Steigerungsrate von 516,67 Prozent Scharfrichter für Veranstaltungen

(Alzey/Krefeld, 14. März 2022) Nicht erst seit Corona brechen aus verschiedenen Ursachen und Beweggründen Jahr für Jahr Veranstaltungen weg. Den Trend der Zeit scheint der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV), der es eigentlich ganz genau wissen müsste, noch nicht erkannt zu haben. Er dreht als neues Synonym für die überall um sich greifende Inflation immer weiter an der Gebührenschraube, bis das Konstrukt, welches da Werfertage und Sportfeste heißt, irgendwann in sich völlig zusammenbricht. Der rührige Organisator Lutz Caspers (*1943), seines Zeichens mit einer Lebensbestleistung von 73,08m im Hammerwurf ausgestatteter Olympiateilnehmer von 1968 in Mexico City, fiel bei der Anmeldung des Wettbewerbs aus allen Wolken, dass er für den Werfertag des TV Alzey am vergangenen Samstag im Wartbergstadion statt bislang 30 nunmehr 155 Euro auf den Tisch des Herrn blättern musste. Steigerungsrate gleich 516,67 Prozent. Das ist keine Inflation, das ist eine Explosion und der Scharfrichter für viele kleinere Veranstaltungen.

Startgebühren sind notgedrungen, jedoch nicht so drastisch erhöht worden

„Notgedrungen musste ich die Startgebühren erhöhen, da ich nicht aus der eigenen Tasche drauflegen wollte“, erklärte der ehemalige Niederrheiner aus Duisburg-Meiderich gegenüber Lampis. Und weiter: „Damit werden wohl immer mehr Veranstalter von kleinen Klubs mit überschaubaren Etats davon abgehalten, in Zukunft Wettkämpfe zu organisieren und anzubieten.“ Da schließt er seinen Mehrsparten-Verein mit Leichtathletik-Abteilung und sich nicht aus. „Für dieses Jahr plane ich noch den Werfertag am 30.April mit allen Wurfdisziplinen und dem Wurf-Fünfkampf. Dann ist erst mal Schluss“, kündigte das 78-jährige Werfer-Urgestein an.
Diesmal herrschte jedoch bei der Zwei-Disziplinen-Konkurrenz im Hammer- und Gewichtwurf für alle Klassen, begünstigt durch schönes, vorfrühlinghaftes Wetter, reger Betrieb. Insbesondere die wettkampfmäßig „unterzuckerten“ Senioren*innen nahmen dieses Angebot dankend wahr. Übrigens legte Lutz (im Bild) ohne Trainingsvorbereitung mal wieder selber Hand an und erzielte im Gewichtwurf der M75 mit 16,58m die klassenübergreifend metrisch beste Weite.

Erika Fändrich-Mészáros verfehlte deutschen Rekord nur um sechs Zentimeter

Getoppt wurde er allerdings vom sportlichen Stellenwert durch die international für Deutschland startende und mit Günther Fändrich verheiratete gebürtige Ungarin Erika Fändrich-Mészáros (*1961) vom TV Heppenheim. Die 60-Jährige verfehlte mit 15,90m den bereits 27 Jahre alten deutschen Rekord von Jutta Schäfer (*1931) vom TSV Oberzwehren lediglich um sechs Zentimeter.
Einige weitere herausragende Resultate der Ü30-Generation:
Hammerwurf, M65: Hartmut Nuschke (SSC Vellmar) 41,75m; M70: Gerhard Zachrau (RKS Phoenix Mutterstadt) 41,91m; M80: Günther Fändrich (TV Heppenheim) 42,47m. – W60: Erika Fändrich- Mészáros 40,50m; W65: Elke Herzig (LG Kurpfalz) 31,30m; W80: Ingrid Schäfer (LG Main-Taunus West) 21,48m.
Gewichtwurf, M65: Nuschke 16,32m; M70: Zachrau 16,00m; M80: 1. Fändrich 15,56m, 2. Manfred Schneider (Eintracht Wiesbaden) 13,42m. – W65. Herzig 13,85m.