Fünfter Auflage des Neustädter Kugel-Cups steht nichts mehr im Wege

(Neustädt//Krefeld, 05. Juni 2021) Nun ist es Stand gestern erst mal amtlich. Der von DLV-Seniorensprecher Heiko Wendorf (im Bild) initiierte und federführend organisierte Neustädter Kugel-Cup passierte nach einer Video-Konferenz mit Präsident Heinz-Wolfgang Lahmann vom Thüringer Leichtathletik-Verband (TLV) und den heutzutage weiteren genehmigenden Stellen wie Landrats-, Ordnungs- und Gesundheitsamt alle Hürden. Der fünften Auflage am Samstag, dem 10.Juli 2021 steht – vorbehaltlich pandemisch bedingter Rückschläge – nichts mehr im Wege. Es liegen zudem von den Bundestrainern Sven Lang, Wilko Schaa und Christian Sperling bereits die Zusagen vor, dass es für die jeweiligen Kaderathleten Männer/Frauen sowie der Nachwuchsklassen ein Pflichttermin ist. Insofern wird sich die gesamte deutsche Elite auf der privaten Anlage von Wendorf in dem 300-Seelen-Ort an der hessisch-thüringischen Landesgrenze ein Stelldichein geben.

Weltbestenlisten-Siebte Bob Bertemes als Hochkaräter

Für die in Frage kommenden Olympioniken Sara Gambetta (SV Halle), Christina Schwanitz (LV 90 Erzgebirge) und David Storl (SC DHfK Leipzig) ist es zugleich einer der letzten Formtests vor der etwaigen Abreise zu den (Nachhol-)Spielen in Tokio (23.Juli bis 08.August 2021). Storl wird in dem Luxemburger Bob Bertemes hochkarätige internationale Konkurrenz erhalten. Der 28-jährige Drehstoßtechniker belegt mit seinen 21,71m (PBL 22,22m) vom Rehlinger Pfingstsportfest momentan den siebten Rang in der aktuellen Weltbestenliste. Da ist weit und breit kein Deutscher zu finden. Auf Rang 43 taucht Simon Bayer vom VfL Sindelfingen mit 20,30m auf.
Storl kann trotz so mancher Ankündigung im Vorfeld noch keinen Freiluftstart in dieser Saison vorweisen, wird auch bei der DM in Braunschweig „wegen Rücken“ nicht in den Ring gehen. Der einstige Kugelstoß-Wunderknabe hat die Olympianorm (21,10m) durch seine 21,20m aus dem Vorjahr bereits in der Sporttasche, muss allerdings noch einen Leistungsnachweis von mindestens 20,60m abliefern.

Für Information und Unterhaltung der Zuschauer wird bestens gesorgt

Die Moderation bei dem Spektakel für Spezialisten kommt aus dem bewährten Mundwerk von Hardy Gnewuch (im Bild), im richtigen Leben Sportlicher Leiter des Olympiastützpunktes Sachsen-Anhalt in Halle. Der Mann ist als Ansager eine Naturbegabung, ein Juwel der Zunft. Er versteht es wie kein Zweiter die Aktiven anzustacheln, dazu das Publikum bei seiner Fach- und Sachkenntnis bestens zu informieren sowie einer gehörigen Portion Wortwitz und Schlagfertigkeit prima zu unterhalten. Und das Schöne daran, auch für ihn: Diesmal werden wieder Zuschauer zugelassen.
Während in den erwähnten Kategorien ein Start ausschließlich über Einladung erfolgt, können Senioren männlich wie weiblich ganz normal frühzeitig und verbindlich ihre Meldung unter der E-Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! abgeben. Selbstverständlich werden wir weiterhin an der Kugel bleiben und mit Wissenswertem auf Sendung gehen.
Redaktioneller Hinweis auf einen aktuellen Beitrag im Fenster Ergebnisse.

DM der Männer/Frauen als "Durchlauferhitzer" auf dem Weg nach Tokio?

(Braunschweig/Krefeld, 04. Juni 2021) „Leuchtturm-Projekt 2.0“ des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Der Schauplatz ist wie schon im Vorjahr Braunschweig. Nämlich die DM der Männer und Frauen von heute bis Sonntag im Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße, in das eine begrenzte Anzahl von 2.000 Zuschauern pro Tag pilgern dürfen. Endlich kann der DLV bei seinen stets „aufgehübschten“ Angaben mal ein ausverkauftes Haus verkünden. Der größten Attraktion sind diese als „Durchlauferhitzer“ für die möglicherweise stattfindenden Olympischen (Nachhol-)Spiele vom 23.Juli und 08.August im von Corona verseuchten Tokio dienenden Titelkämpfe im Rahmen der „Finals 2021“ von 18 Deutschen Meisterschaften allerdings beraubt. Der deutlich die Weltjahresbestenliste mit 96,29m anführende Speerwurf-Überflieger Johannes Vetter von der LG Offenburg verzichtet aufgrund einer leichten Oberschenkelverletzung als reine Vorsichtsmaßnahme auf einen Start.

David Storl und Christina Schwanitz nicht mit von der Kugelstoß-Partie

Und da gibt es schon noch ein paar abwesende Asse vergangener und aktueller Zeiten mehr. Sei stellvertretend der einstige Kugelstoß-Doppelweltmeister David Storl (*1990) vom SC DHfK Leipzig genannt, der seinen überhaupt ersten saisonalen Freiluftstart „wegen Rücken“ absagte. Seine prominente weibliche Kollegin Christina Schwanitz (*1985) vom LV 90 Erzgebirge hat sich gewissermaßen hausgemacht eliminiert. Die Quarantäne-Bestimmungen bei ihrem mit für sie indiskutablen 17,86m reichlich misslungenen Ausflug zur Diamond League nach Gateshead (Großbritannien) nicht beachtend, muss sie diese Sperre noch bis Sonntag aussitzen. Ob sie zu bedauern ist, sei dahingestellt. Bedauerlich ist es in jedem Fall für den Wettbewerb an sich und das nun ausfallende Duell mit der neuen deutschen Nummer eins Sara Gambetta (18,86m) vom SV Halle.

Viel Spannung im Diskuswurf der Männer und Frauen zu erwarten

Im Hinblick auf die zumindest theoretisch wahrzunehmende Olympia-Qualifikation dürfte es in beiden Diskuswurf-Konkurrenzen besonders hoch hergehen. Da haben jeweils mehr als drei Akteure die Normen von 66 Metern bei den Männern und 63,50m bei den Frauen erfüllt. Beim starken Geschlecht ist nach den Vorleistungen kein absoluter Titelfavorit unter den schwergewichtigen Recken auszumachen, bei den „Mädels“ sollte es derweil Kristin Prudenz vom SC Potsdam sein.
Aber nicht nur beim Fußball wird auf dem Platz abgerechnet, Vorschusslorbeeren zu vergeben hat sich schon oft genug als ausgesprochen trügerisch erwiesen.

Ausgerechnet schwacher Stabhochsprung der Frauen als Solo vorgezogen
 
Welch eine – erkenne sie, die Ironie – begnadete Dramaturgie der Wettkampfplanung: Die drei Meisterschaftstage werden heute um 15 Uhr mit dem Solo im Stabhochsprung der Frauen eröffnet. Was den DLV bewogen haben mag ausgerechnet diese Disziplin fernab internationalen Niveaus auszuwählen, wird sein Geheimnis bleiben. Denn Staat ist mit ihm nicht zu machen, wurde die Norm eigens auf 4,15 Meter herabgesetzt, um überhaupt ein achtköpfiges Finalfeld zusammenschustern zu können.
ARD und ZDF berichten in Schnipseln im Fernsehen von der Leichtathletik-DM, dazu in „Livestreams“ im Internet (siehe Link und anschließenden Kommentar).

Olympiamachern gingen rund 10.000 ehrenamtliche Helfer laufen

(Tokio/Krefeld, 03. Juni 2021) Eingedenk der allgemeinen Nachrichtenlage (meine unmaßgebliche klare Haltung ausgeklammert) fällt es schwer für die Sportler/innen aus aller Welt und die Sehleute an den Bildschirmen Optimismus zu verbreiten, dass die Olympischen (Nachhol-)Spiele auch tatsächlich vom 23.Juli bis 08.August 2021 in der japanischen 38-Millionen-Metropole Tokio nach 1964 ein zweites Mal stattfinden werden. Über 80 Prozent der Bevölkerung (126,3 Millionen) des Inselstaates im Pazifik haben sich wegen der Corona-Apokalypse für eine Absage ausgesprochen, erst jüngst plädierten auch der Ärztebund und die Krankenpfleger/innen der Hauptstadt dafür (wir berichteten). Das alles stieß (bislang) bei der japanischen Regierung, den zuständigen örtlichen Behörden und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) mit seinem deutschen Präsidenten Thomas Bach in geradezu unglaublicher Ignoranz auf taube Ohren. Das Motto hieß vielmehr mit einem anderen Sinnesorgan: „Augen zu und durch“, hoch lebe der Kommerz.

Wann bekommen die ersten Aktiven bei heißem Herzen kalte Füße?
 
Wenn dir nicht geholfen wird, dann hilf der eben selbst, lautet offenbar die Devise der um ihre Gesundheit besorgten Bürger. Denn nun gibt es einen weiteren Rückschlag für die uneinsichtigen Olympiamacher: Einer Meldung des japanischen Fernsehsenders NHK von gestern zufolge haben bislang rund 10.000 der 80.000 für die Wettkampfstätten vorgesehenen „Volunteers“ (ehrenamtliche Helfer) ihre Dienstbereitschaft zurückgezogen. Der Herdentrieb könnte für weitere Vervielfältigung sorgen. Dann droht Schicht im Schacht. Wie prekär die Lage ist, zeigt auch dies: Zuletzt wurde der Corona-Notstand in Tokio bis zirka einen Monat vor dem mutmaßlichen Beginn der Spiele verlängert. Wann bekommen die ersten Aktiven aus aller Herren Länder eingedenk dieser unheilvollen Gemengelage bei heißem Herzen kalte Füße?

Beim DLV weiß mal wieder die linke Hand nicht was die rechte tut

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Stuttgart/Braunschweig/Darmstadt/Krefeld, 04. Juni 2021)
Auf der Netzseite des DLV wird berichtet, dass die erst 16-jährige Johanna Göring von Salamander Kornwestheim bei einem Kaderwettkampf in Stuttgart für die herausragende Leistung sorgte. Das Hochsprung-Talent habe seine Vorjahresbestleistung um 20 (!) Zentimeter auf 1,92 Meter gesteigert und sich damit an die Spitze der aktuellen deutschen Bestenliste gesetzt. Der Frauen, wohlgemerkt! Das ist fürwahr famos und höchst bemerkenswert. Der Beitrag schließt mit den Worten, dass der Teenager aufgrund seines jugendlichen Alters nicht bei der DM der Männer/Frauen an diesem Wochenende in Braunschweig startberechtigt sei. So verkündet es auch die hauseigene Vorschau des Verbandes.

Eigene Wettkampf-Bibel wird konterkariert

Wie bitte? Das konterkariert ganz klar die Bestimmungen der Deutschen Leichtathletik-Ordnung (DLO) dieser Dachorganisation, bei der oft die linke Hand nicht weiß was die rechte tut. Helfen wir ein bisschen nach: Da steht unter Punkt 5.2.1:
Sämtliche Meisterschaften sind grundsätzlich offen für alle Athleten, die die deutsche Staatsbürgerschaft und ein gültiges Startrecht für einen deutschen Verein/LG haben. Und weiter unter 8.5: Jugendliche dürfen grundsätzlich in allen höheren Altersklassen an einem Wettbewerb in einer Disziplin teilnehmen, wenn die eigene Altersklasse die betreffende Disziplin mit gleichen Rahmenbedingungen (Gewicht bzw. Streckenlänge) als zulässig aufweist.
Soweit die Wettkampf-Fibel und –Bibel des hohen Hauses in Darmstadt.

16-jährige Ulrike Meyfarth wurde just mit 1,92m Olympiasiegerin

Doch was nützt das alles, wenn die eigenen, in Stein gemeißelten Regeln mit einem Nebensatz in der DM-Ausschreibung „
Jugendliche U16 und U18 sind nicht startberechtigt" das unterlaufen. Schließlich geht es beim Sport nicht um das Alter eines Athleten, sondern einzig und allein um das Leistungsvermögen. Die jüngste Olympiateilnehmerin Cecilia Colledge aus Großbritannien war bei den Olympischen Winterspielen 1932 in Lake Placid (USA) elf Jahre und 73 Tage jung, belegte im Eiskunstlauf den achten Platz. Doch bleiben wir im seit 1990 wieder größer gewordenen Lande, allerdings bei derselben Disziplin. Jan Hoffmann aus der damaligen DDR ist der Zweitplatzierte in dieser Liste, war bei Olympia 1968 in Grenoble (Frankreich) zwölf Jahre und 113 Tage. Und da haben war auch noch als Blaupause den Hochsprung. Ulrike Meyfarth aus Frankfurt nahm 1971 im Alter von 15 Jahren an den Deutschen Meisterschaften der „Großen“ teil und belegte dort Rang zwei. Und ein Jahr später mit ebenfalls süßen Sechzehn wurde sie bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München mit, ja, 1,92 Meter und seinerzeitiger Weltrekordhöhe Goldmedaillengewinnerin.

Eine verblüffende Logik ganz nach Art des hohen Hauses

Wären wir wieder bei Johanna Göring, der klassenübergreifend Ranglisten-Ersten anno 2021. Um einmal die stark verengte heutige Sichtweise der (Unsinn-)Macher des DLV richtig zu bewerten, kann „frau“ zwar mit 16 Jahren Olympiasiegerin werden, aber nicht an einer DM teilnehmen. Versteht das jemand?
Und die nennen ihre Titelkämpfe „Leuchtturm-Projekte“ mit angeblicher weltweiter Strahlkraft. Aber sie knipsen sich selber das Licht aus. Eine verblüffende Logik.

Maritim angehauchte Dachorganisation steuert auf Reformkurs...

Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Krefeld, 02. Juni 2021)
Es ist einfach nicht mehr zu übersehen, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mit Geschäftssitz seiner über 50 hauptamtlichen Kräfte (O-Ton Präsident Kessing) in Darmstadt Kurs auf zu Reformen nimmt. Naheliegend von Kurs zu sprechen, hat sich doch diese Maritim angehauchte Dachorganisation neuerdings der Seefahrt verschrieben und orientiert sich verstärkt an Leuchttürmen sowie am Freizeitsport wie Surfen (im Internet), um immer neue Freunde für die einstige „Olympische Kern-Sportart N° 1" zu gewinnen. Eine Sportart, die hierzulande fußballerisch gesehen nicht einmal mehr in der Regionalliga aufspielt.

...mit dem Weltverband als Kompass

Lange Zeit wurde diesem Leuchtturm-Verband mit selbst ernannter weltweiter Strahlraft nachgesagt: „Bevor der DLV sich ändert, ändert sich der Vatikan." Und dabei hatte die nationale Administration alle Änderungen von oben, also aus Monte Carlo von der IAAF, heute WA für World Athletics, aufgegriffen. Der Speer erfuhr eine solche Änderung, der Schwerpunkt verlagerte sich, ein weiterer Schwerpunkt war dann die Farbe der Laufbahn, die von Rot auf Blau wechselte, damit das Auge auch etwas von dem Änderungs- und Reformansinnen mitbekam.

Deutsch nicht mehr Amts- und Umgangssprache

Nun tritt der DLV in seinem kulturverleugnenden,
preiswürdigen" Anglizismuswahn (2. Platz beim „Sprachpanscher des Jahres 2015" siehe Link) erneut als reformwillig auf. Sprachlich. Und wird damit zur echten Herausforderung aller, die bislang Deutsch als Amts- und Umgangssprache im Miteinander gewohnt waren, auch des Englischen schlicht nicht allmächtig sind (nur etwa neun Prozent der hier geborenen Bundesbürger beherrschen sie perfekt in Wort und Schrift).
Bereits vor Jahren hatte sich die Abteilung „Jugend" schon „Youth athletics" genannt, im Jahr eins von Corona in 2020 folgte dann in massiver Form der nicht enden wollende Rest vom englischen Fest. Von „Late Season" war die Rede, eine „Social Wall" wurde eingerichtet und wenn verschobene Sportfeste erneut angesetzt werden, heißt es in ebenfalls vorausgesetzter allgemeiner Verständlichkeit „Restart Meeting". Geht’s noch?

Senioren werden wider Willen Masters genannt

Bei der Aufforderung zum Start in Laufwettbewerben wird in Kürze sicherlich „On your marks" eingeführt, der Stadionsprecher wird zum „Stadium announcer", der Kampfrichter zum „Referee" und die bisher schlicht genannte Siegerehrung zur „Victory Ceremony" umformatiert. Warum nicht?
Und die in Bausch und Bogen abgesagten nationalen Meisterschaften für die Senioren, pardon: der „Masters“ (übrigens entschied sich der wegreformierte Bundesausschuss Senioren mit 9:3 Stimmen gegen diese Bezeichnung!), werden dann unter dem Denglish-Mix „Flash-News des Tages" als „cancelled“ verkündet. Dem Reformgebaren der Leuchtturm-Protagonisten aus dem Hessischen sind wahrlich keine Grenzen mehr gesetzt, ist die Skala gewissermaßen zum Himmel schreiend offen
Die Hoffnung stirbt bekanntlich stets zuletzt. So werden die in allen möglichen Publikationen und auf dem Rücken des überteuerten T-Shirts (der Begriff ist eingedeutscht) der Marketing-Tochter DLM unverdrossen Masters geheißenen Senioren weiter hoffen, dass sich etwas ändert und „News" wie die alternativen Fakten à la European Masters Athletics (EMA) wirklich etwas sportlich Neues bringen, was sie vor allem einschließt oder besser noch: auf sie zugeschnitten wird.
Ja, klar: Ein allzu frommer Wunsch, anzusiedeln im Bereich von Märchen und Sagen.