Lothar Huchthausen erzielte auch mit dem Speer deutschen Rekord

(Erfurt/Krefeld, 02. März 2015) Picken wir uns die Rosinen aus dem Riesenkuchen mit je vier Disziplinen und insgesamt 21 Altersklassen (elf männlich, zehn weiblich) von den 14. Deutschen Hallen- und 12. Winterwurf-Meisterschaften am vergangenen Samstag/Sonntag in und an der Erfurter Steigerwald-Arena heraus. Neben den schon gestern unter Nachrichten vermeldeten zwei deutschen Rekorden im Kugelstoßen durch Andy Dittmar aus Gotha in der M40 (18,35m) und Lothar Huchthausen (im Bild) von der LG Altmark in der Doppel-M40 oder für Rechen-„Legastheniker“ M80 (13,74m), wurde noch eine neue nationale Bestmarke bei dem Wust von Resultaten übersehen. Huchthausen verbesserte auch den Rekord in seiner eigentlichen Spezialdisziplin Speerwurf auf 41,06m. Damit löschte er die sechs Jahre alte Bestweite (39,94m) von Heiner Will (*1929) von der LG Rendsburg mit dem 400 Gramm leichten Gerät aus der Liste. Das ist kaum nachvollziehbar, dass dieser bessere Zahnstocher den Luftwiderstand brechen und so weit fliegen kann. Für Huchthausen sicherlich noch nicht das Ende der Kletterstange, zumal im Winter bei wenigen Plusgraden erzielt, liegt doch in der M75 sein Rekord mit dem 500-Gramm-Speer bei 44,93m. Kurioserweise auf der gleichen Anlage geworfen. Allerdings im Sommer 2012.

Durchgängig starke Leistungen in der M 40


Neben Dittmar gab es bei seinen altersgemäßen Sportkameraden in den Wurfwettbewerben ebenfalls durchgängig gute Leistungen. Alle drei eiferten dem Thüringer auch sonst nach und waren recht bis (er-)drückend überlegen. Diskus: Michael Lischka (SSV Ulm) 51,35m; Speer: Jens Kresalek (PTSV) Konstanz) 56,41 m, der mit allen seiner sechs konstanten Versuche gewonnen hätte; Hammer: Marcel Kunkel (USV Mainz) 52,04m. Gleichermaßen dominant war Drehstoßer Tilman Northoff (TuS Jöllenbeck) mit 16,72m in der M45, wenngleich er einmal mehr eine breite Streuung mit einer Maximaldifferenz von 2,25 Meter anbot. Aber selbst die 14,47m hätten noch gereicht. Wobei halt die Konkurrenten das große Pech haben, dass der Ostwestfale in seiner Altersklasse eine ähnliche Ausnahmeerscheinung ist wie „Kugel-Andy“ eine Etage tiefer.

Beste metrische Leistung durch Torsten Heinrich

Die klassenübergreifende, inoffizielle metrische All-Star-Wertung entschied Speerwerfer Torsten Heinrich (1. LAV Rostock) mit 58,27m im Speerwurf der M50 und einem gigantischen Vorsprung von 13,30 Meter für sich. Das lässt eine Interpretation in beiden Richtungen zu: Er war so stark und die Gegner relativ schwach. Kein sehr hohes Niveau hatte auch der Kugelstoß der M55. Dafür ging es aber ungemein spannend zu. Ein winziger Zentimeter, was bei den weichen, dunkelblauen Gymnastikmatten im Sektor auch einer Messungenauigkeit entsprungen sein kann, entschied über Sekt oder Selters. Mehrkämpfer Martin Vogel (LAZ Saarbrücken) war der Glücklichere, der das Duell gegen Rainer Werkung (LG Maifeld-Pellenz) mit 13,52 zu 13,51m für sich entschied. Da fehlen einem eingedenk der geschilderten Voraussetzungen fast die Worte für eine halbwegs gescheite Würdigung. Vielleicht noch soviel: Der gute Martin hätte einen Lottoschein ausstellen sollen. Nur abgeben hätte er ihn nicht mehr können, da der Wettbewerb gestern, also Sonntag, statt gefunden hat. Dann bei allem Glück doch irgendwie Pech gehabt.
Eingedenk der zwangsläufig nicht prallen äußeren Bedingungen schleuderte der frühere deutsche Jugend- und Juniorenmeister Hubert Berger vom TSV Schwabmünchen, das ist in der Nähe von Landsberg am Lech (klingelt es im Klingelpütz? Richtig, da sitzt der Hoeneß Uli ein, wenn er nicht gerade Freigang hat), die 1-Kilo-Scheibe in der M60 auf glänzende 50,81m. Eine seit Jahren hier zu Lande nicht mehr erreichte Weite schaffte Neu-Sechziger Roland Wattenbach (LG Siebengebirge) mit 14,78m im Kugelstoßen der M60. Der promovierte Physiker hatte bei den "Westdeutschen" Anfang Januar mit für ihn mäßigen 13,35m noch stark enttäuscht. Den schwachen Eindruck zum Einstand hat er ja nun gerade gerückt.   

Hermann Huppertsberg klar vor Lutz Caspers

Jung-Siebziger Hermann Huppertsberg (DT Ronsdorf), mehr so der Kraft- und Abzugwerfer, offenbarte noch gehörige Probleme, sich auf das für ihn neue und zu leichte 4-Kilo-Hämmerchen einzustellen. Die beim Debüt erzielten 51,88m spiegeln sicherlich nicht sein wahres Leistungsvermögen wider. Dahin und weiter hat er im Vorjahr mit dem „Fünfer“ hin geworfen. Gleichwohl reichte es, den ehemaligen Weltklasse-Athleten und Olympiateilnehmer (1972) Lutz Caspers vom TV Alzey klar auf Distanz (47,45m) zu halten. Wobei aus der umgekehrten Sichtweise eher ein Sportschuh wird. Caspers distanzierte sich selber, blieb deutlich unter seinen Möglichkeiten.
Endlich konnte Altmeister Peter Speckens (SV Rot-Weiß Schlafhorst) im Zweikampf der beiden Achtziger in Lauerstellung und Wurf-Allrounder seinen Dauerrivalen Lothar Huchthausen wieder bezwingen. Und das sogar zweimal. Diskus: 34,44 zu 33,95m und Hammer 42,97 zu 37,76m.
Hier geht es zur Online-Ergebnisliste. Über die Stoß- und Wurfkonkurrenzen der Seniorinnen berichten wir morgen in diesem Fenster.