Ein spezieller Zwölfkampf krönender Abschluss des Trainingsaufenthaltes

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(Latsch/Krefeld, 22. April 2015)  Ein ganz spezieller, von unserem Trainer auf Zeit, Alwin J. Wagner, am Reißbrett entworfener Lampis-Zwölfkampf bildete vergangenen Samstag den ultimativen sportlichen Ausklang des sechstägigen Trainingsaufenthaltes im Stadion Latsch in Südtirol. Vorweg gesagt: es war für nahezu alle acht Teilnehmer ziemlich verblüffend, was aus den geschundenen Körpern noch herausgequetscht werden konnte. Immerhin waren dem vierstündigen Spektakel zum Kehraus acht Trainingseinheiten und eine so genannte regenerative Radtour zur Wochenmitte über „schlappe“ 55 Kilometer in derart dichter, völlig ungewohnter Abfolge voraus gegangen. Egal, welche Leistungen und Platzierungen bei dem sehr unterschiedlichen Anforderungsprofil unter dem Strich heraussprangen – es war für jeden ein Sieg über den wie wild zerrenden inneren Schweinhund. Einmal mehr der schlagende Beweis, was die viel zitierte Gruppendynamik und der auch im fortgeschrittenen Leistungssportalter immer noch ungebrochene Ehrgeiz zu bewirken vermögen. Völlig erschöpft, gleichwohl irgendwie glücklich klatschte die noch kurzatmige „Boygroup“ nach getanem Werk ab.
Allerdings ließ uns der Wettkampf-Gestalter und –Überwacher bis nach dem Abendessen zappeln, wer vorne, dazwischen und hinten lag. Durch eine ausgeklügelte Wertung mit Bonus- und Sonderpunkten beim abschließenden Wettbewerb konnte noch so einiges auf den Kopf gestellt werden. Elfmal zuvor waren es neun Punkte für Platz 1, sieben für zwei und weiter in Einerschritten absteigend.

Medizinball-Fünfkampf war der „Scharfrichter“

Gehen wir nach alter Väter guter Sitte hübsch der Reihe nach vor. Die Kugelstoß-Anlage stand zunächst für die vier Disziplinen Standstoß, mit Technik, Vor- und Rückwartsschocken im Mittelpunkt des Geschehens. Logischerweise mit den altersgemäßen Geräten, die schon zuvor jeweils im Trainingseinsatz waren. Es schloss sich Diskuswurf an. Damit nahm Bewährtes aus dem Trainings- und Wettkampfgeschehen sein Ende. Beim folgenden Fünferblock mit dem drei Kilogramm schweren Medizinball war neben Geschicklichkeit, Koordinationsvermögen und Beweglichkeit auch eine möglichst genaue Einschätzung des eigenen Leistungsvermögens gefragt. Denn jeder bestimmte den Abwurfpunkt und damit die theoretisch erreichbare Punktzahl mit je nach Entfernung steigendem oder fallendem Risiko selber. Das Lieblingsspielzeug unseres "Quälix II" war bei nur einem Versuch mittels Einwurf, Ausstoß, nach vorn, über Kopf und im freien Stil, also der eigenen Wahl, aus den vier vorgenannten Disziplinen, durch ein etwa 130 Zentimeter hohes Rechteck von 1,50 x 2,00 Meter zu befördern.
Es hagelte Fehlversuche und mithin „abgeschenkte“ Punkte, die bei der Endabrechnung fehlten. Als besonders treffsicher erwies sich unser „Doc“ Herbert Mussinghoff, der keine „Fahrkarte“ produzierte. Peter Holthuijsen gönnte sich eine, Dieter Krumm, Hans Josef Weitz, Georg Ortloff allesamt zwei, Rolf Griesberg, Uwe Heimrich und meine Wenigkeit jeweils drei. Das Klassement wurde damit gehörig durcheinander gewirbelt.

„Alterspräsident“ beim Bankdrücken vorneweg

Gemeinhin sollte sich der Berichterstatter in eigener Sache in vornehmer Zurückhaltung üben. Aber da ich nun mal mittendrin und nicht nur dabei war, lässt sich das im konkreten Falle nicht durchhalten. Es entspricht schlicht den Fakten, dass ich mit meinem vergleichsweise bescheidenen 101 Kilo Körpergewicht und 70 Lenzen auf der Lebensuhr den bis zu 17 Jahre jüngeren und 32 Kilo schwereren Kolossen beim Maximaltest im Bankdrücken in zwei Durchgängen das Nachsehen gab. Das Ausgangsgewicht musste nach dem Aufwärmen Alwin ohne Kenntnisnahme durch die Konkurrenz angesagt werden. Bei einem gültigen Versuch konnte jeder beliebig steigern. Kürzen wir es ab: Eingedenk der schon im Detail geschilderten Plackerei überraschte ich mich selber mit 127,5 Kilo, nur 2,5 kg unter meiner Jahresbestleistung, gewann vor Peter mit 120 kg (persönliche M-50-Bestleistung eingestellt) und Rolf, der 110 kg zur Hochstrecke brachte. Wie überall vorher achtete Alwin auf die korrekte Ausführung und kannte als Polizei-Hauptkommissar i.R. gegebenenfalls kein Pardon.

Eine Stadionrunde als abschließende Tort(o)ur
 
Beim abschließenden „Marathon der Mehrkämpfer“ ging es auf etwa 650 Metern über dem Meeresspiegel (das Stadion liegt höher als das Ortszentrum mit exakt 639 Metern) über eine Stadionrunde von 400 Meter. Hört sich harmlos an, ist aber für Werfer mit schon elf Disziplinen in den müden Beinen eine arge Tort(o)ur de France. Vergleichbar mit Alpe d’Huez für die Radrennfahrer bei der rollenden Apotheke durch Frankreich. Wobei wir garantiert kein Epo oder sonstige Sch(m)erzmittel im Blut hatten. Der finalen Schlaucherei konnte insofern einigermaßen entgangen werden, als „lediglich“ die Zeit zu laufen war, die vorher zu nennen war. Für die absolute Bestzeit, für die eh nur ein Trio in Frage kam, gab es drei Bonuspunkte, dazu jeweils die doppelte Punktzahl nach der Platzierung. Beides vereinigte Peter als einstiger Zehnkämpfer der niederländischen Spitzenklasse und Teilnehmer am Mehrkampf-Europacup auf sich. Der 53-jährige Wahl-Niederrheiner mit Wohnsitz Erkelenz erwies sich mit seinen 120 Kilo Lebendgewicht, verteilt auf 197 Zentimeter Körpergröße, in 83 Sekunden als erstaunlich laufstark, lag nur drei Sekunden über der angegebenen Zeit. 21 Zähler waren die opulente Ernte.

Muskeln gespürt, wo sie vorher nicht vermutet wurden

Und so war es nach seinen vorausgegangenen Resultaten schlussendlich nicht mehr die ganz große Überraschung, dass der Gründervater von Lampis bei der abendlichen Siegerehrung als „Nesthäkchen“ aus dem Kreise der 53- bis 70-Jährigen im Hotel Tanja Sonnenhof von Alwin als Letzter aufgerufen, aber als Erstplatzierter gekürt wurde. Schon eher, dass der „Alterspräsident“, Chef-Organisator und aktuelle Betreiber dieses Internetportals, nämlich ich, den zweiten Platz belegte. Alle „Finisher“, wie es im DLV-Denglish heißt, erhielten kleine Sachpreise, finanziert aus der nicht vorhandenen Lampis-Schatztruhe, und anerkennende Worte unseres Coaches. Der ließ es sich nicht nehmen, zuvor beim „Bingo-Spiel“ für allgemeine Erheiterung zu sorgen. Ausgelobt wurden von ihm unter anderem eine noch am gleichen Abend stattfindende Schlossbesichtigung und ein Candle Light Diner, jeweils für zwei Personen. Es sollte sich als die in Augenscheinnahme eines Fahrradringschlosses und die Überreichung eines Teelichtes mit Südtiroler Schüttelbrot entpuppen.
Fazit: Es könnte jetzt ein achtkehliger Chor angestimmt werden, dass der Trainingsaufenthalt im Urlaubsambiente allen riesigen Spaß gemacht hat und bereits ansatzweise Pläne geschmiedet wurden, das irgendwann und irgendwo erneut aufzulegen. Und selbst der Trainer mit sehr kurzer Verfallsdauer stimmte in das fröhliche Lied ein:
„Es war eine schöne Zeit, nicht nur wegen des Wetters. Die ,Jungs’ machten alle toll mit und spürten plötzlich Muskeln, wo sie diese vorher nie vermutet hätten.“
Endergebnis: 1. Peter Holthuijsen (M50) 95 Punkte, 2. Axel Hermanns (M70) 79, 3. Georg Ortloff (M65) 65 Punkte, 4. Rolf Griesberg (M60) 56 Punkte, 5. Herbert Mussinghoff (M65) 54 Punkte, 6. Uwe Heimrich (M55) 43 Punkte, 7. Dieter Krumm (M60) 33 Punkte, 8. Hans Josef Weitz (M65) 31 Punkte.
Besten Einzelresultate: Kugel aus dem Stand: Axel 13,04m, Peter 12,74m, Rolf 12,57m; Kugel mit Technik: Axel 13,51m, Peter 13,46m, Georg 13,12m; Vorwärtsschocken: Axel 15,13m, Georg 13,28m, 3. Peter 13,12m; Rückwärtsschocken: Axel 16,65m, Georg 15,12m, Rolf 14,33; Diskus: Georg 44,90m, Herbert 41,34m, Peter 39,76m; Medizinball: Peter 36 Punkte, Herbert 23, Georg 21; Bankdrücken: Axel 127,5 kg, Peter 120 kg, Rolf 110 kg; 400-m-Lauf (geringste Abweichung zur vorher angegebenen Zeit): Peter 3 sec,  Axel 3 sec, Rolf 6 sec; 400 m (absolute Zeit): Peter 83 sec, Georg 96 sec., Herbert 118 sec.