Bayern hat bei Meisterschaften ein Herz für die Ü30-Generation

(München/Krefeld, 12. Mai 2021) Werfen wir eine weiteres Mal einen neidischen Blick jenseits des Weißwurst-Äquators in die „Weltstadt mit Herz“ München, wo der Bayerische Leichtathletik-Verband (BLV) seinen Sitz und zugleich auch ein Herz für Senioren*innen hat. Für die zweite Saison unter den Vorzeichen der insbesondere für die Ü30-Generation vieles verhindernden Corona-Pandemie stehen/standen dort sage und schreibe sechs Meisterschaften für die ewigen Talente der nächsthöheren Altersklasse auf der Agenda (siehe Link).
Als abgesagt werden jedoch mittlerweile der DAMM-Wettbewerb in Wendelstein (29.Mai) und die Titelkämpfe im Berglauf in Weitnau (10.Juli) geführt. Das Team-Finale soll jedoch voraussichtlich Mitte August nachgeholt werden. Verschoben worden sind nach uns bereits vorliegenden zuverlässigen Informationen die noch für den 19.Juni terminierten „Bayerischen“ im Stoß/Wurf in Bogen. Da sind als Tagesveranstaltung alternativ der 20., 21. August oder 12.September im Gespräch.
Einige dieser Wettbewerbe sind außerhalb der Wertung für die Meisterschaften offen ausgeschrieben. Da gilt es für Interessenten außerhalb des Verbandsgebietes sich vorher sachkundig zu machen. 

Nachwehen der Impfung oder zufällige Duplizität der Ereignisse?

Kolumne

Moment mal

(Satteldorf/Krefeld, 11. Mai 2021)
Vorausgeschickt, dass es sich nicht um den Auftakt einer neuen Serie handelt. Aber es ist derzeit nun mal das alles beherrschende Thema, das wir an einem exemplarischen Beispiel nicht unerwähnt lassen wollen. Dazu zum besseren Verständnis zunächst eigene Erfahrungen einbringend. Meine persönliche „Regierungschefin“ Elke (65) und meine Wenigkeit (76 Jahre reif) haben vergangenen Samstagabend im Krefelder Impfzentrum die zweite Dosis mit dem bislang weitgehend unverdächtigen Immunserum von Biontech/Pfizer verabreicht bekommen. Es gab hier wie da bei den jeweiligen Impfungen keine nennenswerten Begleiterscheinungen. Doch es liegt buchstäblich in der Natur der Sache, dass jeder Körper völlig losgelöst vom Alter anders reagiert.

Es liegt keine Erkrankung an COVID-19 vor

So beim Leichtgewicht unter den Wurfallroundern der Weltklasse, Hermann Albrecht (im Bild) von der Spvvg. Satteldorf in Baden-Württemberg. Der „Herminator“ erzählte mir gestern in einem Telefonat, dass er seit der zweiten Spritze vom genannten selben Hersteller unter schneller Erschöpfung, latenter Schlappheit und Schwindelgefühlen leiden würde. Dabei befürchtete der 81-Jährige schon, durch den flüchtigen Kontakt im Kraftraum mit vier letztlich vom Coronavirus infizierten Fußballspielern seines Klubs trotz vermeintlicher Immunisierung an COVID-19 erkrankt zu sein.

Erst im August ist ein Facharzt-Termin verfügbar

Allerdings konnte ihn der Arzt seines Vertrauens in dieser Hinsicht nach eingehender Untersuchung inklusive Bestimmung der Blutwerte beruhigen, ohne dem Rätsel indes wirklich auf die Spur gekommen zu sein. Der Allgemeinmediziner vermutet eine eher zufällige Duplizität der Ereignisse. Die nicht im Zusammenhang mit dem Blutdruck stehenden Schwindelattacken könnten auch mit der Störung des Gleichgewichtssinns zu tun haben, überwies Hermann deshalb zum Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Und jetzt kommt das krankende deutsche Gesundheitswesen ins Spiel: Erst im August ist ein Termin verfügbar. „Hoffentlich erlebe ich den noch“, entgegnete der amtierende M80-Hammerwurf-Weltrekordler der Sprechstundenhilfe sarkastisch. Erweichen ließ sie sich dadurch jedoch nicht.
Kurzum: An ein geregeltes Training ist für Hermann vorerst nicht zu denken. Was außer dem fehlenden Lebenselixier bei einem mangelnden Wettkampfangebot speziell für die Ü30-Generation nicht weiter ins Gewicht fällt. Stopp: Aller Voraussicht nach soll an Pfingstsonntag, 23.Mai 2021, in Haßloch (Pfalz) ein Solo für Hammerwerfer stattfinden.
Hätten wir das bei der Gelegenheit für Interessenten auch noch kundgetan.

Speerwurf-Überflieger Johannes Vetter wurde der Favoritenrolle gerecht

(Split/Krefeld, 09. Mai 2021)  Ein Wettkampf ist kein Wunschkonzert. Selbst für Profis nicht, die sich akribisch und zielstrebig auf ein bestimmtes Ereignis vorbereiten. Die Leichtathletik-Szene war natürlich bannig gespannt, was denn Speerwurf-Überflieger Johannes Vetter (LG Offenburg) nach seinem formidablen Saisoneinstand von 91,50m nunmehr  beim Werfer-Europacup im kroatischen Split aus dem nicht vorhandenen Ärmel zaubern würde. Der veranstaltende kontinentale Verband European Athletics (EA) spekulierte gar, ob das 28-jährige Kraftbündel mit dem „Bauplatscher“ als Bremsfallschirm nach dem Abwurf gar den Meeting-Rekord von 92,70m übertreffen würde?
Diese Hoffnung nährte der gebürtige Dresdener gestern Abend im A-Finale mit seinem Auftaktwurf von 91,12m. Doch danach war die Tendenz bei seinen sechs gültigen Versuchen mit 90,43m, 89,63m, 88,34m und 84,20m auf hohem Niveau stetig fallend, ehe er sich im letzten Durchgang als hoch überlegener Sieger mit 88,23m gebührend verabschiedete.
Selbst dieser fünftbeste Versuch aus seinem Portfolio des Tages hätte dem Wahl-Offenburger zum Erfolg gereicht. Seine „Gegner“ kamen bis auf den zweitplatzierten, mit 86,66m Landesrekord werfenden Rumänen Adrian Mardare nicht über die Rollen von Edelkomparsen hinaus. Mitunter nicht mal das, blieb das Schlusslicht aus Tschechien unter 70 Meter (siehe Ergebnisliste). Alle Wiederanfang ist schwer. Für viele war’s der erste Auftritt in 2021. Das SB für „Season Best“ hinter mancher Weite hat also wenig bis gar keine Aussagekraft.
 
Sara Gambetta stieß dreimal persönliche Bestleistung  

Zuvor hatten die starken Mädels auf einer ambulanten Anlage im schmucken Ambiente des einstigen Amphitheaters Salona mit noch zum Teil erhaltenen Außenmauern ihren Auftritt im Ring. Dort bewies Rückenstoßtechnikerin Sara Gambetta (SV Halle) mit einer Art Steigerungslauf von drei neuen persönlichen Bestleistungen unter freiem Himmel (bisher  18,39m; Halle 18,43m) hintereinander von 18,51, 18,74 und 18,86m ihre überragende Frühform. Mehr noch: Die Hallenserin gewann eingedenk ihrer beträchtlichen Steigerung den Kugelstoß-Wettbewerb und schlug mit sieben Zentimetern Vorsprung die zuvor höher gehandelte Weißrussin Aliona Dubitskaya (PBL 19,27m). Ganz ihrem Naturell entsprechend regestrierte es die 28-jährige Blondine aus Sachsen-Anhalt mit stoischer Gelassenheit. Sie freut sich vermutlich still vor sich hin nach innen. Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge) bot als Fünfte mit 17,79m etwa im Rahmen ihres Leistungsvermögens (18,12m in der Halle 2021) eine solide Vorstellung (Resultate).

Dennis Lewke durch Impfung geschwächt

Das lässt sich beim morgendlichen B-Finale von Dennis Lewke (SC DHfK Leipzig) nicht gerade konstatieren. Der beste Sportkumpel von Klubkamerad David Storl belegte in dieser Konkurrenz der zweiten Garnitur zwar den dritten Platz, lief jedoch mit 18,64m und noch mehr „Asche“ bei den vier ungültigen Versuchen ein ordentliches Stück hinter der eigenen Musik aus der Hallensaison (19,70m) her. Der hauptsächlich über die Kraft kommende 27-jährige Sachse führte seine körperlich schwache Tagesverfassung auf die am vorigen Dienstag verabreichte erste Anti-Corona-Impfung zurück. Da wäre er in Split besser nicht angetreten, um womöglich noch Raubbau am eigenen Körper betrieben zu haben. Ja, ich weiß: Hätte, hätte, Fahrradkette. Die Würde eines internationalen Starts kann bisweilen auch zur Bürde werden, so sie entgegen der Vernunft wahrgenommen wird.
Lewke selber dürfte jetzt auch ein bisschen schlauer geworden sein. Noch 'ne Plattitüde: Übermut tut selten gut! (Resultate)

Polnische Speerwerferin machte beim Werfer-Europacup "den Beamon"

(Split/Krefeld, 10. Mai 2021) Nun sind 91,12 Meter im Speerwurf der Männer alles andere als ein Pappenstiel, würden vermutlich bei den etwaig stattfindenden Olympischen (Nachhol-)Spielen vom 23.Juli bis 08.August 2021 im von Corona besonders arg heimgesuchten Tokio in Gold aufgewogen. Doch eine Tochter Evas mit den biblischen Vornamen Maria Magdalena und Andrejczyk dahinter stahl Johannes Vetter von der LG Offenburg gestern Abend beim Werfer-Europacup in Split an der kroatischen Adriaküste die Schau. Die im Olympiajahr 1996 geborene Polin katapultierte das 600 Gramm schwere Wurfgerät im ersten Durchgang (das eint sie mit „Bruder“ Johannes) auf 71,40m. Die drittbeste Weite der Historie.
Dass es sich um keinen Zufallstreffer und gewaltigen Ausreißer nach oben handelte, unterstrich die 25-Jährige mit 69,68m im vierten Versuch. Der einen Schatten ihrer selbst darstellenden fast 40-jährigen amtierenden Weltrekordhalterin (72,78m) Barbora Špotáková aus Tschechien nahm sie bei deren nach fünf unterirdischen, bewusst ungültig gemachten Würfen mit im finalen Versuch erreichten 58,24m (Achte) fast 13 Meter ab. Da prallten mit Vehemenz ein auf- und untergehender Stern am Speerwurf-Himmel aufeinander.

Bei allem Erstaunen keine Leistung aus dem Niemandsland

Wiewohl bei allem Erstaunen diese „hammermäßige“ Leistung von Andrejczyk nicht gerade aus dem Niemandsland kommt. Als U-20-Europameisterin von 2015 in Eskilstuna (Finnland) bewies sie mit Juniorinnen-Weltjahresbestleistung von 59,73m ihr außergewöhnliches Talent. Als erst 20-Jährige warf sie ein Jahr später bei den Olympischen Spielen 2016 im brasilianischen Rio de Janeiro mit nationalem Rekord von 67,11m in der Qualifikation die absolute Bestweite, wurde im eigentlichen Wettbewerb mit 64,78 m Vierte. Übrigens da noch direkt hinter Špotáková, verpasste sie um die Winzigkeit von zwei Zentimetern die Bronzemedaille. Einem Hauch von Nichts. Die Weltrangliste 2020 führt die Polin als Zweite mit 65,70m. Unstreitig alles tolle Empfehlungsschreiben. Den Rest schenken wir uns, wollen selbst märchenhafte Steigerungsraten nicht gleich mit wilden, haltlosen Spekulationen in Frage stellen. Sicherlich wird sie anschließend zur Dopingkontrolle „gebeten“ worden sein. Obschon das lediglich den Istzustand abbildet.

Es gibt sie halt, die ungewöhnlichen Momente im Sport

Aber: Es gibt sie schließlich überall im Leben und vor allem im Sport, die ungewöhnlichen, unerklärlich anmutenden, be- und verzaubernden Momente. Deren Beispiele gäbe es etliche. Es sei nur an die 8,90m im Weitsprung von Bob Beamon (USA) bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexico City erinnert, bei dem er den bestehenden Weltrekord um 55 (!) Zentimeter übertraf, nie wieder auch nur annähernd (8,20m in 1969) an dieses „Überding“ herankam und 1970 (7,91 m) seine Karriere früh als gerade mal 24-Jähriger beendete. Das möge der polnischen Weitenjägerin erspart bleiben.

Weltklasse-Resultat von Christin Hussong geht fast ein wenig unter

Vergessen wir über das am gestrigen zweiten Tag des Stelldicheins der Spezialisten*innen von Stoß und Wurf alles restlos in den Schatten stellende Ergebnis Christin Hussong (*1994) vom LAZ Zweibrücken nicht. Als Zweitplatzierte dieser in mancherlei Hinsicht bemerkenswerten Konkurrenz erzielte sie mit der griffigen Zahl von 66,44m unter normalen Maßstäben schließlich auch noch ein Weltklasse-Resultat. Alle disziplinär zu filternden Ergebnisse der beiden Wettkampftage unter diesem Link.

Olympia: Siegt die Vernunft oder Sport, Kommerz und Politik?

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Tokio/Krefeld, 08. Mai 2021)  
Freimütig und vorausschickend eingeräumt, dass ich kleines Licht am großen Firmament nichts gegen das unheilvolle Konglomerat von – die Reihenfolge ist beliebig austauschbar – Sport, Kommerz und Politik auszurichten vermag. Dennoch werde ich nicht müde, es für verantwortungslos und bodenlosen Leichtsinn zu halten, die Olympischen (Nachhol-)Spiele vom 23.Juli bis 08.August 2021 im riesigen Corona-Tiegel der japanischen 38-Millionen-Hauptstadt Tokio beharrlich auf Gedeih und Verderb durchboxen zu wollen. So sehr ich das auch den Sportlern aus aller Welt gönnen und mir selber in der Doppelrolle als Berichterstatter sowie persönlich Interessierter aus der sicheren Ferne am heimischen Bildschirm wünschen würde.

Noble Geste mit unheilvoller Wirkung

Eine noble Geste, dass nun die Impfstoff-Hersteller und –lieferanten Biontec/Pfizer erklärten, allen Teilnehmern, Trainern und Betreuern an den Olympischen Spielen und anschließenden Paralympics Impfstoff zu spenden. Mit den Auslieferungen an die teilnehmenden Delegationen könne Ende Mai begonnen werden, um sicher zu stellen, dass die zweite Impfung vor der Ankunft in Tokio verabreicht wurde. Die beiden Unternehmen beeilen sich hinterher zu schicken, dass dadurch die Versorgung der nationalen Bevölkerungen weltweit nicht beeinträchtigt würde. Und IOC-Präsident Thomas Bach setzt noch in Prosa einen drauf, dass die olympischen Athleten*innen einen starke Botschaft aussenden könnten, dass „sich impfen zu lassen nicht nur die persönliche Gesundheit angeht, sondern auch die Solidarität und Rücksichtnahme für das Wohlergehen anderer“. Halleluja und Hosianna!

Augenwischerei, Schönfärberei und Milchmädchen-Rechnung

Stimmt allerdings grundsätzlich im Kern der Aussage, ändert aber per Saldo nichts an der Tatsache, dass es sich um Augenwischerei, Schönfärberei und eine kapitale Milchmädchen-Rechnung handelt. Die Weltbevölkerung wird bis zu dem fraglichen Zeitpunkt nicht weitgehend durchgeimpft sein. Und alles, was ich für einen gesunden, weit überwiegend jungen Personenkreis abzwacke, fehlt anderen, die in der Priorisierung und Notwendigkeit vor ihnen an der Reihe gewesen wären.
Schauen wir „lediglich“ nach Indien. Dort gibt es im 7-Tage-Mittelwert täglich 389.900 Neuinfektionen, sind bislang 234.000 Menschen an COVID-19 gestorben (Krefeld quasi ausradiert), herrscht am Ganges und anderswo Land unter mit dem medizinischen Ausnahmezustand, müssen Hilfeleistungen von überall her, die dazu in der Lage sind, auch der Bundesrepublik, in Anspruch genommen werden. Ungeachtet dessen stimmen allzu viele Verblendete und Verbohrte in den Chor ein „Olympia muss leben“, während allenthalben und allerorten auf diesem Globus Menschen an diesem verdammten Virus sterben und nach Milliarden zählende Lebende händeringend auf die Impfung warten.

Online-Petition gegen Olympia mobilisierte in kurzer Zeit 207.000 Japaner

Das ist nicht nur absurd, das ist menschenverachtend. Und dies alles für „Die herrlichste Nebensache der Welt“, die sich Sport nennt. Abgesehen davon, dass ich mich stets traue öffentlich unverblümt Flagge zu zeigen und nicht als anonymer Heckenschütze auftrete, liege ich allem Anschein nach mit meiner Sicht auf die Dinge nicht so schief. Innerhalb weniger Stunden beteiligten sich 207.000 Japaner, in deren Land zum wiederholten Male der Corona-Notstand ausgerufen worden ist, in einer an den
Herrn der Ringe" namens Bach gerichteten Online-Petition mit dem Titel „Sagen Sie die Olympischen Spiele in Tokio ab, um unser Leben zu schützen“. Es würden für dieses gigantische Spektakel in der Organisation 10.000 medizinische Mitarbeiter, 500 Krankenschwestern und 200 Ärzte gebunden, die für die Versorgung der Bevölkerung wegfielen. Und: Bislang sind erst zwei Prozent der Bürger des 126,3 Millionen Einwohner starken Inselstaates im Pazifik geimpft. Da müssten zusätzliche Kapazitäten reingepumpt werden.
Noch Fragen? Die jedoch besser nicht an Bach richten. Da empfehle ich eher SPD-Gesundheitsexperte Prof.Dr.Karl Lauterbach, in dem namentlich auch ein bisschen Bach, aber noch deutlich mehr fachliches Wissen vorhanden ist.