DLV-Verbandstag soll die Weichen in eine bessere Zukunft stellen

(Sindelfingen/Darmstadt/Krefeld, 17. April 2021) Alles neu macht der Mai. Diesmal schon im April. Konkret heute. Der sich selber mit dem Attribut innovativ schmückende Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hält heute – ja, wo denn? – seinen 49. und in dieser Form ultimativ letzten Verbandstag ab.  Darauf wies die Dachorganisation der Tradition des „hohen Hauses“ folgend in einer dürren Meldung am 09.April auf ihrer Netzseite hin. Information, Kommunikation und Transparenz in der Außendarstellung für seine aktuell angeblich 799.205 Mitglieder ist einfach nicht sein Ding. Er stellt sich mehr so als Geheimbund dar.
Die Kernbotschaften seiner Verlautbarung: 1.) Diese Veranstaltung findet aufgrund der Corona-Seuche nicht in Präsenz (also keine Öffentlichkeit und mithin Presse), sondern als Video-Konferenz statt. Wo die Schaltzentrale ist und welche Personen dort die Leitung innehaben, blieb offen. Unter „Weitere Termine“ steht als Ort der Handlung Sindelfingen. 2.) Wie zu befürchten war, stellt sich der amtierende Präsident Jürgen Kessing erneut zur Wahl. Da der 64-jährige Bürokrat der einzige Kandidat ist, wird es zwangsläufig eine Mehrheitsnummer a la der früheren DDR. Ob er sich wie dereinst Konrad Adenauer 1949 als erster Kanzler der Bundesrepublik selber die Stimme geben wird, hält er gewiss hübsch für sich.

Bringen wir ein wenig Licht ins Dunkel

Da die Tagesordnung so beharrlich verschwiegen wird, bringen wir also in Geschäftsführung ohne Auftrag und Honorar im Interesse unserer geschätzten Leserschaft ein wenig Licht ins Dunkel. Wesentliche Eckpfeiler sind die Verabschiedungen der zuvor ausgearbeiteten neuen Satzung und die Strukturreform. Teile davon bringen Verschlankungen und Abschaffungen (so der Bundesausschuss Senioren) mit sich. Die Anzahl der (ehrenamtlichen) Vizepräsidenten verringert sich von acht auf fünf. Sie stehen ebenfalls zur Wahl. Das letztlich sechsköpfige Präsidium bestimmt ein geschäftsführendes Vorstands-Terzett, das hauptamtlich für bis zu sechs Jahre eingesetzt werden kann. Gleichzeitig fungiert das neue Präsidium als Aufsichtsrat für den Vorstand. Der DLV stellt sich quasi mit der Struktur eines Industrieunternehmens oder professionell geführter Verbände (zum Beispiel DFB) und Vereine auf.

Was wird aus Generaldirektor Cheik-Idriss Gonschinska?

Da die Geschäftsführung dann in der Hand des Vorstandes liegen wird, fällt zwangsläufig die Position von Cheik-Idriss Gonschinska als bisheriger Generaldirektor Sport weg. Mutmaßen wir mal, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit als Vorstandsvorsitzender dieses Dreiergremiums bestellt wird. Denn es ist kaum vorstellbar, dass der finanziell latent schwindsüchtige DLV bei seinen über 50 hauptamtlichen Kräften der Geschäftsstelle (O-Ton Kessing) und insgesamt 79 Bundes-/Stützpunkttrainern sich noch obendrein von außerhalb drei Vorstandsmitglieder mit gut dotierten Sechs-Jahres-Verträgen in den verlausten Pelz setzen will.

Kessing nur noch „Frühstücksdirektor und Gruß-Onkel“
 
Etwas Erfreuliches darf allerdings bereits jetzt konstatiert werden. Dem tollpatschigen „Präses“ Kessing (im Bild) fällt lediglich noch die Rolle des „Frühstücksdirektors und Gruß-Onkels“ zu. Da der Verwaltungsmann im Gegensatz zu seinem Vorgänger Clemens Prokop keinen blassen Schimmer von der Leichtathletik hat, sollte er bei Fachfragen fortan jedoch besser den Mund halten, als ständig in rhetorische Fettnäpfchen zu treten. Neueste Kostprobe seines pathologischen Realitätsverlustes:
„Wir freuen uns ganz besonders, dass wir den Schwung aus dem erfolgreichen Leichtathletik-Jahr 2020 auch in die kommende Saison mitnehmen können.“ Was meint er bloß damit?  Was will er da gesehen haben? Etwa das Leuchtturm-Projekt mit vermeintlich weltweiter Strahlkraft der in Spitze und Breite auf mäßigem Niveau stehenden DM der Männer/Frauen in Braunschweig? Hätte er doch nur geschwiegen, wäre er Philosoph geblieben.
Und wir alle miteinander dürfen bannig gespannt sein, wie „ausführlich“ der DLV über seinen Verbandstag berichtet (das Referat Kommunikation und Medien gelobte auf Intervention von Dieter Krumm Besserung) und vor allem welche drei federführenden Figuren diesen miefig-muffigen, schwerfälligen Apparat in der näheren Zukunft auf Vordermann bringen wollen?