Tote Sporthose für Ü30 im Leichtathletik-Niemandsland Nordrhein

(Euskirchen/Duisburg/Krefeld, 01. Juni 2021) Weisen wir aus denkbar unerfreulichstem Grund auf ein Ereignis hin, das nicht stattfinden wird. Übermorgen an Fronleichnam, ein Feiertag in Nordrhein-Westfalen und einigen anderen Bundesländern, sollten die Offenen Nordrhein-Seniorenmeisterschaften in Euskirchen sein. Konjunktiv halt. Seit es Corona gibt wie so vieles „exklusiv“ für die Ü30-Generation auf dem Hoheitsgebiet des Leichtathletik-Verbandes Nordrhein (LVN) mit Sitz in Duisburg.
Dabei bewegen sich nahezu überall im Lande die Inzidenzwerte nach unter 50, findet sukzessive in vielen Bereichen nach all‘ den Einschränkungen die Rückkehr in ein wieder normaleres Leben mit mehr Qualität statt. Doch beim LVN, dem Leichtathletik-Niemandsland, abermals Fehlanzeige mit toter Sporthose für seine Talente von gestern und vorgestern, derweil nicht nur für die so firmierenden Spitzen- und Berufssportler ringsherum rege Betriebsamkeit herrscht. Dazu genügt ein Blick in die diversen Ergebnislisten und Ausschreibungen. Auch der Datenbank ladv.de. Mitunter lohnt auch ein etwas weiterer Weg.
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Ex-Hammerwurf-Weltrekordler Karl-Hans Riehm schreibt die siebte Null

(Konz/Krefeld, 31. Mai 2021) Ein nicht nur mit 1,88 Meter und seinerzeit austrainierten 110 Kilogramm körperlich Großer seiner Zunft schreibt heute die siebte Null: Ex-Hammerwerfer Karl-Hans Riehm (*31.Mai 1951 in Konz bei Trier) vollendet sein 70.Lebensjahr. Den werden nachgewachsene Generationen nicht mehr auf dem Bio-Computer zwischen den Ohren haben. Aber auch dafür gibt es ja LAMPIS mit einem Zeitzeugen an der Tastatur, der in seiner Dreifachfunktion als kugelstoßender Sportjournalist und Mannschaftskapitän des damaligen Leichtathletik-Bundesligisten FC Bayer 05 Uerdingen (später LAV Bayer Uerdingen/Dormagen) so manche Recken von einst, insbesondere bei Stoß und Wurf, quasi hautnah erleben durfte. Zuletzt das fortgeschrittene Geburtstagskind vor bald 35 Jahren bei den Internationalen Österreichischen Masters-Meisterschaften am 28.Juni 1986 in Dornbirn ganz in der Nähe vom Mehrkampf-Mekka Götzis in Vorarlberg.

Ein feiner Kerl und prima Kumpel aus der großen Werfer-Familie

Dort ist KHR, verbunden mit einem verlängerten Wochenende, aus Spaß an der Freud, aber durchaus ambitioniert, noch mal in der M35 in den Ring gegangen. An das Ergebnis kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber sehr wohl an den feucht-fröhlichen Abend beim Bankett aller Aktiven, Organisatoren, Kampfrichter und Helfer. Ja, so etwas gab es damals. Da haben mein ebenfalls hammerwerfender Klubkamerad Hans-Jürgen „Bongo“ Bongartz (*1944) und ich, säd de Jeck, gemeinsam mit Riehm an der Ecke eines Tisches gesessen und stundenlang gefachsimpelt und in Erinnerungen geschwelgt, dass sich sinnbildlich die Balken der Holzdecken des alt-ehrwürdigen Wirtshaussaales bogen. Trotz seiner mannigfachen Erfolge eben ein stets auf dem Boden gebliebener feiner Kerl und prima Kumpel aus der großen Werfer-Familie. All' jenen, die dazu gehören, muss das nicht großartig erklärt werden.

Sechs auf einen Streich: Eine Weltrekord-Serie für die Ewigkeit  

Aber nun zum historischen, epochalen Ereignis, bei dem der damals noch so gerade 23-Jährige im Mittelpunkt des Geschehens gestanden hat. Beim Rehlinger Pfingstsportfest am 19.Mai 1975 sorgte er Disziplin-übergreifend für ein noch nie vor- und nachher dagewesenes Weltrekord-Festival. Riehm übertraf in allen sechs Versuchen
die bis dahin gültige globale Höchstmarke (76,66m) von Alexei Spiridonow aus der Sowjetunion um letztlich satte 1,84m.
Schlussendlich schraubte der aus der bekannten Hammerwurf-Schule von Ernst Klement hervorgegangene Konzer im Trikot vom TV Germania Trier (ab 1978 TV Wattenscheid) den neuen Bestwert auf 78,50m. Gleichermaßen mit Weltrekord überbot er bei einer Veranstaltung 1978 in Heidenheim an der Brenz mit 80,32m als zweiter Hammerwerfer kurz nach dem Sowjetrussen Boris Saitschuk (80,14m) die immer noch (oder wieder) magische 80-Meter-Marke um 32 Zentimeter.
Und fast zu guter Letzt dies: Riehm sollte auch nach seiner glanzvollen Karriere als zehnfacher Deutscher Meister, Europa- und Weltcup-Sieger, Olympia-Zweiter von 1984 und Träger des Rudolf-Harbig-Gedächtnispreises 1982 dem Hammer in etwas anderer Form treu bleiben. Denn er übernahm 1990 die elterliche Schreinerei in seinem Geburts- und Heimatort Konz.
Bleibt noch ein „Herzlicher Glückwunsch“ zum Jubeltag, lieber Karl-Hans!

Weltmeister Niklas Kaul hält im Mehrkampf-Mekka Götzis Hof

(Götzis/Krefeld, 29. Mai 2021) Nach dem durch Corona bedingten vorjährigen Ausfall halten im weltberühmten Mehrkampf-Mekka Götzis in Vorarlberg (Österreich) die „Könige der Athleten* im Zehnkampf und bei den Frauen im Siebenkampf heute ab 11:05 und morgen ab 10:05 Uhr im Mösle-Stadion wieder Hof. Es wird zwar wie sonst meist üblich keine proppenvolle Arena geben. Aber die immerhin zugelassenen 500 Zuschauer (längst ausverkauft) des bekanntermaßen sach- und fachkundigen Publikums werden schon für ordentlich Stimmung in der Bude von den sehr nahen Rängen der Haupttribüne und Stanketts drumherum sorgen. Anfeuerung und Applaus ist schließlich das Brot der Künstler jedweder Art. Klar, für die Asse sind schon noch ein paar Antritts- und Preisgelder im Portfolio.

Kai Kazmirek war 2015 der letzte deutsche Sieger

Durch die deutsche Brille betrachtet ist vorneweg von Interesse wie sich der amtierende Überraschungs-Weltmeister Niklas Kaul (im Bild) vom USC Mainz nach langer Wettkampf-Abstinenz (zuletzt 2019 beim WM-Titel) und überstandener Ellbogen-Operation präsentiert. Der mit 21 Jahren jüngste Zehnkampf-Weltmeister der Historie wird in Fünffach-Sieger Damian Warner (2013 und 2016 – 2019) aus Kanada und dem WM-Zweiten Maicel Uibo aus Estland auf hochkarätige Konkurrenz treffen.
Mit von der Partie ist auch Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied), 2015 der letzte deutsche Triumphator im Eldorado der Mehrkämpfer. Beide können ohne größeren Druck an das Zwei-Tage-Werk gehen, da sie aus 2019 die Olympianorm (8.350 Punkte) bereits vorweisen können. Allerdings müssen auch sie die interne Hausmacht um die drei Startplätze für Tokio bei den weiterhin anstehenden Qualifikationen in Bernhausen (05./06. Juni) und Ratingen (19./20.Juni) in Schach halten. Freifahrtscheine sind nicht zu vergeben, hat das Leistungsprinzip Vorrang.

Beide Wettkampftage in voller Länge im ORF-Livestream zu sehen

Aufgrund der Absage von Spitzenklasse-Siebenkämpferin Carolin Schäfer (Eintracht Frankfurt) ist im ebenfalls fünfköpfigen DLV-Team der Frauen insbesondere die Abteilung „Jugend forscht“ vertreten. Da heißt es vor allem Erfahrungen zu sammeln. – Mit dem folgenden Link geht es zur umfangreichen, informativen Veranstalter-Netzseite, für Enthusiasten ein wahre Fundgrube zum Stöbern. ORF Sport+ wird von diesem Meeting an beiden Tagen in voller Länge (!) im Livestream berichten. Was könnte den Stellenwert besser charakterisieren?!
Redaktioneller Hinweis auf einen akuellen Beitrag im Fenster Ergebnisse.

Johannes Vetter wuchtete den Speer auf formidable 96,26 Meter

(Chorzów/Götzis/Krefeld, 30.  Mai 2021) Wo anfangen, wo aufhören? Beginnen wir sukzessive mit den zwei Superlativen fantastisch und bombastisch, versuchen danach das Unmögliche, uns behutsam zu steigern. Der gegenwärtige Speerwurf-Überflieger Johannes Vetter (LG Offenburg) wuchtete in seiner Urgewalt bei der Team-EM im polnischen Chorzów sein sportliches Arbeitsgerät in geradezu verblüffender Konstanz und Brillanz nach einleitenden 94,24m im zweiten Durchgang auf 96,29m. Nur der Tscheche Jan Železný beim Weltrekord von 98,48m vor nunmehr 15 Jahren in Jena und Vetter selbst mit 97,76m am 06.September 2020 kurioserweise am selben Ort des Geschehens haben jemals weiter geworfen.
Aufgrund einer leichten Oberschenkelverletzung verzichtet der 28-jährige Wahl-Offenburger aus Dresden auf eine Fortsetzung des auf vier Versuche gekappten Wettbewerbs. Mittlerweile kann einem ohnehin angst und bange werden, ob der Weitenjäger seine alle weit überragende Form in dieser technisch fragilen Disziplin bis zu den etwaigen Olympischen (Nachhol-)Spielen vom 23.Julis bis 08.August 2021 im von Corona verseuchten Tokio zu halten vermag. Obschon es da bei der momentan abgehängten Konkurrenz (der Weltranglistenzweite wird mit 88,07m notiert) voraussichtlich nicht solcher Knalleffekte bedürfen wird

Damian Warner mit inoffiziösem Halbzeit-Weltrekord im Zehnkampf

Wären wir sogleich beim Stichwort und dem zweiten „Supermann“ dieses Leichtathletik-Wochenendes: Beim weltberühmten Mehrkampf-Meeting im Mösle-Stadion in Götzis (Österreich) stellte Damian Warner aus Kanada mit 4.743 Punkten einen inoffiziösen Halbzeit-Weltrekord im Zehnkampf auf. Der Kanadier steigerte die Bestmarke keines Geringeren als dem Olympiasieger, dreifachen Weltmeister und Ex-Weltrekordler (8.891 Punkte) Dan O’Brien aus den USA um fünf Zähler. Bezogen auf seine Zwischenbilanz zu seiner persönlichen Bestleistung von 8.795 Punkten im Jahre 2018 bei einem seiner fünf Erfolge in Götzis liegt der 31-Jährige 178 Punkte im Plus. Obschon sich Hochrechnungen bei noch ausstehenden 14 Stolpersteinen (der Hürdensprint birgt allein zehn) 
verbieten, könnte er sich nach dem Tschechen Roman Šebrle (9.026 Punkte), Amerikaner Ashton Eaton (9.039 und 9.045) und Franzosen Kevin Mayer (9.126) als Vierter im Bunde emporschwingen, der den 9.000er-Gipfel erklimmt. Noch zwei Dinge am Rande: Warner der Vielseitige würde mit seinen 10,14 Sekunden über 100 Meter und den 8,28m im Weitsprung garantiert unter den Spezialisten kommendes Wochenende Deutscher Meister in Braunschweig. Wetten, dass..

Weltmeister Niklas Kaul pirscht sich allmählich nach vorn

Derweil pirscht sich der amtierende Weltmeister Niklas Kaul vom USC Mainz im für seinen Klub untypischen schwarzen Trikot mit angeblich Flügel verleihende Werbung einer klebrigen Brause aus dem Gastgeberland auf seiner Brust als buchstäblicher Langsamstarter (11,37 sec. über 100m) allmählich nach vorn. Der 23-Jährige ist mit 4.126 Punkten Elfter. Noch vor ihm seine deutschen Mitbewerber Kai Kazmirek (7. mit 4.252) und Andreas Bechmann (9. mit 4.212), hinter ihm Mathias Brugger (15. mit 4.089) und Dennis Hutterer (20. mit 3.911).
Alle Zeiten, Höhen, Weiten bei weiterer deutscher Beteiligung in den Ergebnislisten im Zehnkampf der Männer und Siebenkampf der Frauen sowie von der Team-EM. Für Sehleute geht es in Livestreams um 10 Uhr aus Götzis und ab 13 Uhr aus Chorzów weiter.

WM-Dritte Gesa Felicitas Krause kehrt an den Edelmetall-Ort zurück

(Doha/Krefeld, 28. Mai 2021) Es wird warm, sehr warm. Unsereins im frischen deutschen Frühling bei gefühlt zehn Grad und häufigem Regen würde es vielmehr als ausgesprochen heiß bezeichnen. Beim Diamond League-Meeting am heutigen frühen Abend (Beginn Ortszeit 17, MESZ 16 Uhr) sind bei strahlendem Sonnenschein über 40 Grad angesagt. Von den vermeintlichen deutschen Spitzen- und Berufssportlern haben derer drei ein Startticket zu diesem glamourösen Hochkaräter der großen weiten Leichtathletik-Welt erhalten. Daran gibt es bei Gesa Felicitas Krause (im Bild) von Silvesterlauf Trier sicherlich nichts zu mäkeln. Die 28-jährige Kämpfernatur feiert an jenem Edelmetall-Ort nach etlichen Aufbaurennen über verschiedene Flachdistanzen den Saisoneinstand über ihre Spezialstrecke 3.000 Meter Hindernis, an dem sie 2019 in deutscher Rekordzeit von 9:03,30 Minuten zum zweiten Mal nach 2015 in Peking WM-Bronze gewann. Da sie häufig in Kenia (Ostafrika) trainiert, können ihr die herrschenden molligen Temperaturen offenbar herzlich wenig anhaben.

Diskuswerferinnen Claudine Vita und Nadine Müller gehören zum deutschen Terzett

Glauben wir dem inzwischen durch einen dreiköpfigen hauptamtlichen geschäftsführenden Vorstand auch offiziell zum Frühstücksdirektor degradierten DLV-Präsidenten Jürgen Kessing, wird die klimatische Lage in diesem wüsten arabischen Wüstenstaat Katar ohnehin hoffnungslos überschätzt. Der Präsidialherr verstieg sich während der WM zu einer seiner berühmt-berüchtigten Fettnäpfchen-Aussagen, dass er es gar nicht so warm finde. Vermutlich hat er seine tiefschürfende Erkenntnis aus einer klimatisierten VIP-Lounge im Stadion getroffen. Voll daneben. Ob er das DLV-Trio als Reiseattaché begleitet, ist (uns) nicht überliefert worden.
Neben Krause sind dies noch die Diskuswerferinnen Claudine Vita vom SC Neubrandenburg, zuletzt mit 62,52 Siegerin beim SoleCup in Schönebeck, und Nadine Müller (*1985) vom SV Halle. Ob sich die W35-Seniorin damit einen Gefallen tut, darf füglich bezweifelt werden. Bei der eben erwähnten Veranstaltung wurde sie in einem rein deutschen Feld mit 56,25m Fünfte und Letzte. Die Rote Laterne droht ihr nun auch in Doha (siehe Startliste) wie Kugelstoßerin Christina Schwanitz (*1985) aus Dresden vorigen Sonntag in Gateshead (Großbritannien).
Als „Ehrenpreis“ brachte die ebenfalls der W35 angehörende Sächsin „unverhofft“ eine 14-tägige Quarantäne mit nach Hause (wir berichteten). Damit ist für sie auch die DM vom 04. bis 06.Juni in Braunschweig passé. Dumm gelaufen! Das ist jetzt keineswegs als Häme, sondern nackter Fakt zu verstehen. Gerade als leidenschaftlicher ehemaliger Kugelstoßer hätte ich sie liebend gerne im Duell mit der auf 18,86m verbesserten Sara Gambetta vom SV Halle gesehen.