Senioren-DM: Notfalls mit Einstweiliger Verfügung sein Recht erstreiten

(Baunatal/Darmstadt/Krefeld, 31. August 2021) Ungeachtet der rechtlichen Angreifbarkeit des unterschiedlichen Handelns durch die Dachorganisation DLV bei der Ausschreibung zu den Deutschen Senioren-Meisterschaften vom 10.bis 12.September 2021 in Baunatal halten wir zunächst rein faktisch fest: Aus 16 Landes-/Regionalverbänden haben Stand gestern bis zum Meldeschluss (29.August) in Summe 809 Startwillige ihre Meldungen abgegeben. Es fehlen noch Hessen sowie die kleineren Regionen Rheinhessen, Pfalz und Saarland. Mithin dürfte bereits klar sein, dass die Deckelung der beabsichtigten Höchstteilnehmerzahl von 1.000 nicht überschritten werden dürfte. Das ist jedoch noch kein Freifahrtschein, dass auch alle Gemeldeten starten dürfen. Bereits im Vorfeld sind vom LV Nordrhein neun Meldungen von teilweise bekannten Athleten*innen nicht zugelassen worden. Die Begründung wurde mitgeliefert. Aber wer steigt da noch durch, was wann unter welchen Voraussetzungen bei der Normerfüllung anerkannt wird?
Deshalb sollte jede/r, der sich vom seinem Verein hat melden lassen, ganz genau nach der offiziellen Veröffentlichung der Online-Meldeliste nach Altersklassen und Disziplinen auf der Verbandsnetzseite hinschauen. Es kann nur jedem dringend angeraten werden, der sich durch irgendetwas beschwert oder diskriminiert fühlt, eine Einstweilige Verfügung gegen den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) mit Sitz in Darmstadt zu erwirken. Wie bereits hier und da bei uns angeklungen ist, werden wir noch in einem eigenständigen Beitrag unter Zurateziehung eines Juristen auf wider- und unsinnige Feinheiten in dieser Karikatur einer Ausschreibung eingehen. Unstreitig ist schon jetzt, dass mehrfach gegen den Gleichheitsgrundsatz nach Artikel 3, Absatz 1 des Grundgesetzes verstoßen worden ist.

Regionale Titelkämpfe der Ü30 standen unter keinem guten Stern

Kolumne

Moment mal

(Bielefeld/Düsseldorf/Heuchelheim/Ingelheim/Krefeld, 30. August 2021)
Einfach zu viel – des Guten wäre schamlos übertrieben. Das bezieht sich schlicht darauf, dass es einer Herkulesaufgabe gleich kommen würde, in einem Beitrag alle vier regionalen Senioren-Meisterschaften von Westfalen in Bielefeld, vom Nordrhein in Düsseldorf, von Hessen in Heuchelheim und Südwest in Ingelheim selbst nur in Glanzlichtern be-, geschweige denn ausleuchten zu wollen. Dennoch habe ich mich pflichtgemäß zumindest im Schnellverfahren durch den Wust der unübersichtlichen Ergebnislisten nach Art des österreichischen Software-„Dienstleisters“ SELTEC gearbeitet. Alles in allem rein oberflächlich bilanziert: Häufig sehr dünn besetzte Felder, nicht nur erfahrungsgemäß in den Eingangsstufen von M/W 30 und 35, und oftmals auch mäßige Zeiten, Höhen und Weiten. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Corona hat seine tiefen Spuren hinterlassen

Dafür gibt es neben dem allgemeinen, seit Jahren zu beobachtenden durchgängigen Sinkflug des Leistungsvermögens viele gute, richtiger: schlechte Gründe. Corona hinterlässt seine tiefen Spuren, gerade bei der Ü30-Generation. Die Trainingsmöglichkeiten waren bei geschlossenen Anlagen sehr lange Zeit stark eingeschränkt bis gar nicht vorhanden. Das fehlende Wettkampf-Angebot tat sein Übriges, ließ die Motivation ins bodenlose sinken. Speziell der Nordrhein, von dem ich es ganz genau weiß, ist regelrecht zum Leichtathletik-Niemandsland verkommen. Für viele waren die genannten vier Titelkämpfe die erste Startgelegenheit seit eineinhalb Jahren oder länger überhaupt. Da sind nun mal keine Leistungen auf dem ureigenen, eben auch sehr unterschiedlichen Niveau zu erwarten. Das wäre nicht nur, das ist vollkommen illusorisch. Erschwerend kamen die teilweise außerordentlich ungünstigen, leistungshemmenden äußeren Bedingungen (regnerisch, entsprechend kühl) hinzu. Definitiv ist es mir aus eigenem Erleben von Düsseldorf bekannt, aus Heuchelheim und Bielefeld via Überlieferung buchstäblich Betroffener.

Mitunter schweigt besser des Sängers Höflichkeit

Demzufolge wäre es ungerecht, einige hervorzuheben und damit andere automatisch zurück zu setzen. Obendrein ist es mitunter geboten, sich an jenem Sänger zu orientieren, der aus purer Höflichkeit geschwiegen hat. Besonders augenfällig wird es an dem grundsätzlich tollen Service der Westfalen, die in der Dachleiste der Ergebnisliste den jeweiligen Verbandsrekord führen. Besser nicht hinschauen. Da kann einem regelrecht angst und bange werden, wie es früher aussah und heutzutage aussieht. Bisweilen liegen Welten dazwischen.

Wer den DLV zum Freund hat, braucht keine Feinde mehr

Nun jedoch wieder ganz allgemein gesehen: Gleichwohl ist es bei aller Unbill manchem/mancher gelungen, auf der allerletzten Rille die Norm für die Senioren-DM in Baunatal zu erfüllen. Ob er/sie bei den angesagten Teilnehmer-Beschränkungen pro Disziplin einen Startplatz erhält, steht wiederum auf einem anderen Blatt: Dem irrwitzigen Pamphlet (er nennt es Ausschreibung), Diktat und Willkürakt des ach so innovativen Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) mit seiner weltweiten Strahlkraft von eigenen Gnaden. Ein neues Leuchtturmprojekt von ihm, bei dem allerdings vergessen worden ist, das elektrische Licht einzuschalten. Mehr als eine Kerze ist es nicht geworden. Gute Nacht „Freunde"! Stichwort: Wer den DLV zum Freund hat, braucht keine Feinde mehr.   
Nun aber: Überlassen wir es zu guter Letzt dem Auge und der Beurteilung des geneigten Betrachtes mit seinem privatem Studium der verlinkten Ergebnislisten aus Westfalen, vom Nordrhein, aus Hessen und Südwest selber zu gewichten.

Mit Hessen gleich vier Senioren-Titelkämpfe auf einen Streich

(Heuchelheim/Niederselters/Krefeld, 28. August 2021) Fast hätten wir die Hessen vergessen. Da sie relativ kurzfristig ihre Senioren-Meisterschaften noch ins Programm genommen haben, liefen sie selbst bei den „Alleswissern“ von ladv.de unterm Radar durch. Da ist bei den Ausschreibungen unter dem heutigen Datum lediglich der 2.Werfertag der LSG Goldener Grund in Niederselters aufgeführt. Der spielt allerdings insofern eine Rolle, als dahin der Hammerwurf-Wettbewerb der „Hessischen“ ausgelagert worden ist. Der große Rest findet heute ab 10 Uhr im Stadion an der Schwimmhalle in Heuchelheim statt. Eine Gesamtmeldeliste habe ich nach längeren Ausgrabungsarbeiten im Wettkampfkalender von leichtathletik.de mit einer Suchfunktion gefunden. Darauf muss einer erst mal kommen. Die „einsamen“ Hammerwerfer/innen in der prickelnden Gemeinde im Taunus sind hier allerdings nicht genannt. Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht?!

Zwei vermeintlich Vielseitige mit je acht Disziplinen

Sei’s drum: In jener Liste sind alphabetisch aufsteigend nach Vereinsnamen 182 Aktive größtenteils mit Mehrfachstarts ausgewiesen. Gudio Frank (*1971/M50) von der LAV Kassel und Tim Reitz (*1982/M35) von der LG Reinhardswald bringen es als „Könige der Vielseitigen“ bei einer Tagesveranstaltung auf sage und schreibe acht Disziplinen. Das erfordert ein ausgeklügeltes Zeitmanagement und häufigen Schuhwechsel. Schade, dass ihnen der Hammerwurf verwehrt bleibt. Den hätten sie sicherlich auch noch gerne absolviert. Schau ‘mer hinterher mal en passant, was diese beiden „Schnäppchenjäger“ so zu bieten hatten. Mit der Einschränkung, dass es bei noch drei weiteren regionalen Senioren-Titelkämpfen (Südwest, Nordrhein, Westfalen) an diesem Wochenende keine Aufwartung am ungeeigneten Objekt werden sollte.  

Dazu drei wahrhaftige Könner im Mehrkampf

Über jeden Zweifel erhaben auch tatsächlich vielseitig zu sein, sind die der Weltklasse angehörende Siebenkämpferin Tatjana Schilling (*1970/W50) vom TSV Korbach und Zehnkämpfer Klemens Grißmer (*1951/M70) von der TSG Oberursel als ihr männliches Pendant. Beide aktuelle Weltrekordler in der W45 respektive M65. Sie bestreitet vier, er fünf Disziplinen. Mit Thomas Stewens (*1966) ist noch ein veritabler, weithin bekannter Mehrkämpfer vom SV Fun-Ball Dortelweil in vier Wettbewerben an Bord. Oftmals von Verletzungspech verfolgt, unternimmt er offenbar in der M55 einen neuerlichen „Comeback“-Versuch.
Alles in allem bieten auch diese Titelkämpfe ebenfalls eine letzte Möglichkeit, kurz vor Meldeschluss (29.August) die Norm für die Senioren-DM vom 10. bis 12.September 2021 für das hessische „Heimspiel“ in Baunatal zu erfüllen. Nun sind wir allerdings bannig gespannt, ob zeitnah auch eine Ergebnisliste im Netz auffindbar sein wird, ohne über sieben Brücken gehen zu müssen.

Christina Schwanitz gab sich und dem Werfertag nicht die Ehre

(Niederselters/Paris/Krefeld, 29. August 2021) Es mutete schon sehr abenteuerlich an, dass die ehedem weltmeisterliche Kugelstoß-Spezialistin Christina Schwanitz (im Bild) vom LV 90 Erzgebirge zu einem (Betriebs-)Ausflug in die Provinz mit ihren Klubkameradinnen Katharina Maisch und Sarah Schmidt ausschließlich zum Diskuswurf meldet (wir berichteten). Die 35-jährige Jung-Seniorin wurde dann gestern beim zweiten diesjährigen Werfertag der LSG Goldener Grund in Niederselters wie gemutmaßt nicht gesichtet. Wohl aber ihr Heim- und Bundestrainer Sven Lang, der nicht immer über alle Schritte seiner einstigen Vorzeigeathletin informiert zu sein pflegt (Quarantäne-Trip nach Gateshead, 5.Neustädter Kugel-Cup). Der hatte Maisch und Schmidt im Schlepp. Eine merkwürdig anmutende Aktion, sich zum Saisonkehraus dafür hin und zurück 850 Kilometer unter die Autoräder zu nehmen. Antrittsgelder wird es dafür wohl keine gegeben haben, zu gewinnen gab es ebenfalls nichts.

Julia Ritter gewann das klassische Double von Kugel und Diskus

Davor stand beide Male die bienenfleißige, außerdordentlich beständige Julia Ritter vom TV Wattenscheid. Die 23-Jährige schrieb nach langer Zeit zwar diesmal mit 17,44m im Kugelstoßen keine 18 vor dem Komma, stellte jedoch bei unwirtlichen äußeren Bedinungen einen neuen Stadionrekord auf und lag klar vor Sarah Schmidt (15,95m). Den Diskuswurf entschied sie mit 56,42m noch deutlicher vor Maisch (45,57m) und Schmidt (42,60m) für sich. Alle Ergebnisse.

Speerwerfer Johannes Vetter trotz Tagesbestweite von 87,20m nur Zweiter

Werfen wir noch einen Blick in die große weite Leichtathletik-Welt zum gestrigen Juwelen-Meeting in Paris. Speerwerfer Johannes Vetter wurde trotzt der Tagesbestweite von 87,20m aufgrund der hirntoten Regelung des besten finalen Versuchs (80,23 zu 84,84m) der bis dahin drei Erstplatzierten lediglich Zweiter hinter Weltmeister Anderson Peters (85,98m) aus Grenada. Nicht nur für mich vollkommen unverständlich, dass die Athleten*innen der vertikalen Sprünge und von Stoß/Wurf dagegen nicht erfolgreich opponiert haben. Schließlich geht es in der absoluten Spitze um Profis und um beträchtliche Preisgelder sowie Ranglistenpunkte für den „Jackpot“, die aufgrund einer schlechteren Platzierung zum Teil flöten gehen. Davon waren allen anderen deutschen Teilnehmer*innen jedoch weit entfernt, liefen teilweise buchstäblich hinterher. Siehe Ergebnislisten 100m, 3.000m, Disque/Diskus (alles Femmes/Frauen), Triple Saut/Dreisprung und Javelot/Speerwurf (beides Hommes/Männer).

Vier regionale Senioren-Meisterschaften

Kommen wir noch zu unserer originären Mission. Es regnete, leider nicht nur sinnbildlich, an diesem Wochenende insgesamt vier regionale Senioren-Meisterschafen. Die vom Nordrhein in Düsseldorf werden heute fortgesetzt. Eine Zusammenfassung aller Titelkämpfe mit einigen herausragenden Resultaten veröffentlichen wir morgen in unserem Fenster Ergebnisse. Vorab geht es für Mensch gewordene Kiebitze und unersättliche Freunde der Statistik mit den blau unterlegten Verlinkungen zu den Ergebnislisten von Hessen in Heuchelheim, Südwest in Ingelheim, Nordrhein in Düsseldorf (1. Tag) und Westfalen in Bielefeld.

Johannes Vetter näherte sich mit 88,54m wieder der 90-m-Marke

(Lausanne/Niederselters/Krefeld, 27. August 2021) Er hat bereits bei seinem heimischen Meeting in Offenburg zumindest in die Erfolgsspur zurückgefunden, der als „tragischer Held“ jäh vom Olymp gestürzte und sich zur Unzeit in ein Formtief (plus Schuhwechsel) manövrierende saisonale Speerwurf-Überflieger Johannes Vetter. Doch nach sechs Wettkämpfen im Bereich von 82,52 bis 86,48m kehrte der 28-jährige auch gestern Abend auf schweizerischem Boden beim Juwelen-Meeting in Lausanne nicht in seine eigene Liga jenseits der 90-m-Marke bis hinauf zur Weltjahresbestleistung von 96,29m zurück. Allerdings machte der Parade-Schützling des unlängst mit dem unflätigen Spruch „Beschissen und betrogen worden“ verbal entgleisenden Heim- und Bundestrainers Boris Obergföll (geb. Henry) einen Schritt nach vorn, gewann den gleichermaßen prestige- wie geldträchtigen Wettbewerb der Diamond League mit 88,54 m vor dem Olympia-Zweiten Jakub Vadlejch (85,73m) aus Tschechien. Aber, unschwer zu erkennen: Eine 90er-Weite gelang dem selbst das Anspruchsdenken an ihn in schwindelerregende Höhen treibenden „Bruder Johannes“ wieder nicht.
Darauf wartet er nun schon seit dem 29.Juni, als er bei der „„World Continental Tour“ in Luzern (Schweiz) 92,14 und 91,39m geworfen hat. Dem Selbstbewusstsein von „Jojo“ tat dies indes keinen Abbruch. „Im nächsten Jahr möchte ich die WM und EM gewinnen“, ließ er nach getanem Werk verlauten. Immerhin hat er nur „möchte“ gesagt und den Mund nicht ganz so voll genommen wie bei der lauthals erklärten ultimativen „Mission Gold“ vor den Olympischen (Nachhol- und Geister-)Spielen in Tokio.

Christina Schwanitz für Diskus in Niederselters gemeldet

Unternehmen wir noch einen Abstecher in die, mit Verlaub, Leichtathletik-Provinz nach Niederselters. Denn für die großen „Fleischtöpfe“ reicht es für die bei Olympia ebenfalls höchst unsanft auf dem Boden der Tatsachen gelandeten Kugelstoßerin und Ex-Weltmeisterin Christina Schwanitz (*24.12.1985) vom LV 90 Erzgebirge nicht mehr, die mit 18,08m als 14. der Qualifikation krachend scheiterte.
Nun schlägt „La Schwanitz“ also morgen (angeblich) beim zweiten diesjährigen Werfertag der LSG Goldener Grund auf. Die Frage nach Sekt oder Selters erübrigt sich. Doch, Überraschung, die W35-Seniorin hat lediglich für den Diskuswurf mit 46,15m gemeldet. Wann immer sie die geworfen hat. Noch mit von der Partie sind in dem avisierten zehnköpfigen Feld ihre normalerweise ebenfalls bevorzugt kugelstoßenden Klubkameradinnen Katharina Maisch und Sarah Schmidt. Mutet so ein bisschen nach Betriebsausflug vom Erzgebirge in den Taunus an.
Für weiteren nationalen Glanz steht „Frau konstant und zuverlässig“ Julia Ritter vom TV Wattenscheid, die sowohl Kugel stößt als auch Diskus wirft (siehe Gesamtmeldeliste).