Hole in one: Trotz Handicap stieß Andy Dittmar zweimal 18,14 Meter

(Krefeld/Zittau, 14. Juli 2015) Ehre, wem Ehre gebührt. Fangen wir also mit dem Mann an, der nicht nur aus Werfersicht zu den herausragenden Protagonisten der Deutschen Senioren-Meisterschaften am vergangenen langen Wochenende im auf Hochglanz herauspolierten Weinauparkstadion (siehe auch Flurfunk) in Zittau gehörte. Nebenbei bemerkt die östlichste Sportarena unserer Republik. Polen ist dermaßen nah, dass auf deutschem Grund und Boden stehend sich Mobiltelefone ins Netz des Nachbarn einwählten, mithin ein Zugang zum Internet nicht möglich war. Denkbar schlechte Karten für all jene, die ihre 148 Mails checken oder gar von ihrem fahrbaren Büro Berichte für wen auch immer absetzen wollten. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen, da mein Hotel im Kurort Oybin an der Grenze zu Tschechien einen astreinen, ungetrübten W-Lan-Empfang bot. Der Flughafen in Dresden auch, an und von dem ich aus meine sonntägliche Kolumne online gestellt habe. 
Komme ich also nach diesem kleinen Schlenker zum gemeinten Kugelstoßer Andy Dittmar (*1974) von BiG Gotha zurück. Ohne dass wir hier als Fach-Portal von und für Senioren-Werfer/innen immer und immer wieder vorrangig dem ganz normalen Rekord-Wahnsinn das Wort huldigen wollten, dürfen wir den 41-Jährigen jedoch an seinen eigenen Ansprüchen messen. Denn Big-Andy wollte seine außerordentlich gute Form (SBL 18,74m), die optisch sehr ansprechende Anlage, den guten Ringuntergrund und das überschaubare Teilnehmerfeld mit dadurch gewährleisteten kurzen Pausen zwischen den Versuchen zu einem Halali auf die Asbach-uralte deutsche M-40-Bestmarke (19,09 m) von Fred Schladen (*1939) von der LG Bonn/Troisdorf nutzen.
Aber erstens kommt es anders, als man(n) zweitens denkt. Und das schon ein paar Tage vor den Titelkämpfen, die für ihn ganz speziell Sonntag zu früher Morgenstunde (9 Uhr) begannen. Daheim warf ihm ein Kind einen Stein in die Frontscheibe seines Autos. Bei dem Versuch den Rotzlöffel zu stellen und seine Eltern für den Schaden ihres nur mit notdürftiger Erziehung ausgestatteten Zögling haftbar zu machen, knickte er sich in der gebotenen Eile beim Aussteigen den rechten Fuß um. Der Flegel entkam. Doch nicht minder schlimm – das zweitwichtigste Werkzeug für einen Rechtshänder war lädiert. Erst eine schmerzstillende Spritze und ein straffer Tapeverband machten einen Start überhaupt möglich. Das Rekordvorhaben musste er sich ebenso vorzeitig wie zwangsläufig abschminken. Dass gleichwohl allen anderen Parameter stimmig waren, beweisen in den letzten beiden Versuchen jeweils erzielte 18,14m, die er praktisch auf einem Bierdeckel ablegte. Eine Anleihe beim Golf nehmend nannte er es „Hole in one“.
Original das gleiche Kunststück schaffte vier Altersetagen höher und rund 3,5-Weitenmeter niedriger Roland Wattenbach (*1955) von der LG Siebengebirge mit 14,58m als Sieger in der M60. Doch weiterhin wo anfangen, wo aufhören bei einer ganzen Fülle guter Leistungen mit „Hausrekorden“ oder Saisonbestleistungen, die sich allerdings dem Chronisten nicht immer erschließen. Dazu ist bei dem Wust von Resultaten in vier Disziplinen und den vielen Altersklassen ab M/W35 ohnehin nur eine streiflichtartige Berichterstattung möglich. Dass dabei die üblichen Verdächtigen im Focus stehen, liegt nun mal in der Natur der Sache.

Ralf Jossa und Norbert Demmel eine Klasse für sich

Eine Klasseweite bot einmal mehr Hammerwerfer Ralf Jossa (*1966; links), der als Dominator der M45 bei einer makellosen Serie im letzten Durchgang auch international gesehen hervorragende 61,80m erzielte. Norbert Demmel (*1963; rechts) vom TSV Unterhaching war beim klassischen Double jeweils Chef im unterschiedlich großen Ring, gewann bei der M50 das Kugelstoßen (15,61m) und mit noch höher einzuschätzenden, bestleistungsnahen 54,09m (PBL 54,62m) den Diskuswurf der M50. Seine überragende Vielseitigkeit unterstrich der ehemalige 8.000-Punkte-Zehnkämpfer als Dritter im Hammerwurf (47,14m) und Zweiter mit dem Speer (53,09m). Da riecht es verdächtig nach einer alsbaldigen Verbesserung seines  eigenen deutschen Rekordes im Wurf-Fünfkampf.
Auf nicht sonderlich hohem Niveau, dafür außerordentlich „eng“ ging es im Kugelstoßen der M75 zu. Die drei Erstplatzierten trennten bei 11,59, 11,52 und 11,50m lediglich neun Zentimeter bei der Vergabe von Edelmetall. Die beiden gleichaltrigen Giganten bei den Jung-Achtzigern teilten sich brüderlich die Titel. Peter Speckens vom SVRW Schlafhorst aus Übach-Palenberg gewann mit Diskus (32,46m) und Hammer (44,29m), Lothar Huchthausen von der LG Altmark mit Kugel (12,97m) und Speer (39,55m). - Und hier geht es zur Online-Ergebnisliste.
Damit dieser Beitrag nicht zum Roman ausartet, werden wir aus Platzgründen die Wettbewerbe der Seniorinnen morgen ein wenig beleuchten.