Hallesche Werfertage: Hochklassiger Diskuswurf-Wettbewerb der Männer

(Halle an der Saale/Krefeld, 16. Mai 2021) Ungeachtet dessen, dass es sich am Ende bei einer weiterhin drohenden Absage der Olympischen (Nachhol-)Spiele um veritables Schattenboxen handeln könnte, muss es nicht allein für den übersichtlichen Kreis von Spitzen- und Berufssportlern (zumeist Staatsamateure bei Bundeswehr und Bundespolizei), sondern auch ganz allgemein in der Leichtathletik weitergehen. Nicht nur, jedoch erst recht für die Aktiven in Nachwuchskadern, der hoffentlichen Elite von morgen und übermorgen.
Unter diesem doppelten Aspekt standen/stehen diesmal die weithin bekannten und geschätzten Halleschen Werfertage. Der Corona-Pandemie gehorchend mit begrenzten Starterfeldern in den vier klassischen Disziplinen und zudem einer rein deutschen Angelegenheit. Beim Hammerwurf der Männer reduzierte es sich mangels Masse und Klasse auf ein Quartett mit der Bandbreite zwischen 74,25 und 59,75m. Soviel zu der vom betriebsblinden DLV prognostizierten „geballten deutschen Werfer-Power“, dem wir in unserer Vorschau sehr argwöhnisch gegenüber standen.

Clemens Prüfer und David Wrobel trennten lediglich elf Zentimeter

Allerdings war das Niveau durchgängig betrachtet nicht überall dermaßen schwach wie in einer einstigen Paradedisziplin der Fraktion von Stoß und Wurf. Insbesondere beim Diskuswurf der Männer konnte sich selbst an internationalen Maßstäben gemessen das Niveau zumindest an der Spitze mit einem Quintett jenseits von 63 Metern durchaus sehen lassen. Dabei fehlte mit Martin Wierig (*1987) vom SC Magdeburg noch einer aus der ersten Garnitur. Aufgrund einer leichten Verletzung meldete sein Interimscoach und Weltrekordler Jürgen Schult, der den erkrankten Armin Lemme derzeit vertritt, vorsorglich den dienstältesten Routinier und deutschen Meister von 2019 ab.
So setzte sich sein Nachfolger Clemens Prüfer (SC Potsdam) als amtierender Titelträger in der hochklassigen Konkurrenz mit hervorragenden 67,41m denkbar knapp vor Wierigs Klubkameraden David Wrobel (67,30m) durch. Also ein Duo, das die happige Norm von 66 Meter abhakte. Olympiasieger Christoph Harting (SCC Berlin) zeigte als Drittplatzierter bei seinem Saisoneinstand mit 65,25m ansprechende Frühform. Dahinter wurde in Schlagdistanz Daniel Jasinski ((TV Wattenscheid) mit 64,64m Vierter vor Henrik Janssen (63,24m), dem dritten und mit 23 Jahren jüngsten Vertreter aus der eminent starken Magdeburger Troika. Der mutmaßliche Kampf um die drei Olympia-Tickets verspricht ein ausgesprochen heißer Tanz zu werden. Abgerechnet wird voraussichtlich bei der DM Anfang Juni in Braunschweig.  
   
Kristin Pudenz auf konstant hohem Niveau

Duplizität der Ereignisse im selben Wettbewerb der Frauen. Hinter der ebenfalls aus Potsdam kommenden, mit 66,41m enorm konstant agierenden erfolgreichen Kristin Pudenz übertrafen vier weitere Diskuswerferinnen die 60-m-Meter. Noch Marike Steinacker ((TSV Bayer 04 Leverkusen) mit 64,03m die Norm (63,50) überbietend, die Claudine Vita (SC Neubrandenburg) um vergleichsweise winzige acht Zentimeter verfehlte. Eine etablierte Athletin (Bestleistung 68,89m) wie die großgewachsene, mit enormen „Flügeln“ ausgestattete Nadine Müller (1,93m) vom gastgebenden SV Halle nährt mit ihren 57,96m als Sechste nicht gerade die Hoffnung auf einen mit einer Olympia-Teilnahme garnierten „Goldenen Herbst“ ihrer ausklingenden Karriere.

Sara Gambetta knüpfte nahtlos an ihre Leistung von Split an

Ganz anders ihre sieben Jahre jüngere kugelstoßende Klubkameradin Sara Gambetta. Die knüpfte ziemlich genau da an, wo sie in bei ihrem überraschenden Erfolg beim Werfer-Europacup in Split mit ihrer Tagesbestweite von 18,86m aufgehört hatte. In Abwesenheit der sich noch nicht ganz fit fühlenden und erst beim „Solecup“ in Schönebeck (26.Mai) ins Wettkampfgeschehen eingreifenden Christina Schwanitz (LV 90 Erzgebirge) war die Hallenserin an der Spitze Alleinherrscherin im Ring. Die 28-jährige ehemalige Siebenkämpferin erzielte im zweiten Versuch einer breit streuenden Serie 18,71m und legte im fünften Durchgang adäquate 18,57m nach.

Jungspund Eric Maihöfer konnte die Arrivierten düpieren

Ein sich um einen satten Meter steigernder Jungspund vom Jahrgang 2001 zeigte den Arrivierten wo Barthel den Most holt. Eric Maihöfer von der LG Staufen, für die dereinst Zehnkampf-Ass Siegfried „Siggi“ Wentz (*1960) startete, verbesserte sich als Sieger in einer per Saldo enttäuschenden Kugelstoß-Konkurrenz auf 19,75m. Bleibt anzumerken, dass aus verschiedenen Gründen die avisierten David Storl, Dennis Lewke (beide SC DHfK Leipzig) und Christian Zimmermann (Kirchheimer SC) fehlten.  
Alle weiteren Resultate vom gestrigen ersten Tag sind der Ergebnisübersicht zu entnehmen, in der einer Fata Morgana gleich der Diskuswurf der Männer trotz zweimaligem Hinweis gestern Abend und heute Morgen mal lediglich mit den drei ersten Versuchen dargestellt wird.