Werfer erlebten gleich zu ihrem EM-Auftakt ein "blaues Wunder"

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Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Izmir/Krefeld, 24. August 2014)
Obwohl den Protagonisten alles andere als zum Lachen zumute war, könnte der weitere Verlauf der Wurfwettbewerbe bei der Senioren-EM in Izmir noch in mancherlei Beziehung ausgesprochen „heiter“ werden. Jedenfalls erlebten die Schwerathleten unter Leichtathleten gestern beim Gewichtwurf ihr blaues Wunder. Die beiden Wurfringe sind so glatt, dass sie jedem Eislaufstadion zur Ehre gereichen würden. Um diese Misere halbwegs zu beheben, wurde auf Betreiben der stellvertretenden DLV-Delegationsleiterin Margit Jungmann vorgeschlagen, die Ringe mit Magnesia, das auch schon bereit lag, abzustumpfen beziehungsweise die Schuhsolen damit einzupudern. Das hat natürlich nur bedingt funktioniert und ist vor allem ein Verstoß gegen die Regel 187. 4d  IWR, die das Einbringen von Substanzen auf den Wurfkreis oder die Schuhsohlen verbietet.
Dann wurde unter Bezug auf Regel 192.4 IWR der linke Flügel des Schutzgitters so stark eingeschwenkt, dass er cirka 1,50 Meter in den Sektor ragte und Würfe, die im Sektor gelandet wären, dort anprallten. Erst nach längeren Diskussionen kam das Kampfgericht zur Einsicht und schwenkte den Flügel wieder zurück.
Bei den M 80/85 musste der Wettkampf nach drei Versuchen abgebrochen werden, weil die beiden Wurfgewichte zerbrachen und Ersatz nicht zur Verfügung stand. Die Konkurrenzen werden mit den restlichen drei Durchgängen heute fortgesetzt. Wo sie die Geräte so schnell herzaubern wollen, könnte noch sehr spannend werden.

Chaos in türkischen Wundertüten

Als ob das alles noch nicht genug des „Chaos’ in türkischen Wundertüten“ wäre, erklärte das Kampfgericht bei der M 35/40 den Wettbewerb nach drei Versuchen für beendet. Die Jungs waren zuvor beim Zehnkampf im Einsatz und daher der Meinung, dass es in den Einzeldisziplinen gleichfalls nur drei Versuche geben würde. Regelkundigkeit sieht anders aus. Erst nach langer Diskussion und Herbeizitieren des Schiedsrichters Wurf wurde der Wettkampf fortgesetzt. Der Klassiker unter den Leistungskillern aus sehr ungewöhnlichem Anlass. Ausgebildete Kampfrichter können das unmöglich  gewesen sein.
Der für 20.20 Uhr angesetzte Wettbewerb der M 65 wurde nach dem Einwerfen und ausgiebiger Diskussion innerhalb der Kampfrichterschaft wegen der Lichtverhältnisse und der daraus resultierenden Gefährdung für alle Beteiligten gar nicht erst begonnen und auf heute Vormittag 9.00 Uhr verlegt. Sehr zur Freude der Athleten, die um 8.00 Uhr ihren Diskuswettbewerb haben ...
Der zuständige Kampfrichter hat indes völlig richtig entschieden. Aber die Frage, die sich stellt: Haben sich die Zeitplangestalter nicht im Vorfeld mit den Lichtverhältnissen auf dem Wurffeld bei Nacht beschäftigt? Der Gewichtwurf der M 65 im Rahmen des Wurf-Fünfkampfes ist zum Beispiel am 30. August um 22.50 Uhr angesetzt.

Funktionäre stellten sich Armutszeugnis aus

Das gleiche gilt für die Funktionäre der EVACS und EVAA, Hat von diesen Damen und Herren niemand bei der Vergabe der Veranstaltung die Wurfringe inspiziert und deren absolut untauglichen Zustand festgestellt? Die Antwort kann gleich in Geschäftsführung ohne Auftrag mitgeliefert werden: Nie und nimmer! Sonst wäre es zwangsläufig nicht zu solchen Unzulänglichkeiten gekommen.
Der Begriff „heitere Spiele“ muss für diese EM völlig neu interpretiert werden. Diese sehr frühzeitige Prognose ist nicht allzu gewagt.

Redaktionelle Anmerkung: Unser Gastautor Albert Fichtner war Teilnehmer am Gewichtwurf der M 70, hat das zuvor Geschilderte hautnah und authentisch miterlebt.