Achte Rang war das beste Resultat des hochgejubelten DLV-Aufgebotes

(Belgrad/Erfurt/Krefeld, 21. März 2022) Genügen wir noch mit dem „Rest vom Fest“ der selbst auferlegten Chronistenpflicht, uns mit der Berichterstattung von der großen schillernden, glamourösen Leichtathletik-Welt der Männer/Frauen bei der Hallen-WM in Belgrad weit aus unserem Redaktionsfenster gelehnt zu haben. Inzwischen müßig zu erwähnen, dass die genannten Attribute nicht auf jenes kleine, vom DLV auserwählte und von ihm hochgejubelte 16-köpfige deutsche Team zutrafen. Daran änderte auch der gestrige Schlusstag der dreitägigen Titelkämpfe in der serbischen Metropole nichts. Meist waren sie alsbald in ihren Wettbewerben staunende Zuschauer oder liefen der Musik hinterher. Manchem nicht über die Form und internationale Klasse verfügend, ist mit einer Nominierung ein Bärendienst erwiesen worden.

Wenigstens Mittelstreckler Robert Farken war zur Selbstkritik fähig

Aber siehe da: Es gibt neben vielen ungekrönten Weltmeistern der mehr oder weniger eleganten Ausreden auch noch jemanden, der frank und frei frisch von der Leber weg Selbstkritik übte. Mittelstreckler Robert Farken konnte an seine feine taktisch kluge Vorstellung im 1.500m-Verlauf nicht anknüpfen, spielte im 12-köpfigen Finalfeld ab der Mitte des Rennens überhaupt keine Rolle mehr und wurde in 3:41,29 Minuten (SBL 3:35,44) Elfter. Die Rote Laterne konnte er dank eines noch schwächeren Kontrahenten vermeiden. „Das war weit davon entfernt, was ich vor hatte“, war ganz klar eine Niederlage“, wird der 24-Jährige zitiert. Da nicht branchenüblich, Respekt für so viel Offenheit.

Ein durch die Bank ernüchtender Auftritt: eher Fehltritt

Und so blieb Maximilian Thorwirth, der unter glücklichen Umständen den Endlauf erreichte, als Achter über 3.000m in 7:45,87 min. (SBL 7:38,14) gestern die beste Platzierung eines deutschen Starters vorbehalten. Die weiteren Protagonisten im Nationaltrikot amerikanischer Prägung mit dem stilisierten
Fleischerhaken" (meine charmante Interpretation des Firmenlogos) kamen, um der ungeschminkten Wahrheit die Ehre zu geben, über die Bedeutung von Edelkomparsen und Claqueuren nicht hinaus. Allerdings entsprach das den vorherigen Erwartungen von Experten, die augenscheinlich nicht beim DLV anzutreffen sind. Aber das hatten wir ja schon zur Genüge (siehe auch Kommentar im Fenster Nachrichten).
Resultate von der verbliebenen Resterampe: Männer, 60 m Hürden (45 Teilnehmer): Gregor Traber  3. im 4. Vorlauf in 7,63 sec., als 7.im 2. Tripelfinale in 7,67 sec. ausgeschieden; Stabhochsprung (13.): 9. Oleg Zernikel 5,75m, 13. Torben Blech 5,60m. Frauen, Dreisprung (16): 12. Nele Eckhardt-Noack 13,96m.  
Alle Ergebnisse unter diesem Link beim veranstaltenden Weltverband World Athletics

Bekannter Mann mit neuem Nachnamen

Widmen wir uns noch ein paar Leistungsetagen tiefer und bis hinauf zu etlichen Altersstufen höher den Deutschen Hallen-Meisterschaften im Steinstoßen am vergangenen Samstag/Sonntag in der bewährten Erfurter Hartwig-Gauder-Halle. Durchaus artverwandt mit der Leichtathletik und oftmals auch von bekannten Aktiven der Fraktion Stoß/Wurf ausgeübt. Denn unter freiem Himmel kommen noch Hammer- und Gewichtwurf hinzu. Hätten wir es in unserer Vorschau nicht schon aufgelöst, wäre sicherlich die Überraschung groß gewesen, dass da scheinbar aus dem Nichts ein Thomas Muschkat (gebürtiger Schmitt) mit starken Leistungen an vorderster Front auftaucht. Gewissermaßen der Boris Obergföll (geb. Henry) des Kugel- respektive Steinstoßens.
Der für den SSC Vellmar startende 33-jährige Wahl-Westfale aus Ahaus im Münsterland machte sich aufgrund adäquater Mitbewerber quasi selber Konkurrenz, gewann der 2,03 Meter große und 166 Kilo schwere Koloss zunächst bei den Senioren 1 (30 – 39 Jahre) mit 10,46m und einen Tag später bei den Männern mit 10,38m die jeweils höchste Gewichtsklasse. Beide Male ungefährdet mit gehörigem Vorsprung. Nun hatte allerdings auch keiner sonst dermaßen viel Körpergröße und Eigenwicht hinter den 15-Kilo-Stein zu setzen wie der einstige 21,35m-Kugelstoßer (siehe Bild).
Ein Streifzug durch die Ergebnislisten (siehe Link) offenbart speziell bei den Senioren*innen, wie schon oben erwähnt, noch so manch vertraute bis klangvolle Namen. Ferner ein Indiz dafür, dass in ihrem eigenen Bereich, Stand jetzt, bis auf die im isolierten Winterwurf nächstes Wochenende ebenfalls in Erfurt und die Team-DM im September in Lage/Westfalen mal wieder keine nationalen Einzel-Meisterschaften sowie im Wurf-Fünfkampf und Mehrkampf angeboten werden.