Speerwurf-Überflieger Johannes Vetter wurde der Favoritenrolle gerecht

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(Split/Krefeld, 09. Mai 2021)  Ein Wettkampf ist kein Wunschkonzert. Selbst für Profis nicht, die sich akribisch und zielstrebig auf ein bestimmtes Ereignis vorbereiten. Die Leichtathletik-Szene war natürlich bannig gespannt, was denn Speerwurf-Überflieger Johannes Vetter (LG Offenburg) nach seinem formidablen Saisoneinstand von 91,50m nunmehr  beim Werfer-Europacup im kroatischen Split aus dem nicht vorhandenen Ärmel zaubern würde. Der veranstaltende kontinentale Verband European Athletics (EA) spekulierte gar, ob das 28-jährige Kraftbündel mit dem „Bauplatscher“ als Bremsfallschirm nach dem Abwurf gar den Meeting-Rekord von 92,70m übertreffen würde?
Diese Hoffnung nährte der gebürtige Dresdener gestern Abend im A-Finale mit seinem Auftaktwurf von 91,12m. Doch danach war die Tendenz bei seinen sechs gültigen Versuchen mit 90,43m, 89,63m, 88,34m und 84,20m auf hohem Niveau stetig fallend, ehe er sich im letzten Durchgang als hoch überlegener Sieger mit 88,23m gebührend verabschiedete.
Selbst dieser fünftbeste Versuch aus seinem Portfolio des Tages hätte dem Wahl-Offenburger zum Erfolg gereicht. Seine „Gegner“ kamen bis auf den zweitplatzierten, mit 86,66m Landesrekord werfenden Rumänen Adrian Mardare nicht über die Rollen von Edelkomparsen hinaus. Mitunter nicht mal das, blieb das Schlusslicht aus Tschechien unter 70 Meter (siehe Ergebnisliste). Alle Wiederanfang ist schwer. Für viele war’s der erste Auftritt in 2021. Das SB für „Season Best“ hinter mancher Weite hat also wenig bis gar keine Aussagekraft.
 
Sara Gambetta stieß dreimal persönliche Bestleistung  

Zuvor hatten die starken Mädels auf einer ambulanten Anlage im schmucken Ambiente des einstigen Amphitheaters Salona mit noch zum Teil erhaltenen Außenmauern ihren Auftritt im Ring. Dort bewies Rückenstoßtechnikerin Sara Gambetta (SV Halle) mit einer Art Steigerungslauf von drei neuen persönlichen Bestleistungen unter freiem Himmel (bisher  18,39m; Halle 18,43m) hintereinander von 18,51, 18,74 und 18,86m ihre überragende Frühform. Mehr noch: Die Hallenserin gewann eingedenk ihrer beträchtlichen Steigerung den Kugelstoß-Wettbewerb und schlug mit sieben Zentimetern Vorsprung die zuvor höher gehandelte Weißrussin Aliona Dubitskaya (PBL 19,27m). Ganz ihrem Naturell entsprechend regestrierte es die 28-jährige Blondine aus Sachsen-Anhalt mit stoischer Gelassenheit. Sie freut sich vermutlich still vor sich hin nach innen. Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge) bot als Fünfte mit 17,79m etwa im Rahmen ihres Leistungsvermögens (18,12m in der Halle 2021) eine solide Vorstellung (Resultate).

Dennis Lewke durch Impfung geschwächt

Das lässt sich beim morgendlichen B-Finale von Dennis Lewke (SC DHfK Leipzig) nicht gerade konstatieren. Der beste Sportkumpel von Klubkamerad David Storl belegte in dieser Konkurrenz der zweiten Garnitur zwar den dritten Platz, lief jedoch mit 18,64m und noch mehr „Asche“ bei den vier ungültigen Versuchen ein ordentliches Stück hinter der eigenen Musik aus der Hallensaison (19,70m) her. Der hauptsächlich über die Kraft kommende 27-jährige Sachse führte seine körperlich schwache Tagesverfassung auf die am vorigen Dienstag verabreichte erste Anti-Corona-Impfung zurück. Da wäre er in Split besser nicht angetreten, um womöglich noch Raubbau am eigenen Körper betrieben zu haben. Ja, ich weiß: Hätte, hätte, Fahrradkette. Die Würde eines internationalen Starts kann bisweilen auch zur Bürde werden, so sie entgegen der Vernunft wahrgenommen wird.
Lewke selber dürfte jetzt auch ein bisschen schlauer geworden sein. Noch 'ne Plattitüde: Übermut tut selten gut! (Resultate)