Ein Mastersmeeting das hierzulande vergeblich seinesgleichen sucht

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Kolumne

Moment mal

(Turnhout//Krefeld, 17. Oktober 2021)
Derartiges sucht hierzulande bei Senioren*innen vergeblich seinesgleichen. Jede Wette! Als routinierter Fahrensmann mit allein 1.167 Wettkämpfen im Kugelstoßen darf ich mir diese Einschätzung wohl getrost erlauben. Das Internationale Mastersmeeting gestern im belgischen Turnhout kann mit Fug und Recht als „Klein, aber fein“ bezeichnet werden. Bereits das schmucke, im Stadtpark gelegene Stadion der 44.000-Einwohner-Gemeinde der Provinz Antwerpen in Flandern wirkt ausgesprochen einladend. Die Haupttribüne mit der Sprintgeraden davor beherbergte im oberen verglasten (VIP-)Bereich das Wettkampfbüro und die Cafeteria, die landestypisch Kantine genannt wird.
Bereits im Vorfeld wird über die Dienstleistungsplattform atletiek.nu alles Organisatorische bestens abgewickelt mit Meldung und Zahlung der sehr übersichtlichen Startgebühr von 3 Euro pro Disziplin. Einen Tag vor der Veranstaltung erhält jede/r der in diesem Falle 114 Gemeldeten aus drei Nationen via persönlicher E-Mail die Startnummer und das finale Tijdschema (Zeitplan) zugesendet.

Startnummer als Türöffner bei der Einlasskontrolle
 
Jene Startnummer dient bei der Einlasskontrolle als Türöffner und einige Schritte später die Stufen hinauf zum Wettkampfbüro zu deren Aushändigung. Doch nicht nur das. Der veranstaltende Turnhoutse Atletiekclub (TAC) durfte sich offensichtlich einiger Sponsoren einschließlich der eigenen Stadtverwaltung vergewissern. Eine mit ausgehändigte kleine dekorative Tragetasche enthielt: Zwei Eiweiß-Riegel, zwei Kugelschreiber, einen DIN-A-5-Notizblock, zwei Pillendöschen mit Pfefferminzpastillen, ein Kartenspiel, ein Magazin mit den Sehenswürdigkeiten des Gastgeberortes, darunter ein Kartenspiel-Museum, einen Gutschein für zwei Personen zur Besichtigung der in Turnhout ansässigen Brauerei „SchuppenBoer“ (Belgien ist berühmt für seine Bier-Vielfalt) nebst Verkostung. Damit man(n)/frau auf den Geschmack kommt, war zum Probieren eine 0,33-l-Flasche der Sorte Tripel mit satten 8 Prozent Alkoholgehalt dabei. Nicht nur jener „Voucher“ animiert zu einem touristischen Besuch dieser sehenswerten Kleinstadt. Mit 137 Kilometern von Krefeld aus über die Autobahnen von drei Ländern leicht in etwa 90 Minuten mach- und erreichbar.

Alfred Achtelik fabrizierte gefürchteten "Salto nullo"

Ja, um die Ausübung von Sport, der einstigen olympischen Kernsportart Leichtathletik, ging es vordergründig auch noch. Da gilt das hohe Prädikat „Empfehlenswert“ für die bestens präparierten Anlagen sowie kompetente, freundliche und zuvorkommende Kampfrichter gleichermaßen. Der Spaßfaktor der drei deutschen Teilnehmer fiel allerdings höchst unterschiedlich aus, tendenziell zweimal als der berühmt-berüchtigte Griff ins Kloo. Stabhochsrpinger Alfred Achtelik(*1960) vom FC Neukirchen im Münsterland war bei passabler Verfassung der in Mode gekommenen „Späten Saison“ und akzeptablen äußeren Bedingungen eigentlich guten Mutes die rund 210 Kilometer angereist, seine deutsche Jahresbestleistung der M60 von 3,81m womöglich zu steigern. Es sollte ein „Salto nullo“, nämlich drei Fehlversuche über die selbst gewählte Anfangshöhe von 3,61m, daraus werden. Entsprechend enttäuscht und frustriert machte er sich auf den Heimweg, der einem unter solchen Voraussetzungen mit dickem Hals noch länger vorkommt. Ob er einen Teil des Ärgers mit besagter Gerstenkaltschale herunterspülte, ist freilich nicht überliefert. Die Fahrtüchtigkeit hätte es sicherlich nicht beeinträchtigt.

Reiner Görtz heimste drei Magnum-Flaschen vom Sponsor SchoppenBoer ein

Als Gegenentwurf dazu dient Reiner Görtz (*19.02.41) vom ASV Süchteln vom linken Niederrhein, bekannt für sein traditionsreiches „Süchtelner Bergfest“. Der Jung-Achtziger durfte sich bei übersichtlicher Konkurrenz dreimal als Sieger feiern lassen, bekam dabei anstelle einer Urkunde oder Medaille jeweils eine Magnum-Flasche mit Bügel-Verschluss (das ploppt!) jenes hochprozentigen SchoppenBoers ausgehändigt. Zum späteren Verzehr, versteht sich. Sei noch sein bestes Resultat mit der Verbesserung des eigenen Nordrhein-Rekordes im Stabhochsprung der M80 von 1,90 anlässlich der DM in Baunatal auf 1,92m erwähnt.
Über den schäbigen Rest schweigt des Sängers Höflichkeit. Nicht allein mangels Masse, sondern weil es journalistisch nicht opportun ist, über sich selber in der dritten Person zu berichten.
Für Freunde der Statistik geht es mit dem nachfolgenden Link zur Ergebnisliste, die recht zeitnah nach Beendigung der einzelnen Wettbewerbe bereits im Live-Ticker zur Verfügung gestanden hat. So war mein Sportfreund und gelegentlicher Trainingspartner Ralf Unger aus Kerpen bereits informiert, ehe ich ihm meine Schandtat gestehen konnte.