Christian Zimmermann buchte "DM-Revanche" mit 19,95m klar für sich

(Gerstungen-Neustädt/Krefeld 13. Juli 2021) Mitunter lässt es sich bei aller schier grenzenlosen Bereitwilligkeit nicht vermeiden, mittendrin rein sinnbildlich das Messer gezwungenermaßen im Ferkel  stecken zu lassen. Und wenn man(n) schon kein Glück hat, kommt bisweilen noch Pech hinzu. Unsere Reportage vom 5.Neustädter Kugel-Cup blieb ein unvollendetes Opus, obwohl es dennoch opulent ausgefallen ist. Da in der Online-Ergebnisliste zunächst die Resultate des Männer-Wettbewerbs fehlten war Ende im Gelände angezeigt. Zu allem Überfluss im Überdruss ist der für gestern vorgesehene Nachdreher durch die schon im Fenster Nachrichten beschriebene Tücke des Objekts verhindert worden.
Nu‘ aber: Das verbliebene Quintett von ursprünglich acht angekündigten Kolossen (Bob Bertemes, Tobias Dahm und Jan Josef Jeuschede hatten sich aus verschiedenen Gründen vorher ordnungsgemäß abgemeldet) arbeitete sich vergeblich an der leider nicht ganz stimmigen abgekreideten 20-Meter-Marke (eines der ganz wenigen Mankos bei diesem Meeting) ab. Christian Zimmermann, DLV-Spitzenreiter mit 20,34m, vom Kirchheimer SC näherte sich ihr bei seinem finalen Versuch von 19,95m bis auf fünf Zentimeter. Knapp daneben ist halt leider auch vorbei. Immerhin ließ der bajuwarische 2,08-m-Hüne in einer Art DM-Revanche, die es logischerweise in Wirklichkeit nicht gibt, den amtierenden deutschen (Überraschungs-)Meister Dennis Lukas von der LG Idar-Oberstein hinter sich, der gleich zum Auftakt 19,68m stieß (siehe Ergebnisliste).

Käte Scheikowski und Carmen Hildebrandt haderten im Duett

Doch kommen wir nunmehr mit schmückendem Beiwerk zu unserer originären Klientel, den Senioren weiblich wie männlich. Wobei sich das gemeinhin schwächere Geschlecht (hier stimmt‘s ausnahmsweise) von der Anzahl her in vornehmer Zurückhaltung übte. Das im Alterssegment weit auseinander liegende Duett von „Mutter und Tochter“ war sich hinterher in der Beurteilung einig, nach jeweils sechs Versuchen den Ring nicht zufrieden verlassen zu haben. Die im Wettkampf stets nervöse, morgen 80 Jahre alt werdende Käte Scheikowski (*1941/W80) vom TSV Wehdel in Niedersachsen, verfehlte mit 7,64m ihre Einstoßweite um etwa einen satten Meter, und Dittmar-Schützling Carmen Hildebrandt (*1967/W50) vom Ohdrufer LV haderte bei ihren letztlich in die Wertung eingehenden 12,24m mit einem ungültigen Versuch von geschätzten 13 Metern. Ja, hätte, hätte Fahrradkette, wäre es eine neue persönliche Bestleistung gewesen. Schenken wir ihr und den Lesern weitere Plattitüden fürs Phrasenschwein.

Viele zahlten die freiwillige Startgebühr für ein guten Zweck nicht!

Denn aufgeschoben ist längst nicht immer aufgehoben. Wer wüsste das besser als ich mit 1.160 Wettkämpfen in 52 Jahren bis zum meiner Bypass-Operation im Oktober 2018. Das Fragezeichen am Satzende kann ich getrost weglassen. Übrigens habe auch ich mich, der aus lauter Jux und Dollerei als Aktiver eingeschrieben war, mein sinnfreies Vorhaben einsehend ordentlich abgemeldet und trotzdem die (freiwilligen) Startgebühren in Höhe von 20 Euro für einen guten Zweck, das Kinderhospiz Mitteldeutschland in Tambach-Dietharz, selbstverständlich gezahlt. So selbstverständlich war das allerdings nicht, wie mir Initiator und Organisator Heiko Wendorf leidvoll berichtete. Deshalb sei auch nicht verschwiegen, dass es neben der Ermöglichung sportlicher Betätigung einen Gegenwert beinhaltete in Form eines T-Shirts, je zwei Getränke- und Essensmarken sowie zwei personalisierter „Startnummern“, eine davon als Andenken zum Einrahmen für eine Wand im Partykeller oder der heimischen „Folterkammer“. Asche und Schande über die Häupter all‘ jener mehrheitlichen Verweigerer! Wären sie mir bekannt, würde ich sie rotzfrech wider die DSGVO nennen.

„Wenn der Vater mit dem Sohne“ aus dem Hause Dittmar

Aber da ich wieder einmal zu lang in meinen Ausführungen zu werden drohe, richtiger: es bereits bin, noch zwei Rosinen herausgepickt. Erneut hieß es „Wenn der Vater mit dem Sohne“ wie anno dazumal bei den Schauspielern Willy und Thomas Fritsch. Der kugelstoßende deutsche Vorzeige-Senior Andy Dittmar (*05.07.1974) von BiG Gotha, erst wenige Tage zuvor 47 Lenze jung geworden, erzielte in der M45 formidable 17,44m. Dabei klagte Big- oder Kugel-Andy, dass er sich durch die am 06.Juli verabreichte zweite Biontech-Impfung „noch in narkotisierter Trägheit“ befinden würde. So schlapp wie er möchte manch einer gerne sein. Dittmars jüngster Spross Lenny (*2007), der sich zum extrem hohen Ziel gesetzt hat einmal Basketball-Professional zu werden, stieß als Solist in der U16 die 4-Kilo-Kugel auf 12,30m. Damit ist auch klar, weshalb er eine Vorliebe für das leichtere, flugtauglichere große runde Sportgerät hat, das ins Runde muss.
Alle Ergebnisse von U16 bis W80 unter dieser Verlinkung.