Stendaler Hanse-Cup machte seinem glänzenden Ruf wieder alle Ehre

(Stendal/Krefeld, 29. Mai 2018) Machen wir nach unserer brandaktuellen Berichterstattung mit der Exklusiv-Meldung vom  wahrhaftig historischen M70-Weltrekord (8.142 Punkte) von Zehnkämpfer Valdis Cela (*1948) aus Lettland und der gestrigen Kolumne noch einen ausführlichen Nachdreher zum 6.Stendaler Hans-Cup (SHC) und dem Drumherum. Vorab kommen wir einem an uns herangetragenen Anliegen nach. EMA-Ehrenpräsident Dieter Massin legt als einer der Gründerväter des SHC großen Wert auf die Feststellung, dass Geraldine Finegan (W50) aus Irland keineswegs im Zehnkampf außer Konkurrenz, wohl aber konkurrenzlos gestartet sei. Das Solo für sie wäre ordnungsgemäß beim Leichtathletik-Verband Sachsen-Anhalt angemeldet und genehmigt worden. Außerdem sei es kein Gag der Organisatoren gewesen, sondern wäre dieser Wunsch von ihr ausgegangen. Außerdem habe es auf seine Iniitiative hin bereits am 20./21. September 1997 im westfälischen Ahlen einen Zehnkampf der Frauen mit acht Teilnehmerinnen, an der Spitze Mona Steigauf vom USC Mainz, unter Anwesenheit der damaligen DLV-Vizepräsidentin Ilse Bechtold gegeben. Die seinerzeit 27-jährige Mainzerin erzielte bis heute unerreichte 7.822 Punkte. Hätten wir das also auch geklärt. Festzuhalten bleibt jedoch, dass der Zehnkampf der Frauen/Seniorinnen nicht zum offiziellen Wettkampfprogramm der IAAF, WMA, EMA und des DLV gehören, keine Meisterschaften darin ausgetragen und folglich keine offiziellen Rekord-/Bestenlisten geführt werden.

Es gibt lediglich offiziöse Rekordlisten im Zehnkampf der Frauen/Seniorinnen

Offiziöse gibt es schon. Den in der W50 hält Rita Hanscom aus den USA mit 7.327 Punkten. Davon blieb die extrovertierte Irländerin ein großes Stück entfernt. Selbst von dem von ihr angestrebten Siebentausender. Per Saldo waren es 6.858 Punkte. Ein völlig verhauener Diskuswurf von 20,30m (399 P.) machten ihr einen dicken Strich durch die 7.000-Punkte-Rechnung. Sehr beachtlich allerdings ihre Zeit von 5:53,13 Minuten (796 P.) im abschließenden 1.500-m-Lauf. Davon hätte sich so manches Mannsbild eine dicke Scheibe abschneiden können. Relativ gesehen wie tatsächlich. Es darf konstatiert werden, dass die taffe Frau von der Grünen Insel mit acht sehr ausgewogenen Leistungen, im Stabhochsprung blieb sie ebenfalls unter ihren Möglichkeiten, fürwahr eine ernsthafte Zehnkämpferin ist. Respekt! Applaus! Chapeau! Obwohl der Vergleich von Äpfeln und Birnen zu hinken pflegt, sei noch erwähnt, dass der Stendal-Sieger der M50 lediglich 4.355 Punkte sammelte und auch über 1.500m in 6:06,34 Minuten langsamer lief.

Marathon der Mehrkämpfer wurde auch für Wolfgang Ritte zum Scharfrichter

Der Marathon der Mehrkämpfer wurde auch für Wolfgang Ritte (*1953) vom SC Bayer 05 Uerdingen zum Scharfrichter. Ob es nun die mit einer Sauerstoffschuld einhergehende angeborene Unterproduktion der roten Blutkörperchen oder die Aussichtslosigkeit des Unterfangens nach neun Disziplinen mit 7.709 Punkten noch den Weltrekord der M65 (8.205 P.) verbessern zu können war, gab er nach zwei Runden auf. Das Handtuch zu werfen will nicht so recht zu seiner ansonsten makellosen sportlichen Vita passen. Bei Halbzeit lag der vornehmlich stabhochspringende Alleskönner und Inhaber des Weltrekords im Zehnkampf der M60 (8.123 P.) mit famosen 4.406 Punkten noch auf Kurs. Doch am zweiten Tag blieb er in allen Disziplinen, einschließlich seiner „Schokoladenübung“, hinter seiner Marschroute (in Klammern) zurück: 100 m Hürden 16,13 sec. (16,10), Diskus 31,96m (35,00), Stabhoch 3,70m (3,80), Speer 31,12m (34,00). Die 1.500m (Sollzeit 7:30 Minuten) schenkte er sich dann zum Leidwesen vieler Sportkameraden und Zaungäste in Gänze.
Aus dem Weltrekord-Zweiklang der M65 und 70 wurde also nichts. Doch darunter gab es noch durchgängig von der W55 bis 70 vier nationale Bestmarken. Als da wären im Siebenkampf: W55: Marite Vilcane (Lettland) 4.108 Punkte; W60: Wiebke Baseda (SV Grün-Weiß Hamburg) 5.961; W65: Ulrike Hiltscher (LG Neiße) 6.086; W70: Margaritha Dähler-Stettler (Schweiz) 4.509.

Phil Raschker lediglich in der Zuschauer- und Betreuerrolle

Der Veranstalter beklagt die schwache Resonanz in den Einzelwettbewerben bei den Internationalen Altmark-Meisterschaften. Allerdings dürfte das Problem hausgemacht sein. Das Programm ist neben dem Hauptereignis Hanse-Cup mit Sieben- und Zehnkampf schlichtweg überfrachtet. Darauf noch Dreikämpfe und den Internationalen Fünfkampf aufzupfropfen, ist schlicht des Guten zu viel. Hinzu kam, dass sich die angekündigte Galionsfigur Phil Raschker (*1947) aus Atlanta/USA mit der Zuschauer- sowie Betreuerrolle ihres deutschen Freundes Heinz Keck (sehr ordentliche 6.046 Punkte in der M75) und der gerade erst erwähnten Schweizerin begnügte. Die geborene Hamburgerin absoliverte zwar schon wieder Wettkämpfe in ihrer Wahlheimat und qualifizierte sich für die US-Masters, hat aber momentan eine Zwischenphase mit verstärktem Krafttraining eingelegt. Da wollte sie mit einer Schnellkraftdisziplin verständlicherweise kein Risiko eingehen. Schade drum. Ein „Schaulaufen“ mit der gleichaltrigen Sprint-Weltrekordlerin Ingrid Meier vom LAC Quelle Fürth wäre natürlich ein absolutes Glanzlicht gewesen. Allerdings wäre die flotte Ingrid trotz Trainingsrückstand mit ihren 15,20 Sekunden über 100 Meter innerhalb des Dreikampfes schwerlich zu packen gewesen.
Es wäre jetzt ein wenig vermessen zu konstatieren, dass Dainis Kula (*1959) aus Lettland als Speerwurf-Olympiasieger (91,20m) von 1980 in Moskau alte Klasse aufblitzen ließ. Freilich sind seine 51,14 m für einen 59-Jährigen im letzten Jahr der M55 aller Ehren wert. Klarer Fall, dass sich M80-Sieger Lothar Huchthausen (39,95m) so manchen Tipp und ein Erinnerungsfoto (siehe Bild) bei dem sympathischen, der deutsche Sprache ganz passabel mächtigen „Goldjungen“ von einst holte.
Der gesamte Ergebnisspiegel ist in Etappen unter diesem Link abrufbar.

DAMM-Finale Bayern: Lediglich zwei echte Wettstreite unter acht Teams

(Wendelstein/Krefeld, 21. Mai 2018) Alle gemeldeten acht Mannschaften (je vier männlich und weiblich) traten beim Bayerischen DAMM-Endkampf an Pfingstsamstag in Wendelstein an. Allerdings liegt es bei einer so überschaubaren Zahl nahe, noch verteilt durch die verschiedenen Altersklassen, dass es lediglich zwei regelrechte sportliche Wettstreite um den Titel gab. Den entschied in der M70 das Team des LAZ Quelle Fürth (6.557 Punkte) relativ deutlich vor der LG Stadtwerke München (6.316 P.) für sich. Wesentlich knapper ging es in der W50 zu, wo das LAZ Obernburg/Miltenberg (5.652 P.) lediglich 32 Punkte vor dem LAC Quelle/SWC Regenburg (5.620 P.) einlief. Was wörtlich zu nehmen ist. Denn vor der abschließenden Sprintstaffel hatten sie noch 168 Punkte zurück gelegen. Aber entscheidender ist es ohnehin, sich mit einem adäquaten Punkteresultat für das Finale um die Team-DM am 22.September 2018 in Baunatal (Hessen) zu qualifizieren. Das bleibt freilich abzuwarten, bis wirklich alle Messen auf diesem Sektor gelesen sind. Es darf freilich schon jetzt konstatiert werden, dass die W40 der Stg Mittel-Unterfranken mit ihren 3.765 Punkten dafür nicht in Betracht kommt. Denn sie brachte wegen Verletzung lediglich eine Diskuswerferin und keine Staffel in die Wertung. Da heißt es bestenfalls bei geeigneter Gelegenheit einen neuerlichen Versuch zu unternehmen. Als nächster offizieller Termin steht am nächsten Sonntag das Landesfinale von Sachsen in Neukieritzsch auf dem Programm. – Alle Details aus Bayern unter diesem Link.

Aktuelle DAMM-Rangliste

Bislang haben 49 Vereine/Startgemeinschaften ihre Visitenkarte abgegeben. Die nachfolgende Rangliste dazu hat unser Gastautor und DAMM-Experte Dieter Krumm zusammengestellt.

Seniorinnen

W30: 1. StG Nutrixxion Masters (LT DSHS Köln, TV Herkenrath) 6.882, 2. StG Ruhr-West 6.777, 3. TSV Friedberg 6.518, 4. StG Bedburg – Dinslaken 6.422, 5. StG Equipe Saar 6.418, 6. VfV Spandau 5.971, 7. TV Elm  4.990 Punkte.
W40: 1.TSV Korbach  6.260, 2. StG Pulheim-Straberg  5.969, 3. HNT Hamburg 5.836, 4. TSV Bayer 04 Leverkusen 5.826, 5. StG Mittel-Unterfranken 3.765 Punkte.
W50: 1. LAZ Obernburg-Miltenberg 5.652, 2. StG LAC Quelle-SWC Regensburg 5.620 3. StG Witten-Annen-Bochum  5.436, 4. StG Breisgau-Team 4.965, 5. StG Pulheim-Straberg  4.415, 6. LC 72 Altenkessel 3.932 Punkte.
W60: 1. StG Düsseldorf/Aachen  5.701, 2. StG CSV - Troisdorf - Oedt  4.894, 3. StG Nord-West Hamburg  4.360 Punkte.


Senioren

M30: 1. StG Nutrixxion Masters 9.335, 2. Leichtathletik-Club Lübeck  9.131, 3. LG Kindelsberg- Kreuztal  8.828, 4. StG Saarmasters 30 7.357, 5. LSG Sbr.-Sulzbachtal 7.321, 6. StG Essen-Rhede  2.161 Punkte.
M40: 1. StG TSV Würzburg-TSV Erding-TSV Ipsheim 9.526, 2. LG Kindelsberg Kreuztal 9.383, 3. StG Ostwestfalen-Lippe  9.362, 4. LBV Phönix Lübeck 8.149,  5. LG Saar 70 7.649, 6. LG Berus 6.952 Punkte.
M50: 1. LG Eder 10.191, 2. LG Kindelsberg Kreuztal 10.062, 3. StG Essen-Rhede  9.599, 4. Team StG Ostsee  9.114, 5. LG Elmshorn  8.130, 6. StG TopWeiß Spandau 6.138, 7. TSV Bayer 04 Leverkusen 3.370 Punkte.
M60: 1. StG Hünxe - Bedburg  7.616, 2. StG Werther 7.518, 3. LAC Quelle Fürth 7.257, 4. Pulheimer SC 7.188, 5. LAG Obere Murg 5.839 Punkte.
M70: 1. StG Hamburger Jungs 7.297, 2. Pulheimer SC  6.768, 3. LAC Quelle Fürth 6.557, 4. LG Stadtwerke München 6.316 Punkte.

Üblichen weiblichen Verdächtigen teilten den Kuchen unter sich auf

(Erfurt/Krefeld, 08. März 2018)  Es waren weitestgehend die üblichen weiblichen Verdächtigen, die bei den Deutschen Hallen- und Winterwurf-Meisterschaften der Ü35-Generation am vergangenen Wochenende in Erfurt den Kuchen unter sich aufteilten. Ebenfalls keine tiefschürfend neue Erkenntnis, dass die Felder bei Stoß und Wurf eher sehr übersichtlich besetzt waren. Insbesondere in  den Altersklassen der Jung-Seniorinnen bis zur W45. Überhaupt in keinem Wettbewerb musste nach dem Vorkampf aussortiert werden. Die Spitze der Kletterstange war bei fünfmal je sieben Teilnehmerinnen erreicht. Den Vogel schoss die W55 mit insgesamt 27 Starterinnen in den vier Disziplinen ab, gefolgt von der W50 mit derer 25 an der Zahl.

Seltenes Double von Kugel und Speer durch Wilma Jansen

Kommen wir nach diesem kleinen Statistik-Exkurs zu einigen Namen dahinter. Wilma Jansen (W35) von der LT DSHS Köln gelang das eher seltene Erfolgsdouble von Kugel (12,41m) und Speer (40,96m). Die noch zur erweiterten deutschen Spitzenklasse im Diskuswurf der Frauen zählende Sabine Rumpf von der LSG Goldener Grund Selters gewann den besonders dürr besetzten Diskuswurf der W35 (3) mit 49,10m und einem Riesenvorsprung von 14,34m.
Nadine Kant (W40) vom Hagenower SV in Mecklenburg-Vorpommern) gewann jeweils überlegen den „Classico“  mit Kugel (13,61m) und Diskus (38,50m).

Zielwerfen von Bettina Schardt mit Diskus und Hammer

Wer keine wirkliche Konkurrenz hat, der muss sie sich eben selber machen. Bettina Schardt (M45) von der MTG Mannheim lieferte sich einen Privat-Wettbewerb um die bessere Leistung bei Diskus (39,77m) und Hammer (39,47m). Knapp war’s bei diesem aus dem Zufall geborenen Zielwerfen. Noch schöner wäre indes eine Punktlandung gewesen. Jana Müller-Schmidt von der SG Osterholz LA entschied äußerst souverän das Kugelstoßen der W50 mit 13,96m für sich. Die Relativwertung im Speerwurf dürfte an die Bremerin Dagmar Suhling vom TuS Huchting gehen, die das 600 Gramm schwere Gerät bei 38,39m auf dem gefrorenen Geläuf „landen“ ließ. Die metrisch größte Weite im Hammerwurf ging erwartungsgemäß an die deutsche W-50-Rekordhalterin (49,91m) Silke Finkbeiner vom VfL Waiblingen mit 45,77m. Eingedenk der Temperaturen unter dem Gefrierpunkt eine mehr als beachtliche Vorstellung. Und zwei Jahre älter ist sie seither auch geworden.

Ingrid Holzknecht zweimal vorn

Richten wir unseren Blick noch in der Alterspyramide noch etwas weiter nach oben. Nach ihrem lebensbedrohlichen Wanderunfall auf dem Großglockner Mitte September 2016 ist Ingrid Holzknecht (im Bild) von der LG Elmshorn längst wieder fester Bestandteil der großen Werfer-Familie. Die „Kernige aus Elmshorn“ gewann in der W75 mit Diskus (19,53m) und Hammer (24,58m), schmückte damit ihre beachtliche Titelsammlung weiter aus. Den Erfolg im Kugelstoßen (9,08m) aus dem Vorjahr in Zittau konnte sie allerdings nicht wiederholen, wurde mit für sie recht bescheidenen 7,88m lediglich Vierte. Aber solche „Einbrüche“ kann es je nach Tagesverfassung immer wieder mal geben. Zumal auf der „Bergauf-Anlage“ in Erfurt, wo das Niveau des Sektors höher ist als der auf dem Boden liegende ambulante Ring.
Alle Resultate in der wild gemixten Gesamt-Ergebnisliste. Ob geschüttelt oder gerührt, das mag jede/r für sich selber entscheiden. 

Auf der "Resterampe" noch Speer- und Gewichtwurf für Seniorinnen

(Madrid/Krefeld, 25. März 2018) Auf der „Restrampe“ von Stoß/Wurf stand am gestrigen Schlusstag der Europameisterschaften in Madrid noch der Speer- und Gewichtwurf der Seniorinnen. Obwohl längst nicht in allen Altersklassen vertreten, nahmen die „ewigen“ deutschen Talente von Gestern und Vorgestern noch einmal einen kräftigen Schluck aus der Medaillenpulle. Drei Goldene, fünf Silberne und drei Bronzene waren es in Summe.
Dabei hatte Eva Nohl aus Langenzenn bei Fürth „den Papst in der Sporttasche“. Mit einem kapitalen Ausreißer nach oben von 73cm schlug sie mit 13,05m im Gewichtwurf der W65 die in Oberbayern lebende Belgierin Margarete Tomanek (13,01/12,62m) um winzige vier Zentimeter. Noch deutlicher wird das Glück der Siegerin bei der Addition der jeweils fünf gültigen Versuche, die beide in ihrer Serie hatten: Nohl: 60,51m, Querschnitt 12,10m; Tomanek: 62,07m; QS 12,41m. Klar, alles Schall und Rauch. Es zählt nun einmal die absolut größte Tagesbestweite. Aber bei der Glückssträhne hätte die „paradiesische“ Eva prophylaktisch einen Lottoschein ausfüllen oder sich am in Spanien sehr beliebten Bingo beteiligen sollen. Vielleicht hat sie das ja.
Die weiteren deutschen Medaillengewinnerinnen: Speer, W35 (5 Teilnehmer): 2. Anne Reuschenbach 35,91m; W40 (8) 3. Petra Köhler 30,02m; W45 (8): 1. Andrea Zahn 33,41m; W55 (10): 3. Angela Müller 33,31m; W65 (8, davon vier Deutsche): 2. Kristina Hanke 27,47m; W75 (6): 1. Christa Helmke 21,70m; W80 (3): 3. Elisabeth Leopold 10,57m. – Gewichtwurf, W45 (12): 2. Bettina Schardt 13,01m; W50 (16): 2. Margret Klein-Raber 14,73m; W80 (4): 2. Elisabeth Leopold 7,84m.
Alle finalen Resultate unter diesem Link.

"Highlander" Andreas Deuschle kehrte im Kugelstoßen der M50 zurück

(Erfurt/Krefeld 06. März 2018)  Wenn’s nicht zu einem Börsenbericht verkommen soll, bei dem gemeinhin Zahl an Zahl gereiht wird, bleibt letztlich nur die Rosinenpicker-Methode. Unausbleiblich, dass da einiges auf der Strecke bleibt. Zumal bei aller Objektivität des neutralen Betrachters die unterschwellige subjektive Wahrnehmung nicht komplett ausgeblendet werden kann. Jedoch bei dem Wust an Resultaten der 17. Deutschen Senioren-Hallen- und 15. Winterwurf-Meisterschaften am vergangenen Wochenende in Erfurt selbst herunter gebrochen auf Stoß und Wurf nicht anders machbar. Über die Organisation und das ganze Drumherum ist an diesem Dauer-Schauplatz der letzten fünf Jahre in der Vergangenheit schon alles ausgeführt worden. Da wo gehobelt wird, fallen zwangsläufig Späne. Ecken und Kanten blieben übrig, ohne auf die nach Art des Kleinlichkeitskrämers näher einzugehen. Ganz neu war es freilich Eintritt zu erheben. Aber das hatten wir schon, stieß jedoch, wohin das Ohr auch hörte, auf allgemeines Unverständnis und Kopfschütteln bis hin zum Kopfschmerz.

Für die Titelkämpfe 2019 gibt es erfreulicherweise drei Bewerber

Den Fauxpas wird der Nachfolger hoffentlich nicht begehen. Wobei die Karawane 2019 bei den Bewerbern Halle an der Saale (Sachsen Anhalt) und Chemnitz in Sachsen wieder ostwärts ziehen dürfte. Nach noch unbestätigten Meldungen soll auch Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) den Hut in den Ring geworfen haben. Aus meiner ganz persönlichen Sicht des Sportjournalisten mit der unstreitig umfangreichsten Berichterstattung über diese Titelkämpfe haben die TLV-Geschäftsstelle sowie die beiden so genannten Führungskräfte Lahmann und Hafermann von Öffentlichkeitsarbeit so viel Ahnung wie die Kuh vom Sonntag. Nach früheren Schulnoten bemessen ein glatte 6 (in Worten: sechs).

Zweimal den Papst in der Sporttasche

Müßig zu erwähnen, dass bei Temperaturen bis vier Grad unter null mit Diskus, Speer und Hammer keine Wunderdinge zu erwarten waren. Nun aber Fleisch an die Knochen. Christoph Bischlager von der LG Stadtwerke München hatte zweimal den Papst in der Sporttasche. Der Bajuware aus der selbst ernannten Weltstadt mit Herz gewann das klassische Double von Kugel (14,80m) und Diskus (45,59m) mit jeweils denkbar knappem Vorsprung von sechs respektive 19 Zentimetern. Das Kunststück gelang zwei Altersetagen höher in der M45 derweil souverän Ralf Mordhorst vom LC Lübeck mit Kugel (14,26m) und Diskus (46,50m).  Hammerwerfer Marcel Kunkel vom USC Mainz war in seiner Disziplin mit 55,73m eine Liga für sich.

Kugelstoß-Anlage hat so ihre visuellen Tücken

Ein Wiedersehen gab es mit  Andreas Deuschle (*1968). Der bis in die M40 hinein aktive einstige 19,17m-Kugelstoßer hatte sich in den letzten Jahren mit großem Erfolg bei den Highlandern getummelt. Den urigen Typen mit dem vollen wuscheligen Haupthaar bis zur Schulter kann man sich prima im Schottenrock vorstellen. Die M50 mit dem sechs Kilo „leichten“ Gerät hat ihn zu einem Comeback gereizt. Die nötige Norm und viel mehr als das stieß er bei einem Hallen-Wettkampf in Biberach mit 15,60m. Diesmal brauchte er bis zum finalen sechsten Versuch, um mit 15,07m daran in etwa anzuknüpfen. Aller Wiederanfang ist eben schwer. Der Jung-Fünfziger hat auch für die EM in Madrid in gemeldet.
Wenngleich die Kugelstoß-Anlage visuell so ihre Tücken hat (ich weiß worüber ich schreibe), ist der für Außenstehende veritable Absturz von Drehstoßer Oliver Schembach vom LV Essen nicht nachvollziehbar. Mit einer M50-Bestleistung von 15,02m als klarer Medaillenkandidat gehandelt, erreichte der 52-Jährige mit für ihn unterirdischen 11,97m als  Neunter des zehnköpfigen Feldes nicht einmal das Finale. Helmut Maryiniak vom 1.FC Passau stürzte im dritten Versuch wahrhaftig und zog sich dabei eine Verletzung am Oberschenkelbeuger zu. Dennoch trat er gut zwei Stunden später im Diskuswurf an. Da ließ er offenbar zunächst große Vorsicht walten und erzielte nach viel Asche im letzten Durchgang für ihn halbwegs akzeptable 49,33m. Der Winterwurf-Spezialist hatte an Neujahr bereits 54,25m erreicht. Hinter ihm wurde Wieder-Einsteiger Norbert Weinreich (MT Melsungen) nach einer sehr ausgewogenen Sechser-Serie mit 43,69m Zweiter. Wie von uns berichtet gab es ein völlig unnötiges Gezerre um dessen Startberechtigung.

Enrico Pyritz trumpfte in der M55 mit 15,03m auf

Stark trumpfte Enrico Pyritz vom SC Neubrandenburg in der M55 mit der Kugel (15,03m) auf. Robert Ingenbleek von der LG Eder, ein früherer Schützling von Trainer-Legende Norbert Pixken (Stichwort: Jürgen Hingsen), wurde mit griffigen 14,14m Zweiter, hielt sich dafür mit dem Diskus (46,74m) schadlos. Mit viermal x wie war wohl nix und nach 13,48m einem kapitalen Ausreißer nach oben von 14,50m gewann Roland Wattenbach vom TV Eiche Bad Honnef das Kugelstoßen der M60. Hinter ihm fochten Rainer Horstmann (13,35m) vom TSV Kirchlinde und Uwe Heimreich (13,30m) vom TSV Zella-Mehlis in einem spannenden Zweikampf die Silbermedaille aus.

Top sechs im Diskuswurf der M65 mit großer Leistungsdichte

Eine ungeheure Leistungsdichte auf den ersten sechst Plätzen war im Diskuswurf der M65 zu notieren: 1. Johann Stein (TV Werther) 43,26 m, 2. Rolf Griesberg (Pulheimer SC) 42,19m, 3. Klaus Kynast (ASC 09 Dortmund) 41,78m, 4. Siegfried Greiner (TG Nürtingen) 41,65m, 5. Richard Bauder (SU Neckarsulm) 41,53m, 6. Karl-Heinz Deiss (LG Weserbergland) 41,15m.
Nun wollen wir die Speerwerfer, meist eingleisig fahrende Spezialisten, nicht vollends unterbuttern.
Die vielleicht nach der Relativwertung nicht beste Leistung, dafür jedoch metrisch größte Weite von 58,40m erzielte Christoph Maier von der LT DSHS Köln. Der Primus darf in der Einstiegklasse M35 allerdings irgendwie erwartet werden. Diese Ehre mit dem Hammer gebührt Holger Fettke (M50) von Union 1861 Schönbeck, der 57,05m weit warf.
Da es bis zu dieser Stelle schon jede Menge Lesestoff ist, der große Rest in der einmal mehr krausen Gesamtergebnisliste, das ist mittlerweile trauriger Standard, und die Seniorinnen in einem noch folgenden eigenen Beitrag.