David Storl wurde seiner Favoritenrolle souverän gerecht

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(Zürich/Krefeld, 13. August 2014) Wenn nicht er, wer sonst? Es gibt sicherlich unangenehmere Vor- und Aufgaben, als von der Fachwelt zum einsamen Favoriten proklamiert zu werden, der den Titel auf dem Tablett serviert bekommt und ihn sich „nur“ noch abholen muss. Das tat er dann auch, der Kugelstoßer David Storl vom LAC Erdgas Chemnitz aus dem Sachsenlande. Aber der Druck, der da von innen und außen auf ihm lastete, war immens. Als Selbstverständlichkeit sollte es nicht angesehen werden, dass der 24-jährige Koloss all dem standhielt und gestern Abend im legendären Letzigrund in Zürich bei den Leichtathletik-Europameisterschaften seinen Titel verteidigte. Wieder einmal. Nun ist „Storli“ also im doppelten Doppelpack Europa- und Weltmeister, dazu Olympiazweiter. Halten wir inne und vergegenwärtigen uns – der Mann ist gerade einmal 24 Jahre jung,  geboren schon als Bundesbürger am 27. Juli 1990 im sächsischen Rochlitz. Die deutsche Nationalhymne, die für ihn bei seinen vielen internationalen Erfolgen, Junioren eingeschlossen, schon so eine Art Evergreen ist, scheint ihn nicht sonderlich zu begeistern. Mit stoischer Ruhe und Gelassenheit, fast teilnahmslos, nahm er das Zeremoniell hin. Eben irgendwie doch schon Routine. Nur die Scherzchen vor- und nachher mit dem diesmal drittplazierten Doppel-Olympiasieger Tomasz Majewski (*1981) aus Polen ließ ein gewisse Freude über das Erreichte durchblitzen.
Die Messe im Wettkampf selber war schnell gelesen. Für die Konkurrenz, aber auch ihn selber. Der Schützling von Bundes- und Heimtrainer Sven Lang legte gleich zum Auftakt 21,41 m vor. Und das, mit Rücksicht auf die im Abschlusstraining in Kienbaum erlittene Rückenverletzung, mit einem Sicherheitsstoß aus dem Stütz. Für die zunächst elf Gegner mehr als genug, für ihn nicht. Danach versuchte er es mit der Brechstange und verlor dabei seine technische Linie, wie er es selbst analysierte. Obwohl 21,41 m alles andere als ein Pappenstiel sind, hat vielleicht die verfehlte größere Weite seine Freude ein wenig getrübt. Die große Werfer-Familie hat er jedoch einmal mehr begeistert. Und ein Ende ist bei seinen überragenden Möglichkeiten, seiner Entschlossenheit und Zielstrebigkeit glücklicherweise nicht abzusehen. Der ist noch nicht einmal im besten Stoßer-/Werfer-Alter. - Ergebnisübersicht