni 2021)
Es ist einfach nicht mehr zu übersehen, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mit Geschäftssitz seiner über 50 hauptamtlichen Kräfte (O-Ton Präsident Kessing) in Darmstadt Kurs auf zu Reformen nimmt. Naheliegend von Kurs zu sprechen, hat sich doch diese Maritim angehauchte Dachorganisation neuerdings der Seefahrt verschrieben und orientiert sich verstärkt an Leuchttürmen sowie am Freizeitsport wie Surfen (im Internet), um immer neue Freunde für die einstige „Olympische Kern-Sportart N° 1" zu gewinnen. Eine Sportart, die hierzulande fußballerisch gesehen nicht einmal mehr in der Regionalliga aufspielt.

...mit dem Weltverband als Kompass

Lange Zeit wurde diesem Leuchtturm-Verband mit selbst ernannter weltweiter Strahlraft nachgesagt: „Bevor der DLV sich ändert, ändert sich der Vatikan." Und dabei hatte die nationale Administration alle Änderungen von oben, also aus Monte Carlo von der IAAF, heute WA für World Athletics, aufgegriffen. Der Speer erfuhr eine solche Änderung, der Schwerpunkt verlagerte sich, ein weiterer Schwerpunkt war dann die Farbe der Laufbahn, die von Rot auf Blau wechselte, damit das Auge auch etwas von dem Änderungs- und Reformansinnen mitbekam.

Deutsch nicht mehr Amts- und Umgangssprache

Nun tritt der DLV in seinem kulturverleugnenden,
preiswürdigen" Anglizismuswahn (2. Platz beim „Sprachpanscher des Jahres 2015" siehe Link) erneut als reformwillig auf. Sprachlich. Und wird damit zur echten Herausforderung aller, die bislang Deutsch als Amts- und Umgangssprache im Miteinander gewohnt waren, auch des Englischen schlicht nicht allmächtig sind (nur etwa neun Prozent der hier geborenen Bundesbürger beherrschen sie perfekt in Wort und Schrift).
Bereits vor Jahren hatte sich die Abteilung „Jugend" schon „Youth athletics" genannt, im Jahr eins von Corona in 2020 folgte dann in massiver Form der nicht enden wollende Rest vom englischen Fest. Von „Late Season" war die Rede, eine „Social Wall" wurde eingerichtet und wenn verschobene Sportfeste erneut angesetzt werden, heißt es in ebenfalls vorausgesetzter allgemeiner Verständlichkeit „Restart Meeting". Geht’s noch?

Senioren werden wider Willen Masters genannt

Bei der Aufforderung zum Start in Laufwettbewerben wird in Kürze sicherlich „On your marks" eingeführt, der Stadionsprecher wird zum „Stadium announcer", der Kampfrichter zum „Referee" und die bisher schlicht genannte Siegerehrung zur „Victory Ceremony" umformatiert. Warum nicht?
Und die in Bausch und Bogen abgesagten nationalen Meisterschaften für die Senioren, pardon: der „Masters“ (übrigens entschied sich der wegreformierte Bundesausschuss Senioren mit 9:3 Stimmen gegen diese Bezeichnung!), werden dann unter dem Denglish-Mix „Flash-News des Tages" als „cancelled“ verkündet. Dem Reformgebaren der Leuchtturm-Protagonisten aus dem Hessischen sind wahrlich keine Grenzen mehr gesetzt, ist die Skala gewissermaßen zum Himmel schreiend offen
Die Hoffnung stirbt bekanntlich stets zuletzt. So werden die in allen möglichen Publikationen und auf dem Rücken des überteuerten T-Shirts (der Begriff ist eingedeutscht) der Marketing-Tochter DLM unverdrossen Masters geheißenen Senioren weiter hoffen, dass sich etwas ändert und „News" wie die alternativen Fakten à la European Masters Athletics (EMA) wirklich etwas sportlich Neues bringen, was sie vor allem einschließt oder besser noch: auf sie zugeschnitten wird.
Ja, klar: Ein allzu frommer Wunsch, anzusiedeln im Bereich von Märchen und Sagen.