Elke Herzig steigerte den deutschen Rekord im Wurf-Fünfkampf der W65

(Alzey/Bogen/Lübeck/Ventspils/Krefeld, 23. August 2021) Reger Sportbetrieb unter dem Himmelsdach. Bei einer Art „neuen Normalität“ gab es am vergangenen Wochenende auch für die Ü30-Generation eine Reihe von Veranstaltungen in nah und fern. Nachvollziehbar, dass wir das alles nicht mal auch nur ansatzweise Revue passieren lassen können. Also haben wir uns nach eigener Gewichtung ein paar Rosinen aus dem großen Wettkampf-Kuchen herausgepickt.
Die Top-Meldung schlichtweg kommt aus Alzey in Rheinhessen vom von Olympia-Teilnehmer Lutz Caspers im Wartburg-Stadion organisierten Vielseitigkeitswettbewerb im Wurf-Fünfkampf. Neben vielen guten Leistungen unter den insgesamt 72 Teilnehmern*innen ragte die von Elke Herzig (*1956) von der LG Kurpfalz in der W65 heraus. Die Klubkameradin von Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo verbesserte den ziemlich genau sechs Jahre alten deutschen Rekord von Eva Nohl (*1948) vom TSV Langenzenn mit bis auf den Speerwurf recht ausgewogenen Leistungen auf 4.360 Punkte (vorher 4.215).

Starke Resultate der Eheleute Fändrich

Das punktbeste Resultat blieb allerdings der fünf Jahre jüngeren Erika Fändrich-Meszaros (*1961) vom TV Heppenheim vorbehalten. Die gebürtige Ungarin häufte eingedenk herausragender Resultate im Hammer- und Gewichtwurf von 42,28m respektive 15,83m unter dem Strich 4.483 Zähler an. Mit diesen zwei Disziplinen holte sie fast 52 Prozent der Punkte. Für den dritten Viertausender bei den Seniorinnen zeichnete Margret Klein-Raber (*1964) vom LC Rehlingen in der W55 mit 4.005 Punkten verantwortlich. Dies gelang bei den Senioren allein dem noch 79-jährigen Günther Fändrich (*1941) vom TV Heppenheim mit 4.868 Punkten in der M80.

Betina Gabler knapp am deutschen Rekord vorbei

Um Titel- und Medaillenehren ging es bei den isolierten Bayerischen Senioren-Meisterschaften Stoß/Wurf in Bogen. Wie bereits in unserer Vorschau erwähnt, fehlten mit Wurf-Allrounder Norbert Demmel (M55) vom TSV Unterhaching und Diskuswurf-Spezialist Helmut Maryniak (*M50) vom LAC Passau zwei absolute Asse der Zunft. Das machte den Weg für andere frei, die sonst nicht mit Edelmetall verschiedener Couleur hätten rechnen dürfen. Die herausragende Leistung ging auf das Konto von Hammerwerferin Betina Gabler (*1971) von der LG Stadtwerke München, die mit 50,63m den zwei Jahre alten deutschen Rekord (50,84) von Gabriele Engelhardt vom LC Breisgau lediglich um 21 Zentimeter verfehlte. Bei einer Rasenkraftsport-Veranstaltung im Juni 2021 in Trauchgau war die Zwillingsmama mit 50,67m sogar noch ein bisschen näher dran. Mitunter ist es wie verhext. Alles Weitere in der etwas unübersichtlichen Ergebnisliste mit „Gemischten Wettbewerben“.

Ralf Mordhorst gewann mit Kugel und Diskus

Gemeinsame Landesmeisterschaften richteten die Verbände von Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern gestern in Lübeck aus. Stellvertretend sei hier Ralf Mordhorst (*1973) vom LC Lübeck erwähnt, der in der M45 überlegen das klassische Double von Kugel (13,46m) und Diskus (46,69m) gewann. Speziell mit seiner Kugelstoß-Weite dürfte der 48-Jährige indes nicht zufrieden gewesen sein, blieb er doch 1,02 Meter hinter dem Bestwert (14,48m) beim 5.Neustäder Kugel-Cup am 10.Juli zurück. Eine ziemlich große Streuung, wie sie freilich bei Quereinsteigern in die Drehstoßtechnik nicht ungewöhnlich zu sein pflegt.  Alle Resultate.

Zehnkampf-Weltrekordler Valdis Cela der Star im Stadion

Zu guter Letzt werden wir mit den 8. Baltischen Masters-Meisterschaften im lettischen Ventspils noch international. Mit Marion Ertl (W65) von der LG BEC, Martin Baranzke (M55) vom Team Voreifel aus Euskirchen und Winfried Heckner (M70) vom STV Hünxe befand sich ein deutsches Terzett unter den rund 300 Teilnehmern*innen aus sieben Nationen. Dekoriert mit insgesamt acht Medaillen traten sie zunächst mal via Flieger von Riga die heutige Heimreise an. Prominenz auf der Tribüne war mit EVVA-/EMA-Ehrenpräsident Dieter Massin aus Ahlen in Westfalen und dem mit ihm befreundeten, aus Ventspils stammenden Speerwurf-Olympiasieger (1980) Dainis Kūla vertreten.
Der nicht nur durch die heimische nationale Brille der Gastgeber betrachtet absolute Star im Stadion des Olympiazentrums der Hafenstadt an der Ostsee war der in einigen Disziplinen antretende Lokalmatador Valdis Cela (*1948). Der nunmehr 72-jährige Lette trug sich Ende Mai 2018 beim 6.Stendaler Hanse-Cup in die Leichtathletik-Geschichtsbücher ein. Er überbot als erster Zehnkämpfer der M70 mit 8.142 Punkten die begehrte 8.000er-Marke, verbesserte den Weltrekord (7.943) von Rolf Geese (*1944) von der LG Göttingen um beträchtliche 199 Zähler (siehe damaligen Beitrag). Nun feierte er bei dieser Gelegenheit ein Wiedersehen mit Heckner, die sich seinerzeit in der Altmark von Sachsen-Anhalt kennengelernt haben.

Großes Lob aus berufenem Mund

Ein Kurzfazit von Dieter Massin: „Eine stressfreie, liebevoll organisierte Meisterschaft in stimmungsvoller, freundschaftlicher Atmosphäre auf meisterschaftswürdigen Anlagen.“ Und Heckner: „Hier sollte ein Verantwortlicher des DLV mal hospitieren und sich ein Beispiel nehmen. Startgeld 15 Euro plus drei Euro für jede weitere Disziplin, darin enthalten Lunchgutscheine.“
Zeiten und Weiten der drei Deutschen: W65,100m: 2. Ertl 17,61, 200m: 1. Ertl 37,13sec., Kugel: 3. Ertl 6,82m; M55, Weit: 3. Baranzke 4,65m, Drei: 2. Baranzke 10,48m, Kugel: 4. Baranzke 10,18m, Hammer: 1. Baranzke 35,55m; M70, 100m: 3. Heckner 15,89, 200m: 1. Heckner 32,28sec.