Sportsch(l)au: Nicht Ausdauer- oder Krafttraining - beides ist wichtig

(Köln/Krefeld, 17. Mai 2021) Es kursieren eine Menge Sportirrtümer, die so lange kolportiert und transportiert werden, dass sie irgendwann Mythenstatus erlangen, also für bare Münze genommen werden. Der Sport- und Ernährungswissenschaftler Prof.Dr. Ingo Froböse (im Bild) von der Deutschen Sporthochschule Köln, früherer Klasse-Sprinter beim einstmals ruhmreichen ASV Köln, nimmt sich derartiger Vorurteile im WDR2-Hörfunk und ARD-Morgenmagazin unter der Rubrik „Sportsch(l)au“ und anderen Publikationsmedien sowie seinem eigenen Internet-Portal an.
Mit seiner freundlichen Genehmigung haben wir nahezu über ein Jahrzehnt hinweg in loser Folge bislang 107 Kapitel zu diesem Themenkomplex veröffentlicht. Kein Reservoir ist auf Dauer unerschöpflich, selbst wenn hin und wieder etwas Neues dazukommt. Deshalb werden wir gelegentlich frühere, allgemeinverbindliche und zeitlose Beiträge zur Auffrischung oder aber für im Laufe der Zeit hinzugekommene LAMPIS-Leser wiederbeleben. Die Redaktion

Wer ist der wahre Gesundheitssportler?

Muskel- oder Krafttraining in so genannten „Muckibuden“ wird nach wie vor als die Trainingsmethode der Pumper und Bodybuilder abgetan. Besonders Frauen befürchten zudem, dass allein der Anblick von Gewichten ihre Proportionen durch übermäßige Muskelberge aus den Fugen geraten ließe. Im Gegenzug dazu wird Ausdauersport meist als die Bewegung überhaupt propagiert. Sei es, wenn es um das Thema Abnehmen oder auch um die Vorbeugung typischer Zivilisationskrankheiten wie etwa Herz-Kreislauf-Beschwerden, Stoffwechselstörungen, Diabetes mellitus und Ähnliches geht. Wer joggt, ist also der wahre Gesundheitssportler!?

Muskeln als Motor des Gehirns

Der durchweg positive gesundheitliche Nutzen des Krafttrainings findet leider aufgrund vieler falscher Klischees immer noch nicht genügend Anerkennung. So ist mittlerweile bewiesen, dass ausreichend  intensive Gewichtsbelastungen zu einer Verbesserung der Knochendichte und somit einer Prävention gegen Osteoporose verhelfen können. Ausdauersport bringt da fast gar nichts! Nicht anders sieht es mit dem Erhalt der Muskelmasse aus, die ab dem 25. bis 30. Lebensjahr um etwa ein Prozent pro anno abnimmt, sofern keine ausreichende Beanspruchung der Muskulatur mehr stattfindet. Ferner zeigen Studien aus der Gehirnforschung, dass Muskeln als „Motor unseres Gehirns“ angesehen werden können.

Fazit: Eine ausgewogener Mix ist sinnvoll

Also: Nicht Kraft- oder Ausdauertraining – beides ist wichtig und ergänzt sich bestens. Denn eine gesteigerte Ausdauerleistungsfähigkeit führt zu einem längeren Durchhaltevermögen bei mittelschweren Kraftanstrengungen. Andererseits unterstützt eine erhöhte Muskelmasse unter anderem effizient die Fettverbrennung beziehungsweise die allgemeine Ökonomisierung des Stoffwechsels und schützt außerdem die Gelenke bei längeren Beanspruchungen. Täglich etwas für seine Muskeln zu tun sollte daher zur Routine werden.

Widerstand gegen Olympische Spiele wächst in Japan vehement

Kolumne

Moment mal

(Tokio/Krefeld, 16. Mai 2021)
Während sich weltweit die Athleten*innen unverdrossen, aber sicherlich nicht unbelastet und unbeschwert für die Olympischen (Nachhol-)Spiele vom 23.Juli bis 08.August 2021 in Tokio zu qualifizieren und vorzubereiten suchen (etwa 400 in Deutschland), wächst in Japan der Widerstand gegen eine Ausrichtung. Die Rufe nach einer neuerlichen Verschiebung und gar einer Absage werden immer eindringlicher. Mit einer entsprechenden Petition sprachen sich in kurzer Zeit 350.000 Japaner für einen Verzicht aus. Darüber hinaus zeigen auch repräsentative Umfragen, dass die weit überwiegende  Mehrheit des 126 Millionen Einwohner starken Inselstaates, davon allein 38 Millionen in Tokio, gegen Olympia in lediglich etwas über zwei Monaten „eingedenk der gegenwärtigen Umstände“ votiert.

Gigantischer Organisationsstab außerhalb der Blase ein riesiger Risikofaktor

Denn Tatsache ist, dass wegen der extrem hohen Infektionszahlen der Coronavirus-Pandemie der Notstand in der japanischen Metropole und sechs angrenzenden Regionen verlängert werden musste und sich die Situation aufgrund des zähflüssigen Impftempos auf Sicht nicht in den Griff bekommen ließe. Der Schutz der Menschen vor dem Virus müsse oberste Priorität haben und nicht die Ausrichtung der Olympischen Spiele, argumentierte der japanische Anwalt und Politiker Kenji Utsunomiya. Nachvollziehbar! Jedenfalls für Lieschen Müller und Hans Mustermann.
Hingegen unverständlich, dass derweil Japans Regierung, die Olympiamacher aus dem Land der aufgehenden Sonne (die momentan eher Finsternis verheißt) und das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit seinem deutschen Präsidenten Thomas Bach unbeirrt an einer Austragung festhalten. Die Sportler mag man noch einigermaßen in dieser so genannten Blase schützen sowie mit Tests rauf und runter weitere „Hotspots“ verhindern können. Aber was ist mit dem gigantischen Tross rund um die Organisation, der sich außerhalb bewegt, als leibhaftiger Virus-Wanderpokal fungiert und in die Blase sticht?

Hoch lebe der Kommerz mit „Panem et circenses“
 
Ganz davon abgesehen, dass es unter diesen Voraussetzungen der notwendigen Aussperrung von Zuschauern aus aller Herren Länder das große Völkerfest des Sports nie und nimmer werden kann. Und wie leblos und blutleer die vermeintlich herrlichste Nebensache der Welt ohne Publikum ist, haben die Geisterspiele in allen möglichen Sportarten, vorneweg bei „König“ Fußball, hinlänglich unter Beweis gestellt. Kommerz auf Teufel komm‘ raus und dem alten römischen Motto „Panem et circenses“ (Brot und Zirkusspiele) um den Preis von auch „nur“ einem Menschenleben darf es nicht geben. Basta!
Es sei denn, einige verblendete Wirrköpfe wollen es mit aller Gewalt und Macht darauf anlegen, als Totengräber in die Olympische Historie einzugehen. Allerdings ein schier unvorstellbarer Gedanke. Drum merke: Der Pfad zwischen
Hosianna und kreuzigt sie" ist verflucht schmal.
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Ex-Hammerwerfer Hans-Martin Lotz in seiner Wahlheimat verstorben

(Melbourne/Krefeld, 14. Mai 2021) Einer der auszog seinen sportlichen Weg zu machen, der ihm daheim verbaut war. Denn ausgerechnet „seine“ Disziplin erlebte gerade einen Boom. Dies überschreibt treffend die sportlich geprägte Lebensgeschichte des ehemaligen Hammerwerfers Hans-Martin Lotz (*01.11.1947 in Kassel), der in Nacht vom 01. auf den 02.Mai 2021 nach längerer Krankheit 73-jährig in seiner australischen Wahlheimat Melbourne verstarb. Dort fand er gestern unter großer Anteilnahme vieler einstiger Sportkameraden und Schützlinge von „Down Under“, dem fünften Kontinent, seine letzte Ruhestätte. (Das Foto zeigt Hans-Martin Lotz, rechts, beim Besuch von Alwin J.Wagner 2013 in Melbourne.)

„Deutsche Känguru“ eine Institution im Hammerwurf in Australien

Hans, Spitzname das „deutsche Känguru“, war als Aktiver und späterer Trainer in Australien eine Institution in Sachen Hammerwurf. Gewissermaßen der Prophet, der im eigenen Lande – übertrieben formuliert – nichts galt. Obwohl er zeitweise unter den „Top Ten“ der Welt rangierte, war er mit seiner damaligen Bestleistung von 72,70m hinter
Manfred Hüning (79,16 m), Karl-Hans Riehm (78,66 m) Klaus Ploghaus (76,76 m) und Manfred Schubert (73,64 m) lediglich Fünfter der DLV-Bestenliste. Eine denkbar schlechte Ausgangsposition, mit nationaler Berufung Träume von Starts bei internationalen Großereignissen zu verwirklichen.
Dennoch hätte es artfremd ohne den Boykott der Olympischen Spiele von 1980 in Moskau geklappt. Weithin nicht bekannt, war er für das Starboot-Team im Segeln nominiert worden.

Zufallsbekanntschaft ebnete den Weg nach „Down under“

Da kam ihm „Kommissar Zufall“ zu Hilfe. Beim Training in Hamburg, wo er studierte und gleichzeitig als verdeckter Ermittler für die Polizei arbeitete, lernte er Andy Pollock aus Melbourne kennen. Er freundete sich mit ihm an, besuchte zusammen mit ihm Australien und siedelte letztlich 1980 über. Dank der sportlichen Visitenkarte ist die Verleihung der australischen Staatsbürgerschaft stark beschleunigt worden. Lotz wurde von 1981 bis 1985 fünfmal hintereinander Landesmeister seiner Wahlheimat, vertrat sie von 1982 bis 1986 bei nahezu allen internationalen Wettkämpfen. Darunter 1983 bei den 1.Leichtathletik-Weltmeisterschaften im finnischen Helsinki. Seine persönliche Bestleistung stellte er mit 73,80m im April 1983 in Melbourne auf, seinerzeit die zweitbeste Weite eines Australiers, die 38 Jahre später aktuell noch Platz sieben in der „Allzeit-Rekordliste“ bedeutet.

Gründervater des Rasenkraftsport-Verbandes

Selber war er bis in die M50 hinein erfolgreich aktiv, hält immer noch viele australische Altersklassenrekorde. Neben seiner selbständigen Tätigkeit als Antennenbauer (in seiner Firma beschäftigte er etliche ehemalige Hammerwerfer) fungierte er mit gleicher Profession und Leidenschaft als Trainer. Mit besonderem Stolz erfüllte ihn, dass auf seine Initiative hin der Australische Rasenkraftport-Verband gegründet worden ist. Nicht allein damit hat sich der knorrige, aber stets aufrichtige und gradlinige Einwanderer aus Deutschland fern der Heimat eine Art Denkmal gesetzt.
Möge er in Frieden ruhen!

Diskuswurf-Olympiasieger Christoph Harting gibt saisonalen Einstand

(Halle an der Saale/Krefeld, 15. Mai 2021) Nach einem öffentlichen (Fernseh-)Auftritt unlängst beim Quiz-Duell mit seinem ehedem „feindlichen“ Bruder Robert bei „Wer weiß denn sowas?“ mit Moderator Kai Pflaume gibt Diskuswurf-Olympiasieger Christoph Harting (SCC Berlin) den saisonalen Einstand in seiner nicht immer professionell ausgeübten eigentlichen Profession. Der tomatenblonde 31-Jährige geht heute, Beginn um 15 Uhr, bei den Halleschen Werfertagen in den Ring. Dabei steht – nicht nur für ihn – eine Art Dreikampf am Ufer: Die Formüberprüfung unter Wettkampf-Bedingungen, die Erfüllung der Norm (66,00m)  für die etwaig stattfindenden Olympischen (Nachhol-)Spiele vom 23.Juli und 08.August 2021 in Tokio und ein erstes internes Kräftemessen mit möglichen anderen deutschen Kandidaten (siehe Meldeliste) für die drei Flugtickets in die japanische 38-Millionen-Metropole.

Christina Schwanitz hat in Sara Gambetta ernsthafte Konkurrenz

In letzterer Hinsicht hat der einstige Kugelstoß-Wunderknabe David Storl (SC DHfK Leipzig) nichts zu befürchten. Außer ihm ist hierzulande keiner in der Lage die happige Norm von 21,10m zu erreichen. Interessanter wird sein, ob der Ex-Weltmeister von 2011 und 2013 noch mal einigermaßen an sein früheres Leistungsvermögen anzuknüpfen vermag. Seine absolute Bestleistung von 22,20m datiert bis 2015 zurück, mit den 21,20m aus dem Vorjahr zählt er nicht mehr zur internationalen Extraklasse.
Eine ungewohnte Situation wird im Kugelstoßen der Frauen die bisherige nationale Alleinherrscherin Christina Schwanitz (LV 90 Erzgebirge) bei ihrem Debüt unter freiem Himmel im Jahr zwei von Corona vorfinden. Lokalmatadorin Sara Gambetta vom veranstaltenden SV Halle hat jüngst beim Werfer-Europacup in Split mit 18,86m eine sportliche Duftmarke gesetzt und den olympischen „Türöffner“ von 18,50m bereits geknackt. Das sollte für „La Schwanitz“ kein Problem sein, indes für Alina Kenzel, Katharina Maisch und Julia Ritter vermutlich eine unüberwindbare Hürde darstellen.
Übrigens: Der DLV hat auf seiner Netzseite mit der Überschrift „Hallesche Werfertage mit geballter deutscher Werfer-Power“ den Erwartungshorizont sehr hoch gesteckt. Schau ‘mer mal, dann sehen wir es…

Einfach mal auf den Ursprung von Christi Himmelfahrt zurück besinnen

(Krefeld und die Republik, 13. Mai 2021) Wohlgemerkt: Hier soll keineswegs dem Leichtsinn und der Arglosigkeit das Wort geredet werden. Doch selbst bei vorhandenem, vor allem eingeschalteten halbwegs gesundem Menschenverstand ist nicht immer nachvollziehbar, was unsere hohe Politik so alles an Anti-Corona-Maßnahmen ausbrütet. Manches geht, manches nicht. Da fehlt bei nahezu gleichem Sachverhalt mitunter die Ausgewogenheit und Verhältnismäßigkeit der Mittel. Aber dieser Schachzug der NRW-Landesregierung darf als ausgesprochen klug, um- und vorsichtig bezeichnet werden. Bei Inzidenzzahlen von unter 100 dürfen erst ab kommenden Samstag Außen-Gastronomien für Genesene, (vollständig) Geimpfte und Getestete wieder öffnen und nicht schon heute am bundesweiten gesetzlichen Feiertag.

Vatertag ist eh eine „überflüssige“ neumodische Erfindung

Ursprünglich bedeutet „Christi Himmelfahrt“ 40 Tage nach Ostern die Rückkehr von Jesus Christus zu seinem Gottvater im Himmel. Wiewohl das nicht die historisch begründete Ursache ist (das haben wir im Vorjahr zum selben Anlass ausgeführt) mutierte dieses hohe christliche Fest irgendwann Anfang des 20.Jahrhunderts nebenbei zum „Vatertag“. Weniger um alle Väter zu ehren, als dass sie sich mit feucht-fröhlichen Gelagen bis der Arzt kommt selber feierten. Bevorzugt in Gruppen Gleichgesinnter (oftmals Junggesellen, deren Kinder noch flüssig sind) im mit „Bölkstoff“ beladenen Bollerwagen oder klassischerweise vom Pferd (ersatzweise Trecker) gezogenen Planwagenfahrten auf Wirtschaftswegen durch Feld und Flur. Das verbietet sich allerdings und wird teilweise örtlicherseits im Jahr zwei von Corona wegen der hohen Infektionsgefahr verboten. Und da es sich als großer Trugschluss erwiesen hat, an die durchgängige Vernunft der Menschen appellieren zu wollen, werden verschärft von vielen Städten und Gemeinden Kontrollen durchgeführt. Und das ist gut so!

Keine Himmelfahrt-Sportfeste für die Ü30-Generation

Wer’s trotzdem unbedingt braucht, der sollte sich heimlich, still und leise einen hinter die Binde gießen. Darauf ein Prost mit ein bis drei Corona oder was auch immer! Doch noch besser: Einfach mit einem Tag der Besinnung und Besinnlichkeit zu den Wurzeln von Christi Himmelfahrt zurückzukehren! Das ist in mehrerlei Hinsicht gesünder. Denn flächendeckende Leichtathletik-Sportfeste zum Himmelfahrtstag, insbesondere für die Ü30-Generation, gehören (vorerst?) ebenfalls der Vergangenheit an.
Stichworte Vernunft und Solidarität: Die
„Bekloppten, Behämmerten und Belämmerten" unter den Grenz-Anrainern werden mangels heimischer Möglichkeiten wie die Heuschrecken in die benachbarten Niederlande, ein Hochinzidenz- und -risikogebiet, einfallen. Als ob dieser Ausnahmezustand nicht schon genug wäre? Irre, reif für die Klapsmühle!