Ex-Hammerwerfer Hans-Martin Lotz in seiner Wahlheimat verstorben

(Melbourne/Krefeld, 14. Mai 2021) Einer der auszog seinen sportlichen Weg zu machen, der ihm daheim verbaut war. Denn ausgerechnet „seine“ Disziplin erlebte gerade einen Boom. Dies überschreibt treffend die sportlich geprägte Lebensgeschichte des ehemaligen Hammerwerfers Hans-Martin Lotz (*01.11.1947 in Kassel), der in Nacht vom 01. auf den 02.Mai 2021 nach längerer Krankheit 73-jährig in seiner australischen Wahlheimat Melbourne verstarb. Dort fand er gestern unter großer Anteilnahme vieler einstiger Sportkameraden und Schützlinge von „Down Under“, dem fünften Kontinent, seine letzte Ruhestätte. (Das Foto zeigt Hans-Martin Lotz, rechts, beim Besuch von Alwin J.Wagner 2013 in Melbourne.)

„Deutsche Känguru“ eine Institution im Hammerwurf in Australien

Hans, Spitzname das „deutsche Känguru“, war als Aktiver und späterer Trainer in Australien eine Institution in Sachen Hammerwurf. Gewissermaßen der Prophet, der im eigenen Lande – übertrieben formuliert – nichts galt. Obwohl er zeitweise unter den „Top Ten“ der Welt rangierte, war er mit seiner damaligen Bestleistung von 72,70m hinter
Manfred Hüning (79,16 m), Karl-Hans Riehm (78,66 m) Klaus Ploghaus (76,76 m) und Manfred Schubert (73,64 m) lediglich Fünfter der DLV-Bestenliste. Eine denkbar schlechte Ausgangsposition, mit nationaler Berufung Träume von Starts bei internationalen Großereignissen zu verwirklichen.
Dennoch hätte es artfremd ohne den Boykott der Olympischen Spiele von 1980 in Moskau geklappt. Weithin nicht bekannt, war er für das Starboot-Team im Segeln nominiert worden.

Zufallsbekanntschaft ebnete den Weg nach „Down under“

Da kam ihm „Kommissar Zufall“ zu Hilfe. Beim Training in Hamburg, wo er studierte und gleichzeitig als verdeckter Ermittler für die Polizei arbeitete, lernte er Andy Pollock aus Melbourne kennen. Er freundete sich mit ihm an, besuchte zusammen mit ihm Australien und siedelte letztlich 1980 über. Dank der sportlichen Visitenkarte ist die Verleihung der australischen Staatsbürgerschaft stark beschleunigt worden. Lotz wurde von 1981 bis 1985 fünfmal hintereinander Landesmeister seiner Wahlheimat, vertrat sie von 1982 bis 1986 bei nahezu allen internationalen Wettkämpfen. Darunter 1983 bei den 1.Leichtathletik-Weltmeisterschaften im finnischen Helsinki. Seine persönliche Bestleistung stellte er mit 73,80m im April 1983 in Melbourne auf, seinerzeit die zweitbeste Weite eines Australiers, die 38 Jahre später aktuell noch Platz sieben in der „Allzeit-Rekordliste“ bedeutet.

Gründervater des Rasenkraftsport-Verbandes

Selber war er bis in die M50 hinein erfolgreich aktiv, hält immer noch viele australische Altersklassenrekorde. Neben seiner selbständigen Tätigkeit als Antennenbauer (in seiner Firma beschäftigte er etliche ehemalige Hammerwerfer) fungierte er mit gleicher Profession und Leidenschaft als Trainer. Mit besonderem Stolz erfüllte ihn, dass auf seine Initiative hin der Australische Rasenkraftport-Verband gegründet worden ist. Nicht allein damit hat sich der knorrige, aber stets aufrichtige und gradlinige Einwanderer aus Deutschland fern der Heimat eine Art Denkmal gesetzt.
Möge er in Frieden ruhen!