Susanne Wissinger steigerte den Weltrekord auf 5.039 Punkte

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(Baunatal/Bogen/Krefeld, 29. September 2014) Ehre, wem Ehre gebührt. Für das herausragende Resultat bei den schwachsinnigerweise parallel ausgetragenen Deutschen sowie Bayerischen Senioren-Meisterschaften im Wurf-Fünfkampf im hessischen Baunatal und niederbayerischen Bogen  sorgte bei ihrem Quasi-Heimspiel die Hessin Susanne Wissinger (*1934) vom TV Gelnhausen. Genau, der Klub, den Langhürdler Harald Schmid (*1957) durch seine legendären Duelle mit Edwin Moses (USA) dereinst weltberühmt machte. Davon kann die gute Susanne zwar nur träumen. Doch ihr gelang immerhin das Kunststück, ein kleines Kapitel Leichtathletik-Geschichte zu schreiben. Als erste Seniorin der Welt knackte sie in der W80 mit 5.039 Punkten die 5.000er-Schallmauer. Dabei verbesserte sie den Rekord (4.831) keiner Geringeren als der belgischen Ausnahmekönnerin Rachel Hanssens, die Ende August bei der Senioren-EM in Izmir (Türkei) fünf Weltrekorde und einen Europarekord in der W85 teilweise pulverisiert hatte. Das gelang Wissinger auch mit dem zwei Jahre alten deutschen Rekord (4.124) von Lieselotte Leiß (*1932) vom TV Borghorst, den sie praktisch zertrümmerte. Den hätte sie sogar im Vierkampf ohne ihre Achillesferse Speerwurf (810 Punkte) geschafft.

Zwölfmal wurde die 4.000-Punkte-Grenze überboten

Die begehrte 4.000-Punkte-Grenze wurde bei der DM insgesamt zwölfmal überboten, hübsch paritätisch verteilt auf Männlein und Weiblein. Der denkbar knappste Ausgang von einem Zähler entschied in der M75 über Sekt oder Selters. Der in der Szene nicht sonderlich beliebte Arno Willershäuser (*1939) von der LG Wettenberg war der Glücklichere, der Johann Hansen (*1938) vom TSV Medelby mit 4.067 zu 4.066 Punkten um Schamhaaresdicke bezwang. Schämen musste er sich deshalb nicht. Aber er wäre gut beraten gewesen, bei der Glückssträhne die nächste staatliche Spielbank aufgesucht zu haben.

Demmel und Holzknecht die komplettesten Fünfkämpfer

Beim großen Familienfest der Werfer, bei dem sich Spezialisten zum saisonalen Finale aus Jux und Dollerei einem Vielseitigkeitstest unterziehen, war die Bandbreite entsprechend groß. Wirklich komplette Mehrkämpfer, selbst unter dem per Zahl genannten Dutzend, waren die große Ausnahme. Dem Anspruch wurden nicht sehr viele gerecht. Da sind vor allem außer Wissinger noch Norbert Demmel (*1963) vom TSV Unterhaching und Klaus Kynast (*1949) vom ASC Dortmund zu nennen. Die beiden gewannen ihre Konkurrenzen in der M50 und 65 relativ klar mit 4.276 respektive 4.340 Punkten. Demmel verbesserte seinen eigenen bayerischen Rekord um 40 Zähler. Eine richtige Schwäche, anders als Kynast im Speerwurf, leistete er sich in dem hammerwurflastigen Wettbewerb nicht. Eva Nohl (*1948) vom TSV Langenzenn, Siegerin der W65 mit 4.328 Punkten, schoss für die gerade genannte These mit 54,1 Prozent aus den Disziplinen Hammer und Gewichtwurf den Vogel ab. Damit übertraf sie sogar Lutz Caspers (*1943) vom TV Alzey, der es in der M70 (4.521 Punkte) „lediglich“ auf 50,7 Prozent brachte. Das ist dennoch hier wie da bei zwei von fünf Übungen mehr als die halbe Miete. Noch Fragen? Eine rechte ausgewogene Vorstellung bot Ingrid Holzknecht (*1940) von der LG Elmshorn in der W70 (4.354 Punkte). Ohne einen ganz heftigen Ausreißer nach oben oder unten hatte sie eine Spanne von 850 – 950 Punkten. Allein der häufig ungeliebte Speerwurf (718 P.) machte ihr den tollen Schnitt ein wenig kaputt. Für die Freunde der Statistik gibt die Online-Ergebnisliste alle weiteren Details her.

Landesrekorde durch Tomanek und Hasieber

Über die am Samstag ausgetragenen und abgeschlossenen Bayerischen Meisterschaften haben wir bereits berichtet, schalten indes nochmals einen Link zu den Resultaten. Nur noch soviel: Margarete Tomanek (*1949) von der LG 90 Ebersberg-Grafing steigerte ihren eigenen noch jungen Landesrekord (4.414) in der W65 auf 4.495 und Bernd Hasieber (*1944) vom TSV Unterhaching die schon 13 Jahre alte Bestmarke (4.537) von „König“ Richard Rzehak (*1929) vom SC Preußen Erlangen auf 4.614 Punkte. Noch bemerkenswert, dass Hasieber mit nur jeweils einer Drehung den Hammer auf 47,61 und das Wurfgewicht auf 18,73m wuchtete. Beides sind persönliche Bestleistungen. Und das innerhalb eines Mehrkampfes mit nur drei Versuchen. Alle Achtung!
Ärgerlich ist und bleibt die vom DLV zu verantwortende Terminkollision (wir berichteten mehrfach).
Da beißt die Maus den Faden nicht ab. Aber das wird auf den einschlägigen, stets heile Welt mit Friede, Freude, Eierkuchen verbreitenden Verharmlosungsnetzseiten elegant unter die Teppiche der Redaktionstische gekehrt. Bis irgendwer eine Staublunge bekommt. Wenn Feigheit doch nur wehtun würde.