"Montezumas Rache" drückte auf den Darm und die Weiten

(Izmir/Krefeld, 28. August 2014) Augerechnet am gestrigen exklusiven Damen-Tag in Sachen Wurf, bei dem sie im Diskuswerfen die sportliche Bühne für sich alleine hatten, grassierte „Montezumans Rache“ (Durchfall). Das schlaucht und pflegt nicht nur auf den Darm, sondern auch gehörig auf die Leistungen zu drücken. Ohne uns jetzt in unappetitlichen Details zu ergehen, war es nicht das einzige Problem um dieses drängende Ungemach herum. Wie wir von unseren Korrespondenten vor Ort erfahren haben, waren auf den zur Verfügung stehenden stillen Örtchen im Stadion zunächst keine „Schinkenservietten“ (Klopapier) aufzufinden. Also Zustände wie im dereinst Alten Rom, wo der Erfolg der Abwischaktion buchstäblich auf der Hand lag. Wenigstens das Wasser in den Waschbecken lief.

Weltrekorde durch Eha Rynne und Rachel Hanssens

Verlassen wir diesen Nebenschauplatz und kommen zu den Ergebnissen, die gleichwohl unter den geschilderten Vorkommnissen mehr oder weniger litten. Wer nicht betroffen war, hatte ein Riesenschwein und einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil gehabt. Wobei wir aus der Fernsicht freilich nicht zwischen ganz normaler Formschwäche zur Unzeit und körperlicher Schwächung zu unterscheiden vermögen. Deshalb halten wir uns in einer Beurteilung galant zurück und nur an nackte Tatsachen. Wobei ausdrücklich nicht der Allerwerteste gemeint ist.
Es darf getrost unterstellt werden, dass Eha Rynne aus Estland im großen 18er-Feld der W50 und Rachel Hanssens bei den diesmal drei Teilnehmerinnen in der W85 davon verschont blieben. Denn sie stellten mit 45,82m respektive 19,49m neue Weltrekorde auf. Hanssens zertrümmerte den geradezu im direkten Duell mit der bisherigen Rekordinhaberin (16,08 m) Hilja Bakhoff aus Estland, die als Zweite 15,24m warf. Sei in diesem Zusammenhang noch erwähnt, dass der WMA-Statistiker gehörig hinter der Musik herläuft und seit 2007 Nora Kutti aus Estland im Besitz des Weltrekords (15,68 m) lässt, obwohl der im August 2013 bei den World Masters Games in Turin durch Bakhoff verbessert wurde. Derweil ist Ivar Söderlind (Schweden) von der einstigen EVAA in diesem Punkt auf dem Laufenden.
Kurz und knackig die bundesdeutsche Ehrentafel im Diskuswurf. Die Ergebnisse der W65 sind aus unerfindlichen Gründen (noch) nicht online. Damit können wir selbst bei einem deutschen Dreifach-Triumph folglich nicht dienen.
Die Medaillengewinnerinnen: W35 (sechs Teilnehmerinnen): 2. Birgit Keller 40,14m; W40 (3): 1. Bettina Schardt 38,97m; W45 (6): 1. Silke Stolt 36,49m, 2. Ellen Weller 34,52m; W60 (6): 3. Claudia Vollert 27,25 m; W70 (11): 2. Ingrid Holzknecht 23,56m; W75 (1): Brunhilde Ponzelar 22,54m; W80 (2): 1. Christa Winkelmann 15,84m, 2. Ruth Baumann 15,02m.

Hanssens und Nora Kutti mit Europarekorden

Bleiben noch die Resultate im Speerwurf der Seniorinnen nachzutragen, die aus Platzgründen unserer notgedrungen monströs geratenen Geschichte im Hammerwurf der Senioren zum Opfer fiel. Da war gewissermaßen Deutschland-Tag angesagt. Das darf in der W60 sogar im doppelten Wortsinne bei einer internen deutschen Meisterschaft mit internationaler Beteiligung verstanden werden. Trotz des übermächtigen Verhältnisses von 6:2 ging der Titel mit „Danish Dynamite“ im Wurfarm überlegen mit einem Vorsprung von 6,08 Meter an Anne Kristine Jensen (32,78 m) aus – na, woher wohl (?) – Dänemark. Wenn schon in ihrer Altersklasse meist allein auf weiter Flur, rückt Rachel Hanssens aus Belgien irgendeinem Rekord in der W85 zu Leibe. Diesmal hob sie den Europarekord (13,74 m) der Finnin Irja Sarnama mal eben auf 18,47m an, verfehlte den Weltrekord der unlängst verstorbenen legendären Wahl-Kanadierin Olga Kotelko lediglich um neun Zentimeter. Nora Kutti aus Estland polierte ihren eigenen Europarekord (12,56 m) in der W90 um vier Zentimeter auf. Deutscherseits hagelte es en bloc in den zwölf Wettbewerben mit unterschiedlicher Gewichtung fünf Gold-, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen. Dies und nach eigenem Belieben mehr in der Online-Ergebnisliste.