Saisonkehraus: Letzte Ausfahrt Roermond diesmal von Haltern getoppt

(Roermond/Haltern/Krefeld, 20. Oktober 2014) Normalerweise heißt es im zu den Niederlanden grenznahen westdeutschen Raum für Wurf-Veranstaltungen alle Jahre wieder „Letzte Ausfahrt Roermond“. Doch erstmals wurde die traditionelle Douwe Smit Trofee von Swift Atletiek Roermond vom letzten Samstag im meist „Goldenen Oktober“ um zwei Wochen vorverlegt. So wurde vom ultimativ letzten Termin her gesehen dieses Meetings noch von der gestrigen Werfer-Matinee der LG Haltern am Fuße des Münsterlandes getoppt. Bei Altweibersommer-Wetter gab es hier wie dort erstklassige äußere Bedingungen und eine Vielzahl Senioren/innen sehr breit gefächerter Qualität, die sich davon oder einer nimmermüden Lust auf Wettkämpfe anlocken ließen.

Freundschaftliches Duell der Lampis-Gründer Holthuijsen und Hermanns

Gehen wir chronologisch vor. Der in den Vorjahren oftmals wegen zu bunt und groß zusammen gewürfelter Teilnehmerfelder auf herbe, indes vollauf berechtigte Kritik gestoßene Saison-Kehraus in den Niederlanden war diesmal sehr straff mit maximal 14 Teilnehmern pro Wettbewerb organisiert. Beim Kugelstoßen fügte es sich bei der in den Niederlanden üblichen Altersklassen übergreifenden All-Star-Wertung, dass sich die Lampis-Gründer Peter Holthuijsen (M 50) vom gastgebenden Klub und Axel Hermanns (M 70) vom SC Bayer 05 Uerdingen ein Duell um den Tagessieg lieferten. Der Letztgenannte, dessen sehr durchwachsene erste Saison mit dem 4-Kilo-Kügelchen nach feinem Auftakt in der Halle (14,11 m) einer Achterbahnfahrt gleichkommt, hatte mit 13,45 zu 13,10 m das bessere Ende für sich. Mehr als Schadensbegrenzung war es für die beiden auch über den Kugelstoßring hinaus in Freundschaft verbundenen Ur-Lampisianer allerdings nicht. Der inoffizielle Länderkampf zwischen den NL und GER bei jeweils fünf Teilnehmern hüben wie drüben ging trotz zwei Startern aus der M80 mit 51,57 zu 50,61 m an die Gäste jenseits des nicht mehr vorhandenen nahen Grenzzaunes.

Jan van Hooft warf starke 46,51 m mit dem Diskus
 
Mental offenbar noch kein bisschen müde, aber körperlich nicht mehr der Frischeste ist Wurf-Allrounder Klaus Kynast (*1949) vom ASC Dortmund. Der Deutsche Meister im Wurf-Fünfkampf der M65 gewann in seiner Klasse den Hammerwurf (45,63 m) und wurde jeweils Zweiter mit Kugel (12,41 m) sowie Diskus (41,31 m). Nächstes Wochenende will er in Zutphen (NL) bei Arnheim nochmals einen Wurf-Fünfkampf bestreiten. Herbert Mussinghoff (*1949) vom Team Voreifel, der mit formidablen 50,11m die deutsche Jahresbestenliste im Diskuswurf der M65 anführt, setzte diesmal  hauptsächlich auf die Karte Speerwurf. Seine Bestleistung (45,30 m) als Viertplazierter der Senioren-EM 2014 in Izmir sollte fallen. Das Unternehmen ging mit 41,88m ziemlich klar schief, hatte damit wohl doch auf die falsche Disziplin gesetzt. Denn die 46,51 m vom M-60-Sieger Jan van Hooft (Swift) im Diskuswurf bewiesen, dass gute äußere Bedingungen geherrscht haben müssen. Diese Weite wirft Jan selbst bei sehr guter Verfassung auch nicht alle Tage. Außerdem hat sich der noch 64-jährige Orthpäde Mussinghoff  bei der langen Wartezeit vom einleitenden Hammerwurf bis zur letzten Disziplin des Tages wahrscheinlich einen Wolf gesessen oder die Koffeinspeicher überladen. – Hier geht es zur Online-Ergebnisliste.

Gerhard Tilmann stieß Jahresbestleistung

Gemessen an wirklich guten Leistungen der Senioren/innen ging es in Haltern recht übersichtlich zu. Noch am ehesten bemerkenswert war die Kugelstoß-Leistung von Gerhard Tilmann (*1938) von der LG Olympia Dortmund in der M75. Der „Doc“, früher ebenfalls Orthopäde, schaffte im Rahmen einer unterdurchschnittlichen Serie zwischen 9,85 und 10,25 m im fünften Durchgang mit 11,02 m den gewaltigen Ausreißer nach oben. Das war für den „Hotelier auf vier Rädern“, der stets mit seinem Wohnmobil anreist und sich mit dem Fahrrad warm fährt, auf dem vorletzten Drücker (er startet noch bei den NRW-Open im Winterwurf) persönliche Jahresbestleistung. Pech hatte Ralf Prochnau (*1963) von der TSG Benrath, der im Diskuswurf der M50 mit 39,96 m die begehrte 40-Meter-Marke um winzige vier Zentimeter verfehlte. Immer vorausgesetzt, der Feld-Kampfrichter hat sehr genau hingeschaut. Aber womöglich erzielte Prochnau in dieser Saison längst eine bessere Weite, was wir aus der Fernsicht nicht zu beurteilen vermögen.  – Alle Ergebnisse unter diesem Link.