David Storl gewann seinen ersten internationalen Titel unter'm Hallendach

(Prag/Krefeld, 07. März 2015) Wer in der Goldenen Stadt Prag (Tschechien) bei den Hallen-Europameisterschaften der Männer/Frauen erfolgreich nach Gold geschürft hat, der darf sich genüsslich feiern lassen. Normalerweise. Doch das leibhaftige junge Denkmal bekam erste kleine Risse. Der vom Erfolg verwöhnte Kugelstoß-Wunderknabe David Storl (*1990) vom LAZ Leipzig war gestern im Finale der acht besten europäischen Schwergewichte nicht der allseits erwartete Souverän, nach dem er rund 24 Stunden zuvor in der Qualifikation mit locker scheinenden 21,23m im ersten Versuch noch ausgesehen hatte (wir berichteten). Der Neu-Leipziger fand nicht wie bei ihm gewohnt zum (vorläufigen) saisonalen Höhepunkt in den Wettkampf. Nach 20,56m im ersten und einem ungültig gemachten, noch kürzeren zweiten Versuch hinterließ er einen recht bedröppelten Eindruck, fand sich völlig unprogrammgemäß hinter Lokalmatador Ladislav Prásil (20,66m) lediglich auf dem zweiten Rang wieder. Seine 21,12m in der dritten Runde wirkten via Livestream sichtbar wie ein kleiner Befreiungsschlag. Der ganz große Schocker war es für die Konkurrenz indes nicht, konnte er sich seiner Sache keineswegs schon sicher sein.
So war es tatsächlich der unberechenbare serbische Titelverteidiger und Drehstoßer Asmir Kolasnic, der dem Sachsen mit 20,90m im finalen Durchgang noch recht nahe kam. Bereits als Sieger feststehend, legte der Schützling von Heim- und Bundestrainer Sven Lang 21,23m nach und egalisierte damit seine Weite vom Vortag. Ob er nun wirklich vollends zufrieden war, sei dahin gestellt. Seine Saisonbestleistung (21,26m) von den „Deutschen“ vermochte er jedenfalls nicht zu knacken. Vergessen wir freilich nicht, dass es sein erster internationaler Titel unter dem Hallendach bei seinem zweiten Wettkampf nach der Knieoperation war und er zur Schonung immer noch aus dem Stütz stößt, also ohne Umspringen beim Ausstoß. Das kostet vermutlich rund einen halben Meter.
Allerdings sollten wir uns davor hüten, richtigerweise Fair Play und saubere Athleten zu fordern, jedoch andererseits nach Fabelweiten jenseits 22 Meter zu gieren. Skeptiker sind eh der nicht völlig von der Hand zu weisenden Ansicht, dass zumindest leise Zweifel angezeigt sind, allein mit Müsli, gesegnetem Talent und gaaanz viel Training seien derartige Leistungen machbar. Ohne damit gleich einen Generalverdacht formulieren zu wollen. Denn zunächst gilt die Unschuldsvermutung. Das Wort bedarf keiner Interpretation. Nur noch soviel, bevor es im Ergebniswust womöglich untergeht: Der wenige Tage noch 17-jährige, sechstplatzierte Pole Konrad Bukowiecki erzielte 20,46m, die er auch schon in der Qualifikation gestoßen hatte. Da ist es sicherlich nicht völlig abwegig, mal kurz ins Grübeln zu geraten und sich insgeheim die Frage zu stellen, was bei ihm so alles auf dem Speiseplan steht. Oder reift hier lediglich schon wieder ein Jahrhundertalent heran? Hoffen wir es im Interesse der Sache und der Glaubwürdigkeit von sportlichen Ausnahmeleistungen...    
Für Tobias Dahm vom VfL Sindelfingen war es fraglos schon ein Erfolg, das Finale der 27 angetretenen Kugelstoßer erreicht zu haben. Der Schwabe blieb mit 19,58m als einziger des Achterfeldes unter 20 Meter, die er schon in der „Quali“ mit der Jahresbestleistung von 19,95m denkbar knapp verfehlt hatte. Der 27-Jährige steht sich indes selber ein bisschen im Wege, kommt mit dem Angleitbein nicht unter den Körper und hat eine Stoßauslage, bei der sich weniger gut Trainierte wahrscheinlich eine veritable Adduktorenzerrung zuziehen würden. Der Dritte im deutschen Bunde, Christian Jagusch (*1992) vom SC Neubrandenburg, blieb mit 19,11m als 18. „hängen“.
Nicht mit Ruhm bekleckerten sich auch die beiden deutschen Mädels. Und das ist noch geprahlt.  Die Überraschungssiegerin der Hallen-DM mit 17,79m, die 22 Jahre junge Drehstoßerin Lena Urbaniak (LG Filstal), enttäuschte mit 16,49m restlos und schied folgerichtig in der Qualifikation als Elfte von 14 Teilnehmerinnen aus. Denise Hinrichs vom TV Wattenscheid blieb 1,01 m unter ihrer Saisonbestleistung von Karlsruhe, erreichte mit 16,75m so gerade um drei Zentimeter als Achte das Finale am heutigen Abend. Da konnte sie „befreit aufstoßen“, um den Sprachgebrauch von ZDF-Wortdrechsler Wolf-Dieter Poschmann zu verwenden. Tat sie denn auch in Maßen, wurde mit 17,35m Sechste, 48 Zentimeter von Bronze entfernt.