Wurf-Fünfkampf: Ingrid Holzknecht und Norbert Demmel ragten heraus

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(Krefeld/Zella-Mehlis, 31. August 2015) Es handelte sich um eine kunterbunt gemischte „Raubtiergruppe“, die sich bei den 12. Deutschen Senioren-Wurfmehrkampfmeisterschaften am vergangenen Wochenende in Zella-Mehlis (Thüringen) einfand. Die Palette erstreckte sich über Allrounder, starke Spezialisten mit leidlichen weiteren „Talenten“ und Möchte-gern-Fünfkämpfern. Die Bandbreite dehnte sich über eine Spanne von 2.724 Punkten vom Erst- zum Letztplatzierten bei den Senioren (M75)  und 3.248 Zählern bei den Seniorinnen (W75) aus. Letzteres war zu vorderst dem überragenden neuen deutschen Rekord (5.349 Punkte) von Ingrid Holzknecht (LG Elmshorn) geschuldet. Trotz allzu vieler Ausreißer nach unten bot sich gleichwohl ein recht hohes Niveau in der Spitze und der Breite in der Spitze. Dafür stehen elf Resultate jenseits von 4.000 Punkten bei den Männern, allein fünf bei der M70, und drei bei den Frauen. Und in der Breite ein ganzes Füllhorn von Ergebnissen von mehr als 3.000 Zählern. Exemplarisch seien die M45 mit sieben Teilnehmern (von neun) zwischen 3.576 und 3.028 sowie in der M55 mit acht Startern (von 14) zwischen 3.581 und 3.024 Punkten genannt. Bei den fortgeschrittenen Mädels schoss in dieser Hinsicht die W50 mit acht (von 14) über 3.000 Punkten den Vogel ab. Die insgesamt knappste Entscheidung war in der W40 zu verzeichnen. Ein vergleichsweise geringes Plus von 53 Punkten ebnete den Weg zum Erfolg. Dass Holzknecht für den größten Puffer (1.386 P.) zur Zweitplatzierten sorgte, versteht sich fast am Rande.

Favoritensterben“ um Hansen, Ortloff und Carola Petersen

Beinahe so sicher wie das Amen in der Kirche ist der Umstand, dass es keine Meisterschaft ohne ein „Favoritensterben“ gibt. Ein Trio war es, das es freilich sehr kompromisslos mit dem ominösen „o.g.V.“ (= ohne gültigen Versuch) anstellte. Den dicksten Klops leistete sich Viktor Hansen (M55) vom TV Dingolfing, der ausgerechnet in seiner „Schokoladendisziplin“ Hammerwurf drei Ungültige fabrizierte, damit rund 850 Punkte und den Titel „abschenkte“. Dasselbe Kunststück schaffte in der M65 Georg Ortloff vom LAC Quelle Fürth, der indes als Rustikaltechniker alles andere als ein sicherer Kandidat mit dem Hammer ist. Trotz dieses Totalausfalls belegte er in dieser mit 19 Teilnehmern quantitativ am stärksten besetzten Konkurrenz noch den dritten Platz (3.432). Spricht für ihn, nicht aber für den großen Rest. Das Terzett vervollständigt Carola „Coco“ Petersen (W55) von der LG Lüneburg, die im Speerwurf drei „Fahrkarten“ löste. Wer den Schaden hat, braucht bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen. Den haben sie sich indes redlich verdient. 
Spannend und sehr ausgeglichen ging es im ersten Viertel der M70 zu. Das von Bernd Hasieber vom TSV Unterhaching mit 4.245 Punkten angeführte Quintett lag lediglich um 122 Zähler auseinander. Der fünftplatzierte Lutz Caspers vom TV Alzey ist zwar für seinen lausigen Speerwurf (20,38m) bekannt. Aber ungewöhnlich, dass er eingedenk seiner überragenden Möglichkeiten auch mit Hammer und Wurfgewicht schwächelte.
Kommen wir neben Holzknecht zu den komplettesten Fünfkämpfern, die wohlwollend ausgelegt an den Fingern einer Hand abzuzählen sind. Vorne weg natürlich Norbert Demmel (M50) vom TSV Unterhaching. Der 52-Jährige hatte bei der Anhäufung seiner neuen nationalen Bestmarke (4.436) ein recht geringes Leistungsgefälle. Den bei ihm etwas unterbelichteten Hammerwurf (46,37m) einmal ausgeklammert, bewegte er sich bei seinen 15,30m im Kugelstoßen, 53,96m mit dem Diskus, 53,34m im Speerwurf, allesamt Weiten, die Spezialisten zur Ehre gereichen, und 17,14m im Gewichtwurf in einem Rahmen von 821 bis 971 Punkten.

Zachrau mit vier sehr ausgeglichenen Leistungen
 


Wenngleich von den Einzelleistungen auf einem etwas niedrigeren Grundniveau, ist das bei Gerhard Zachrau (M65) vom RKS Phoenix Mutterstadt noch verblüffender. Der Sieger von Ortloff-Gnaden hat wie sehr viele Wurf-Mehrkämpfer im Speerwurf (33,34m) seine Achillesferse und den  Punktekiller (619) schlechthin. Doch in den vier anderen Disziplinen mit dem Glanzlicht Diskuswurf (45,47m) bewegt er sich zwischen 849 und 931 Zählern fast auf einem Bierdeckel. Normalerweise wäre noch mit derselben Einschränkung Speerwurf „Mr.Fünfkampf“ Klaus Kynast (M65) vom ASC Dortmund zu nennen. Doch der Westfale ist als Rekonvaleszent froh, dass er seine Serie rettete bei allen nunmehr zwölf stattgefundenen Titelkämpfen seit 2003 stets eine Medaille gewonnen zu haben. Diesmal waren 3.790 Punkte Silber wert.
Zu all der Statistik noch die obendrauf: Von 155 gemeldeten Senioren traten 135 an, von 74 Startwilligen Seniorinnen gingen 68 ans fünfteilige Werk. Das entspricht – positiv formuliert – einer Teilnahmequote von 87,1 respektive 91,89 Prozent, liegt in etwa im bisherigen hohen Trend.
Alle Ergebnisse in der immer noch krausen Liste unter diesem Link.