Es war reichlich Sand im Getriebe zum Auftakt der Senioren-DM

Kolumne

Moment mal

(Live aus Baunatal, 10. September 2021; 23:50 Uhr)
Bemühen wir zum Einstand gleich mal das Phrasenschwein: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Es sollten allerdings bei einer (mutmaßlich) akribisch, generalstabsmäßig vorbereiteten Sportveranstaltung mit erheblichen Erfahrungswerten nach dem Motto „Hoch lebe die Vorlage“ derer nicht allzu viele sein. Ohne hier den Miesmacher zu geben, muss es schon noch erlaubt sein (verhindern kann es eh keiner), die in den Brunnen gefallenen Kinder beim Namen zu nennen. Ganz allgemein und oberflächlich: Es war reichlich Sand im Getriebe zum heutigen Auftakt der ersten Deutschen Senioren-Meisterschaften in den Einzel-Disziplinen unter freiem Himmel im Corona-Zeitalter in Baunatal (Hessen). Das entschuldigt einiges, indes längst nicht alles. Insbesondere nicht das, was bereits seit Jahrzehnten praktiziert wird.

Eine reizende junge Dame im „Springer-Dienst“ sorgte für Abhilfe

Klar, einiges Neues war auch dabei. Darunter das digitale Zeitalter mit all seinen Tücken bei der Einlasskontrolle am Nebeneingang des Parkstadions zur Erlangung des Handgelenkbändchens als „Sesam öffne dich“ für Aktive und Betreuer. Meist der männliche oder weibliche Partner mit oder ohne päpstlichen Jagdschein. Trotz I- oder Smartphones neuester Baureihe, ließ sich der ausgehängte QR-Code mitunter zum Verrecken nicht abspeichern. Großes Kompliment an eine reizende junge Dame (Name leider nicht bekannt), die im „Springer-Dienst“ mit nicht erlahmender Geduld für Abhilfe sorgte. Aber in diesem Stile ging es nicht munter weiter.

Riesiger Stau bei zu spät beginnender Gerätekontrolle

Ein großes, Adrenalin verschleuderndes Ärgernis war die arg verspätete Öffnung der Gerätekontrolle um 12.30 Uhr. Ein Riesenstau von Kugelstoßern, Hammer- und Speerwerfern mit Maske auf Mund und Nase unter Sauerstoffschuld in einem relativ kleinen Raum. Nicht sehr spaßig. Dazu gepaart mit der Unvernunft der Athleten*innen, das nach der zeitplanmäßigen Reihenfolge der Wettbewerbe (es begann um 14 Uhr mit dem Kugelstoßen der M75 und dem Hammerwurf der M85) abzuwickeln. Jede/r wollte der/die Erste sein. Immerhin kam es bei dem sich aufstauenden Frust nicht zu Handgemengen.

„Neuer“ Kugel-Höchstdurchmesser in Hessen noch nicht bekannt

Das von mir befürchtete und auch prompt eintretende Ärgernis Nummer 3: Der „Gerätekontrolletti“, ein altgedienter Fahrensmann, holte vermutlich genauso alte Schablonen mit Mindes- und Höchstdurchmessern für die Kugel-Abnahme aus seiner Arbeitstasche. Offenbar hatte es sich noch nicht bis Hessen herumgesprochen, dass die Höchstdurchmesser für alle altersgemäßen Geräte der M-Klassen nunmehr auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz (international seit 01.01.2014) 130 Millimeter betragen dürfen. Glücklicherweise nahm er mir nach einem kleinen Disput auch ohne weiteres Beweismittel ab (wir trennten uns gleichwohl freundschaftlich unter gestandenen Mannsbildern), dass dies in einer Fußnote der Regel 188 IWR vermerkt sei. Noch am Rande erwähnt, dass sein wesentlich jüngerer Kollege bei den Nordrhein-Senioren-Meisterschaften Ende August 2021 in Düsseldorf besser informiert, nämlich auf dem neuesten Stand war.

Kompetente Kampfrichter beim Kugelstoßen, inkompetentes Wettkampfbüro

Die Entschädigung ließ freilich nicht allzu lange mit einem sehr kompetenten, freundlichen und zuvorkommenden Kampfgericht auf sich warten. Nach gemeinsamer Absprache begann der Wettbewerb mit den fünf aufrechten Kugelstoßern (ein Gemeldeter fehlte) zehn Minuten vor der Zeit und war bereits um 14.15 Uhr beendet. Mithin die erste Konkurrenz, die ausgewertet wurde und eine Siegerehrung der drei Erstplatzierten erleben durfte. Angeblich 30 Minuten nach Beendigung. Daraus sollte Ärgernis Nummer vier werden: Geschlagene 52 Minuten wurden daraus und die Vorschrift latent gefährdet, spätestens 60 Minuten nach Ende des Wettbewerbes das weitläufige Stadiongelände zu verlassen. Und zwischenzeitlich mehrten sich zwangsläufig die wartenden zu ehrenden Titelträger und Medaillengewinner. Selbst der Zeremonienmeister mit Mikrofon, eine ehemaliger 2,02-m-Hochspringer, und die drei bereitstehenden Honoratioren wurden zunehmend unruhiger.

Absurde Eingangs-/Ausgangsregelung, die beim Bäcker Sinn macht

Wären wir spornstreichs beim Ärgernis Nr. 5. Wie beim Bäcker des Vertrauens, so er dazu die Möglichkeiten hat, sind Ein- und Ausgang auch im Parkstadion hübsch, obendrein sehr weit voneinander getrennt. Um die Arena, für was auch immer, zu verlassen, ist ein Schlupfloch neben den Toiletten am oberen Gang des Tribünentrakts vorhanden. Da durfte man(n)/frau allerdings nicht wieder herein. Wer sich beim „Caterer“ ein Würstchen oder sonst was zur Stärkung holte, musste also einmal 180 Grad um den „Tempel“ herum gehen. Das ist schon ein ganz ordentlicher Fußmarsch. Dazu in aller Regel mit vollem „Kampfgepäck“ mit Geräten et cetera.

Einige de- und halbmaskierte Volltrottel

Ein latentes Ärgernis, geben wir ihm die Nr. 6, all‘ jene, die da wo Maskenpflicht angezeigt war, sie gar nicht oder auf Halbmast unter der Nase trugen. Das ist selbstverständlich nicht den Organisatoren anzulasten. Was mich betrifft, habe ich diese Volltrottel beiderlei Geschlechts in meiner bekannt charmanten Art höflich auf ihr Fehlverhalten hingewiesen. Denn merke: Regeln sind für alle da und dementsprechend einzuhalten.
Die Ergebnisübersicht vom heutigen halben Wettkampftag unter diesem Link in dem handelsüblichen SELTEC-Durcheinander. Halt, noch eins: Die avisierte Gewitterfront für Baunatal stellte sich erfreulicherweise erst am Abend ein. Wettergott Petrus sei im Namen aller verschont Gebliebenen Dank!