Riesiges, unpersönliches, heißes Stadion Schauplatz des Speerwurfes

(Izmir/Krefeld, 29. August 2014) Fein säuberlich getrennt verrichteten gestern Männlein und Weiblein ihr unterschiedliches Handwerk bei der Ü 35-EM im unverändert brüllend heißen, für eine sportliche Betätigung unerträglichen Izmir. Die Senioren hatten das mehr als zweifelhafte Vergnügen ihre zwölf Speerwurf-Konkurrenzen im unpersönlichen, riesigen, gähnend leeren Atatürk-Stadion (im Bild) mit einem Fassunvermögen von 51.295 Zuschauern auszutragen. Wer hier von externem Publikum bei den paar Versprengten auf dem Teilnehmerblock fabuliert, der lügt sich was in die eigene Tasche. Lange hält’s da ohne ein Schatten spendendes Dach über dem Kopf sowieso keine/r aus. Da sind die Wettkämpfer ärmer dran. Sie können vor der sengenden Sonne, die sie zu Bratwürstchen mutieren lässt, nicht fliehen. Beklagen sich die Werfer sonst völlig zu Recht auf die Nebenplätze verbannt zu werden, dürften sie sich in diesem konkreten Falle danach gesehnt haben.
Da hatten es die mehr oder weniger fortgeschrittenen Mädels auf dem lauschigen, wenigstens ein bisschen Schatten spendenden Werferplatz beim Gewichtwurf besser. Das alles und womöglich noch die Nachwirkungen von „Montezumas Rache“ (Durchfall) sind bei den gebotenen Leistungen in die Waagschale zu legen. Schön "reden" lassen sich damit die meist qualitativ dürren Ergebnisse in auch quantitativ nahezu durchgängig dünn besetzten Wettbewerben trotzdem nicht. Aber die Erkenntnis ist bei diesen Titelkämpfen natürlich nicht neu. Das muss halt jede/r für sich selber beurteilen, was ihm Titel und Medaillen wert sind. Die Pressevertreter aus den verschiedenen Bundesländern werden sich da jedenfalls häufig außerordentlich schwer tun bei Betrachtung der nackten Online-Ergebnisliste. Wo zu allem Überfluss oben die Welt- und Europarekorde vermerkt sind.   
Nun sind gerade wir als Fachorgan nicht so vermessen, alle Darbietungen in Vergleiche zu den Weltrekorden zu setzen. Das wäre insbesondere im Speerwurf von der M 35 – 50 völliger Quatsch. Bei den Bestmarken haben aufsteigend in dieser Reihenfolge der Tscheche Jan Zelezny (92,80 und 85,92 m), der Frankfurter Peter Blank (77,15 m) und der Brite Roald Bradstock (76,16 m) die Preise bis in eine ferne Zukunft hinein restlos versaut.

Eine Hommage an Jan Zelezny

Es war, wenn man so will, eine Hommage an Zelezny, dass seine Landsleute in der Alterspyramide aufwärts zum Auftakt die M35 und zum Abschluss die M90 gewannen. Noch eine Besonderheit: Erstmals bei dieser EM trug sich der werfende Alleskönner Arild Busterud (M 65) aus Norwegen nicht in den Siegerliste ein. Das hatte den profanen Grund, dass der „Wikinger“ nicht am Ablauf war. Speerwurf ist nämlich seine einzige Achillesferse. Da hätte er selbst bei dem mäßigen Niveau auf den drei Medaillenrängen keine Chance gehabt. Die nicht allzu kühne Prognose sei allerdings gewagt, dass der aktuelle Weltrekordler (5.255 Punkte) den heutigen Wurf-Fünfkampf auch ohne die paar Zähler für diese bei ihm unterbelichtete Disziplin gewinnen wird.
Bevor wir die deutschen Medaillengewinner nennen, küren wir noch den „Touri des Tages“. Der kommt nach einer kleinen Schonfrist wieder aus dem Gastgeberland. Mustafi Balci erreichte bei seinen 23,70m 41,32 Prozent der Siegerleistung (57,36 m).
M35 (2 Teilnehmer): 2. Carsten Wollensah 44,61m; M40 (5): 3. Bert Beyer 52,70 m; M55 (8): 1. Reinhold Paul 54,02m, 3. Josef Schaffarzik 50,67m; M60 (10); 1. Walter Kühndel 54,11m; M65 (12): 1. Helmut Hessert 44,46m, 2. Jürgen Dannenberg 42,36m; M70 (3): 2. Reiner Görtz 33,51m, 3. Josef Halder 32,58m; M75 (5): 2. Lothar Huchthausen 42,68m, 3. Dietrich Hoffmann 37,27m.

Rachel Hanssens warf wieder Weltrekord

Mittlerweile wird sie – nicht nur vom vom Alter – zum Evergreen. Die belgische Nationalhymne dazu. Rachel Hanssens stellte abermals einen Weltrekord in der W85 auf. Diesmal war es Maßarbeit, verbesserte sie die Marke beim Gewichtwurf (9,23m) um zwei Zentimeter und schlug erneut ihre Vorgängerin Hilja Bahoff aus Estland im direkten Vergleich deutlich um 1,26 Meter. Es sollte das einzige Glanzlicht bleiben. Daran vermochten auch die drei Titelträgerinnen, zwei Zweit- und drei Drittplatzierten aus den verschiedenen deutschen Landstrichen nichts zu ändern. Die Erbsenzähler vom Bundesausschuss Senioren wird es bei ihrer wichtigsten Aufgabe, der Pflege des sinnlosen und verzerrten Medaillenspiegels, freuen. Streng genommen müssten sie sich jedoch mitunter vorkommen, als böten sie saures Bier zum Verkauf feil.
Wenngleich es „lediglich“ zu Bronze reichte, erzielte Eva Nohl mit 14,18m und nicht weit von Gold (14,81m) weg die metrisch beste Leistung aller zwölf deutschen Teilnehmerinnen. Ein rein schwarz-rot-goldenes Podest gab es bei freilich nur vier Akteusen in der W75. – W35 (3): 3. Birgit Keller 11,62m; W 40 (4): 1. Bettina Schardt 12,92m; W65 (11): 3. Eva Nohl 14,18m; W70 (6): 2. Ingrid Holzknecht 11,03m; W 75 (4): 1. Brunhilde Ponzelar 10,52 m, 2. Brigitte Schmidt 10,43 m;, 3. Brita Kiesheyer 9,64m; W80 (2): 1. Christa Winkelmann 8,80m, 2. Annemarie Scholten 7,90m.
Für die bekennenden Freunde der Statistik geht es hier zu den Ergebnislisten.