Stein'sche Aussage zum WM-Auftakt bereits ad absurdum geführt

(Belgrad/Krefeld, 19. März 2022) Hätten sie doch nur geschwiegen, dann wären sie Philosophin geblieben, Frau Annett Stein. Die DLV-Cheftrainerin hatte vor der Hallen-WM in Belgrad bekanntlich lauthals getönt, dass dieses kleine Team „für Aufsehen sorgen“ werde. Wenngleich sie die Art und Weise nicht näher interpretiert hat, wird sie gewiss – bis auf einen „Glücksritter“ – kein kollektives Versagen gleich zum gestrigen Auftakttag dieser Titelkämpfe gemeint haben.
Es bleibt ernüchternd festzuhalten, dass gestern keiner der neun vom DLV entsandten Berufssportler/innen oder Staatsamateure von Bundeswehr und Bundespolizei an die saisonalen Bestleistungen herankamen, sie teilweise deutlich verfehlten. Aber um Ausreden waren sie allesamt nicht verlegen. Vorneweg der sprintende
Schwadlapp" der Frauen, bisweilen zur Energieaufladung an 1,5-Volt-Batterien leckend. Die muss sie diesmal vergessen haben.  

Aufgabe: Höchststrafe für einen Mehrkämpfer

Trauriger Tiefpunkt: Der zuvor von den Medienschaffenden des Verbandes allzu hochgejubelte Siebenkämpfer Kai Kazmirek warf nach drei für ihn miserablen Leistungen vor dem Hochsprung wegen angeblicher Magen-/Darmprobleme das imaginäre Handtuch. Die nach eigenen Darstellungen Höchststrafe für Mehrkämpfer. Spielen wir dennoch den rhetorischen Flachpass: Gäbe es momentan nicht weitaus Schlimmeres auf dieser Welt, wäre es glattweg zum Fremdschämen. Aber immerhin lautet, oh Wunder, das selbstkritische Resümee auf dem verbandsinternen Mitteilungsorgan: „Das kleine deutsche Team musste allerdings mehr Tiefen als Höhen durchleben.“ Fast ein Hauch von Nestbeschmutzung, die hoffentlich für die Autorin ungestraft bleibt, wo sie selbst mich als neutralen, unabhängigen Berichterstatter auf dem Kieker haben. Allerdings mit stumpfen Waffen. Denn Meinungs- und Pressefreiheit sind hierzulande ein durch das Grundgesetz geschütztes hohes, unantastbares Gut. Zumal meine Gastautoren und ich sich stringent an Zahlen, Daten, Fakten orientieren. Über den die Musik machenden Ton darf es herzlich gerne andere Auffassungen geben.   

Gina Lückenkemper müsste ihren Kredit eigentlich verspielt haben

Selbstverständlich bedeutet blond nicht gleichermaßen durchgängig naiv. Aber frau versteht sich halt untereinander. So hat die seit Jahren stagnierende, mehr so „rückwärts laufende“ Sprinterin Gina „Nazionale“ Lückenkemper (im Bild), die gerade mal erst 25 ist und den Zenit noch nicht überschritten haben sollte, bei erwähnter Frau Stein offenbar ein Stein im Brett. Die vor allem mit dem Mundwerk schnelle kesse Wahl-Berlinerin mit Trainingsstandpunkt in den USA vermochte einmal mehr die Vorschusslorbeeren auf dem diesmal 60 Meter langen Laufsteg nicht zu erfüllen. Obwohl in ihrem fünften Vorlauf nun wahrlich keine Wunderdinge für ein Weiterkommen zu vollbringen waren, schied sie als Fünfte und Gesamt-29. von 47 Starterinnen in 7,33 Sekunden sang- und klanglos fernab ihrer Saisonbestzeit von 7,20 aus. Es fällt zunehmend schwerer Verständnis für ihre Nominierungen zu internationalen Großereignissen aufzubringen. Den Kredit müsste sie bis zu konstant herausragenden Leistungen nicht nur bei nationalen Wettkämpfen eigentlich verspielt haben. Das nicht mehr zu rechtfertigende mediale Interesse an ihr eingeschlossen.

Ein Modus der zu denken Anlass gibt
   
Beim großen Rest vom nicht zu feiernden Fest müsste es in diesem Tenor weitergehen. Doch das wäre für den Verfasser wie die Leser zu ermüdend, überlassen wir deshalb dem angehängten Statistikteil der etwas anderen Art. Bleibt allerdings noch der „Glücksritter“ namentlich zu benennen. Obwohl Maximilian Thorwirth in 7:56,20 Minuten (SBZ 7:38,14) lediglich in der Gesamtwertung den 18. Platz unter 34 Langstrecklern belegte, qualifizierte er sich als Vierter des dritten Vorlaufes direkt für das 15-köpfige Finale. Der Mann sollte bei der Glückssträhne Lotto spielen.

Rabenschwarzer Tag gleich im Doppelpack

Gut, einen habe ich noch als kugelstoßender Sportjournalist, der ich mir in 1.170 Wettkämpfen hinterher auch nicht immer überschwänglich auf die eigene Schulter geklopft habe. Es gibt eben Tage, da ziehst du keinen Hering über den Teller oder brichst dir beim Nasebohren den Finger. Einen solchen erwischten im Doppelpack Sarah Gambetta als Neunte mit 18,17m (SBL 19,05m) und Katharina Maisch als Elfte mit 17,83m (18,88m) allzu weit unter ihren Möglichkeiten bleibend. Das Finale der besten Acht (Schnitt bei 18,20 und 18,34m) wäre für beide erreichbar gewesen. Konjunktiv halt.
Keiner wird sich mehr darüber geärgert haben als sie selber. So durften sie aus exponierter Stellung des Innenraums also leider nur staunend zuschauen, wie ganz vorne krachend die Post abging. Im Duell verschiedener Techniken (insgesamt 10:5 für den Drehstoß) setzte sich die in der Szene nicht sonderlich beliebte Wahl-Portugiesin Auriol Domgo im althergebrachten Parry-O’Brien-Stil mit 20,43m in einem dramaturgisch interessanten, spannenden Wettbewerb gegen die sich im fünften Durchgang gewaltig von 19,11 auf 20,21m steigernde drehstoßende US-Amerikanerin Chase Ealey durch. Dritte wurde mit 19,48m das niederländische „Nesthäkchen“ Jessica Schilder, die heute 23 Jahre jung wird. Zwei gute Anlässe zu feiern. Und wie wir spätestens seit Fußball-Trainer Luis van Gaal aus seiner Zeit beim FC Bayern München wissen, sind unseren westlichen Nachbarn ausgesprochene Feierbiester.
Männer: 400m-Vorläufe (25 Teilnehmer): 12. Patrick Schneider 46,76 sec. (SBZ 46,44); 800m-Vorläufe (23): 11. Marc Reuther 1:48,63 min. (SBZ 1:46,41); 3.000m-Vorläufe (34): 17. Sam Parsons 7:55,97 min. (SBZ 7:44,97), 18. Maximilian Thorwirth 7:56,20 (SBZ 7:38,14); Siebenkampf (12): Kai Kazmirek (noch ohne Ergebnis 2022), nach drei Disziplinen aufgegeben.
Frauen: 60m-Vorlaufe (47): 29. Gina Lückenkemper 7,33 sec. (SBZ 7,20); 3.000m-Finale (20): 11.Hanna Klein 8:48,73 min. (SBZ 8:44,61); Kugel (15): 9. Sara Gambetta 18,17m (SBL 19,05m), 11. Katharina Maisch 17,83m (SBL 18,88m). – Alle weiteren Details in den selektierbaren Ergebnislisten unter diesem Link.