Durchmarsch von Ingrid Holzknecht bei der EM im Kugelstoßen verhindert

(Ancona/Krefeld, 05. April 2016) Ganz schön stark, das vermeintlich schwache Geschlecht in den fünf technischen Disziplinen bei Stoß und Wurf anlässlich der 11.Hallen- und Winterwurf-Europameisterschaften in Ancona (Italien). Ohne es genau an den gegenüber den Senioren gemeinhin geringeren Teilnehmerzahlen überprüft zu haben, waren die deutschen Mädels ab W35 nicht nur in der etwaigen Relation, sondern auch absolut gesehen erfolgreicher. Das zog sich praktisch durch (fast) alle Altersklassen bis W80 aufwärts. Ausnahme die W55, die ohne Titel blieb und nur eine Bronzemedaille im Speerwurf beisteuern konnte. Obwohl gerade bei uns nicht der/die Zweite der/die erste Verlierer/in ist, müssen wir allein wegen des Füllhorns von Edelmetall notgedrungen selektieren. Die Online-Ergebnisliste, auch hier die Besonderheit mit dem aus der normalen, üblichen Einreihung ausgekoppelten Hammerwurf, gibt alles her. Das unsägliche Hick-Hack beim Kugelstoßen haben wir als einzige hinlänglich abgehandelt. Dazu auch an dieser Stelle noch einmal die Verlinkung des Zeitdokuments in bewegten Bildern, das obendrein aus deutscher Sicht die Konkurrenz der W35 zeigt.

Die Kernige(n) aus Elmshorn

Wenngleich die Teilnehmerfelder in der Alterspyramide nach oben hin zunehmend dünner werden, wozu die Starterinnen schließlich nix können, war Ingrid Holzknecht (*1940) von der LG Elmshorn eben nicht nur in der W75 die herausragende Werferin. Den kompletten Durchmarsch in allen fünf Konkurrenzen verhinderte als Spaß- und Spielverderberin die Französin Genevieve Cathalau, die Holzknecht im Kugelstoßen mit 10,45 zu 9,89m auf den Silberrang verwies. Ansonsten war die Dame aus Schleswig-Holstein ausnahmslos und zumeist deutlich vorn: Diskus 26,58m, Speer 25,13m, Hammer 32,55m, Wurfgewicht 12,70m. Ob ihre Dominanz in irgendeinem Zusammenhang zu den
kernigen Köllnflocken steht, die in ihrer Heimatstadt produziert werden, vermögen wir aus der Ferne nicht zu beurteilen.

Sinnloses „Geballere“ im Bierzelt

Doch gehen wir im weiteren Verlauf hübsch chronologisch vor. Nadine Kant (*1977) gewann nach völlig sinnlosem
„Geballere“ zuvor im letztlich auch zu niedrigen höheren Bierzelt das in die Haupthalle „Banca Marche Palais“ verlegte Kugelstoßen der W35. Mit 14,72m denkbar knapp vor der zweitplatzierten Weißrussin Vera Yepimashka (14,65m), doch aufgrund der wesentlich besseren Serie (noch 14,71 und 14,64m) hochverdient. Freilich geht es nicht immer dermaßen gerecht zu. Manch eine/r konnte sich den höheren Durchschnitt schon sauer kochen.
Die W40 war ziemlich fest in deutschen Händen: Kugel: 1. Dunja Koch 13,21m; Diskus: 1. Bettina Daniela Schardt 42,55m, 2. Koch 41,59m; Speer: 1. Birgit Keller 38,17m. Dazu komplettierte die von Lutz Capsers trainierte Schardt ihren Medaillensatz als Zweite im Hammerwurf (43,18m) und Dritte mit dem Wurfgewicht (13,13m).
Silke Stolt (*1967) aus Bruchköbel, Dauergast bei internationalen Meisterschaften, schrieb ihre Erfolgsbilanz als Erstplatzierte im Diskuswurf (37,84) der W45 fort. Dagmar Suhling landete mit 41,70m einen überlegenen Sieg im Speerwurf. Der stramme Vorsprung in Zahlen: 8,19m. Da darf getrost von Welten Unterschied geschrieben werden. Nicht so opulent ging es bei Silke Finkbeiner mit ihren 41,18m und 74 Zentimeter Distanz im Hammerwurf zu. Doch dafür gehört die Fünfzigerin in Lauerstellung auch schon dem Jahrgang 1966 an.
Die Gold-Kastanie in der W50 holte die Bremerin Jana Müller Schmidt (*1964) mit 13,88m aus dem Feuer. Die zwei Jahre jüngere Ellen Weller (*1966) aus Mannheim durfte als Zweite (13,10m) mit ihr aufs berühmte dreigeteilte Treppchen. Eine breite deutsche Phalanx von Rang 2 bis 5 gab es im neunköpfigen Feld der Speerwerferinnen.
Wie schon erwähnt relativ „tote Hose“ bei der W55. Dafür geht im Zweifelsfalle im Kugelstoßen immer was. Brigitte Bonadt (*1951) als Frischling in der W65 rettete in einem auf den Medaillenrängen hart umkämpften Wettbewerb mit ihren 11,07m (dahinter 10,95 und 10,81m), prosaisch formuliert, die quergestreifte schwarz-rot-goldene Ehre.

Ein deutsch-belgisches Duell

Diese Farben sollten
 noch in einem deutsch-belgischen Duell mit bayerisch gemischter Attitüde eine besondere Rolle spielen. Eva Nohl (*1948) vom TSV Langenzenn in Mittelfranken schlug zunächst die in Grafing bei München lebende Belgierin Margarethe Tomanek im Hammerwurf der W65 mit 39,77 zu 38,10m. Dafür revanchierte sich die Wahl-Bayerin aus herzlichem Anlass, verbandelt mit Wurf-Allrounder Klaus Volkheimer, im Gewichtwurf mit 14,85 zu 14,70m.
Teodora Dorina Albrecht (*1946), einstmals international für Rumänien startend, tat es eine Altersetage tiefer ihrem Hermann gleich. Die Jung-Siebzigerin war mit Hammer (29,55m) und Wurfgewicht (8,60m) nicht zu schlagen und entschied den familieninternen friedlichen Wettstreit mit Bronze im Kugelstoßen (8,60) zu ihren Gunsten. Einer Medaille konnte Karin Mathes (*1942) im Speerwurf bei nur drei Teilnehmerinnen schwerlich entgehen. Mit 18,49m vergoldete sie ihre nicht sonderlich lange Kurzkür. Schließlich steuerte Lieselotte Leiß *1932) im erlauchten, handverlesenen Kreis der W80 einen Titel im Speerwurf (15,19m) sowie jeweils Bronze mit dem Diskus (13,38m) und im Gewichtwurf (8,10m) bei.