"Ritte-Air" sorgte für ein absolutes Novum in der EM-Geschichte

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(Torun/Altena/Niederselters/Krefeld, 30. März 2015) Noch ein kleiner Nachdreher, dann machen  wir auch in diesem Fenster einen fetten Haken hinter die 10.Hallen-Europameisterschaften mit Winterwurf, die am Samstag in der polnischen 206.000-Einwohnerstadt an der Weichsel zu Ende gegangen sind. Nicht ausschließlich mit Staffelkonkurrenzen unter dem Hallendach und längeren, unbedachten Laufstrecken. Es waren auch noch einige Entscheidungen bei Stoß und Wurf abzuarbeiten. Dabei konnten sich deutsche Athleten/innen abermals mit Titeln und Medaillen prächtig in Szene setzen, ohne dass alles bei uns seinen Niederschlag fände. Obwohl speziell bei uns ist nicht der Zweite bereits der erste Verlierer ist. Nach bewährtem Rezept müssen wir die nimmersatten Freunde der Statistik auf die Online-Ergebnisliste verweisen.
Fangen wir jedoch mit einem absoluten Novum in der bis 1978 zurückreichenden Historie von Senioren-Europameisterschaften (Stadion eingerechnet, Halle seit 1997) an. Noch nie gewannen Vater, Mutter und Sohn in derselben Disziplin und beim identischen Anlass Titel und/oder Medaillen. Das Kunststück gelang der für den SC Bayer 05 Uerdingen startenden „Ritte-Air“ aus Moers im Stabhochsprung. Wolfgang Ritte (*1953) entschied überlegen die M60 mit 4,00m für sich, Ehefrau Ute (*1952) konnte in der W60 mit 2,50m dem Silberrang hinter ihrer britischen Dauerrivalin Susan Yeomas (2,70m) nicht entgehen und deren beider Filius Thomas (*1979) entschwebte in der M35 mit 4,60m seinen zwei Gegnern (jeweils 3,50m) im doppelten Wortsinne. Das oder in ähnlicher Form kann diese Erfolgstroika nur selbst wiederholen. Vielleicht schon bei der diesjährigen Stadion-WM vom 4. bis 16.August in Lyon (Frankreich).

Neuerlicher Statistikunfug bei Rachel Hanssens


Silke Stolt hatte im Diskuswurf der W45 nicht ihren allerbesten Tag erwischt. Zumindest festgemacht an ihrer Tagesbestweite von 35,93m. Sie sollte indes reichen, das insgesamt elfköpfige Teilnehmerfeld vor ihrer Landsfrau Ellen Weller (34,98m) anzuführen. Ingrid Holzknecht trug sich bei der W70 mit 24,17m in die Siegerliste ein. Der Belgierin Rachel Hanssens (*1929) wurde nach dem Hammerwurf auch mit dem Diskus (16,75m) ein Weltrekord in der W85 angedichtet, der bereits seit dem Vorjahr in ihrem Besitz (19,49m) ist. Hoch lebe die Statistik oder traue keiner, die du nicht selber gefälscht hast! Auf diesem Sektor, da wiederholen wir uns gerne und unermüdlich, besteht noch gehöriger Nachholbedarf.
Werfer-Urgestein Peter Speckens (*28.05.1935, im Bild) aus Übach-Palenberg bei Aachen blieb es vorbehalten, die deutsche (Titel-)Ehre im Gewichtwurf zu retten. Der 80-jährige in Lauerstellung entschied die M75 mit 15,73m vor vier ausnahmslos jüngeren Konkurrenten mehr oder weniger deutlich zu seinen Gunsten. Lampis verneigt sich vor seinem VIP-Mitglied in Ehrfurcht und Anerkennung. Übrigens zum zweiten Mal bei dieser EM. Denn der weltweit meistdekorierte Wurf-Allrounder hatte schon erfolgreich den Hammer rausgelassen. Seine eigentliche Paradedisziplin Diskuswurf konnte er wegen einer Muskelverspannung nicht bestreiten. Da hätte er allerdings, um der Wahrheit die Ehre zu geben, auch an einem „Sahnetag“ einen äußerst schweren Stand gegen den drei Jahre jüngeren Roland Heiler (39,68m) von der LG Obere Murg gehabt.

Ernst Höht warf deutschen Rekord


Es gab auch noch ein Wettkampf-Leben neben der EM. Stellvertretend seien hier zu Lande die Werfertage am vergangenen Samstag in Altena und Niederselters im Taunus erwähnt. Wurf-Fünfkämpfer Klaus Kynast (*1949) vom ASC Dortmund sammelte so früh in der Saison im Sauerland beachtliche 4.288 Punkte. Seine dazugehörigen Einzelleistungen: Hammer 46,55m, Kugel 12,30m, Diskus  42,48m, Speer 30,36m, Gewicht 17,59m. Außerhalb des Mehrkampfes warf er den Diskus sogar auf 44,55m und das Wurfgewicht 17,90m weit. Die Ergebnisse innerhalb der drei Versuche, hätte er seine Vorjahrespunktzahl (4.340) als Bestenlisten-Erster der M65 übertroffen. „Hätte, hätte, Fahrradkette“, kommentierte er es im Stile von „Peerlusconi“ Steinbrück, dem gescheiterten Kanzlerkandidaten der SPD. Hätten wir das bei der Gelegenheit auch noch untergebracht.
Einmal mehr trug sich Stammgast Hermann Huppertsberg (*1945) von der DT Ronsdorf in die Teilnehmerliste bei der dreiteiligen Veranstaltung in Niederselters ein. Erwartungsgemäß herausragend innerhalb der Pokalwertung aus Kugel, Diskus und Hammer seine 53,56m mit dem letztgenannten Gerät. Damit erzielte Ernst Höht von der LG Main-Taunus-West einen neuen deutschen Rekord (23,13m), den bislang unser „VIP“ Philipp Frech (*1920) vom Pulheimer SC seit 2010 mit 20,38m hielt.