Diskuswerfer Ehsan Hadadi erzielte die Weltklasseweite von 64,10 m

(Mutterstadt/Moosach/Aachen/Leichlingen/Krefeld, 22. September 2014) Vollmundige Ankündigungen sind meist mit Vorsicht zu genießen. Nicht jedoch, wenn sie von einem Polizei-Hauptkommissar i.R. und erfolgreichen aktiven Wurf-Allrounder der M65 stammen. Chef-Organisator Gerhard Zachrau von der TSG Mutterstadt hatte bei dem kurzfristig aus dem Boden gestampften Internationalen Werfertag „Weltklasse auf dem Dorf“ der 12.640-Seelen-Gemeinde im Rhein-Pfalz-Kreis versprochen. Die drei Hochkaräter hielten erfreulicherweise am späten Abend der Freiluftsaison 2014, was der gute Gerhard eingedenk der Namen und der dazu gehörigen Bestleistungen verkündet hatte. Allen voran der Olympia-Zweite und Asien-Rekordler (69,32 m) Ehsan Hadadi aus dem Iran, der die zwei Kilogramm schwere Diskus-Scheibe bei seinem besten Versuch auf die Weltklasse-Weite von 64,10 Meter beförderte. Und das auf relativ stumpfen, da wenig benutzten Ring im Stadion des weitläufigen Sportparks und bei in Wurfrichtung seitlich von links einfallendem ungünstigen Wind. Die dunkelhäutige US-Amerikanerin Summer Pierson (PBL 61,19m) hatte nach verheißungsvollem Auftakt von 57,22m im weiteren Verlauf ihre liebe Not und Müh’, sich darauf einzustellen, ohne dass es ihr gelungen wäre. Dennoch war auch ihre Leistung, wie die von Hadadi, natürlich Stadionrekord.

Kristina Telge und Roland Heiler keine Staffage

Den hat im Vorjahr US-Boy Reese Hoffa im Kugelstoßen mit 21,19m dermaßen hoch geschraubt, gemessen an seiner Technik richtiger gedreht, dass er vermutlich bis zum Sankt Nimmerleinstag Bestand hat. Fast schon ein bisschen unfair, daran zu erinnern. Gleichwohl konnten sich die 19,28m von Amin Nikfar (Iran) mehr als sehen lassen, waren nicht allzu weit unter seinem Asien-Rekord von 19,98m. Schließlich darf auch nicht vergessen werden, dass dieses Trio praktisch konkurrenzlos war und die Felder auf die von ihnen geforderten insgesamt acht Teilnehmer hauptsächlich von ein paar Senioren/innen aufgefüllt wurden. Das gestaltete sich für Zachrau neben dem ganzen sonstigen „Kleinkrieg“ zu einem weiteren Problem aufgrund etlicher Veranstaltungen im näheren Umkreis bis hin zum Senioren-Drei-Länderkampf in Trier, bei dem einige Pfälzer gleichzeitig im wonnevollen Einsatz für Volk und Vaterland waren. Seien die erwähnt, die sich sehr beachtlich schlugen: Kristina Telge (W40) vom TV Alzey stieß die Kugel auf 12,11m, und Roland Heiler (M75) von der LAG Obere Murg warf den Diskus 43,15m weit, was – freilich ohne Gewähr – Saisonbestleistung gewesen sein soll. Zumindest waren es stramme 2,36 Meter mehr als bei seinem jüngsten EM-Titelgewinn im türkischen Izmir. Da die örtliche Presse nicht mitspielte, weil Fußbälle vor ihren Augen das Blickfeld verdunkeln, hielt sich der Publikumszuspruch in sehr überschaubarem Rahmen. Senioren sind das gewöhnt. Für das hochklassige Terzett muss es jedoch sehr befremdlich gewesen sein. Hier traf leider das griffige Etikett "Weltklasse auf dem Dorf" im negativen Sinne zu.  

Willkommener Test für Wurf-Fünfkampf in Bogen oder Baunatal


Als letzten Formtest unter Wettkampf-Bedingungen vor den Deutschen oder Bayerischen Senioren-Meisterschaften im Wurf-Wurfkampf (siehe auch heutigen Kommentar im Fenster „Nachrichten“) nutzten einige Akteure die traditionelle Wurfserie im oberbayerischen Moosach. Norbert Demmel (*1963) vom TSV Unterhaching startete in die M45 herunter und warf den 2-Kilo-Diskus auf bemerkenswerte 46,11m. Dafür schwänzte er tags darauf trotz Nominierung für das Kugelstoßen der M50 den schon erwähnten Drei-Länderkampf. Die Gründe sind uns nicht bekannt. Schlimmstenfalls muss er das mit seinem Gewissen vereinbaren. Walter Kühndel (M 60) vom TV Dingolfing probte den Ernstfall, wobei infolge seiner Doppel-Meldung offen ist für welchen Schauplatz, mit Kugel (unterbelichtete 10,28m), Diskus (41,19m) und Wurfgewicht (13,28m). Bernd Hasieber (M70) vom TSV Unterhaching, der seinem Verband die Treue halten wird, unterzog sich gar einem Vierkampf mit Kugel (11,78m), Diskus (37,93m), Hammer 45,12m) und Wurfgewicht (17,43m). Prädikat: wertvoll! Das weibliche Pendant dazu (9,21, 27,53, 37,35, 15,24m) war die für den Gastgeber  LG 90 Ebersberg-Grafing startende und dort wohnhafte Belgierin Margarete Tomanek (W65), die für die „Deutschen“ in Baunatal gemeldet hat. Als
Zuagroaste
(Zugereiste) sei ihr nachgesehen, dass sie sich mit ihrer Wahl-Heimat nicht solidarisch erklärt.

Diskuswerfer Olaf Többen meldete sich mit 49,68 m zurück


Neben einigen weiteren ordentlichen Leistungen der Senioren/innen ragte beim Abschluss-Werfertag der Aachener TG im schmucken und heimeligen Waldstadion „Am Chorusberg“ das Comeback des  Diskus-Werfers der einstigen absoluten deutschen Spitzenklasse, Olaf Többen (*1962) vom Pulheimer SC, heraus. Nach einigen Jahren der Wettkampfabstinenz meldete sich „Olli“ mit starken 49,68 m in der M50 eindrucksvoll zurück.
Und zu guter Letzt noch ein Nachschlag zum 10. Springer- und Werfertag des Leichlinger TV. Aus Anlass des kleinen Jubiläums hatte der rührige Mehrsparten-Verein aus dem Bergischen für die Verbesserung der Meeting-Rekorde in allen (!) Altersklassen eine Prämie in Höhe von 40 Euro ausgelobt. Glücklicherweise war dieser nicht kalkulierbare Betrag im Veranstaltungsetat durch Sponsoren abgedeckt. Denn bei 23 an der Zahl hätte Abteilungsleiter Manfred Schmitz, ehemals Diskuswerfer jenseits von 60 Meter und bei der LG Bayer Leverkusen Klubkamerad sowie Konkurrent von Többen, tief in die Klubschatulle greifen müssen. Aus der übersichtlichen Schar der Ü-30-Generation befanden sich immerhin sechs darunter. Die wertvollste Leistung ging auf das Konto von Frank Hoffmann (*1956) von der LG Plettenberg-Herscheid mit 44,70m im Diskuswurf der M55. Gleich zweimal Kasse in der W55 machte Brigitte Brunner (*1956) für 10,23m mit der Kugel und eher dürftige 24,06m im Diskuswurf.