Favorit David Storl trotz Rückenbeschwerden souverän ins Finale

(Zürich/Krefeld, 12. August 2014)  Alles wie gehabt bei den Bild-Regisseuren dieser Welt, wenn es um Fernseh-Übertragungen von der Leichtathletik geht: Lauf vor Sprung und Wurf. Völlig egal in welchem mehr oder weniger fortgeschrittenen Stadium sich die Wettbewerbe befinden. Soviel kann ich gar nicht essen, wie ich kotzen möchte. Als sich David Storl gerade zum ersten Durchgang der Qualifikation (20,10 m) im Kugelstoßen bereit machte, wenngleich für ihn nur eine Formsache, wurde pünktlich zur der langatmigen, rund zwei Minuten währenden Vorstellung von Bahn 1 bis 8 der Zehnkämpfer für den einleitenden 100-m-Lauf umgeschwenkt. Mit dem üblich dümmlichen Geschwafel von ZDF-Reporter Wolf-Dieter Poschmann (nannte zunächst 20,20 m als Quali-Weite; Storl habe wegen einer leichten Rückenverletzung auf Stützwurf umgestellt) wurde der Versuch des 24-jährigen Titelverteidigers als Konserve nachgeliefert. Der 24-jähriger Chemnitzer zog mit sehr kontrollierten 20,76 m aus dem Stütz, also ohne umzuspringen, als Primus der morgendlichen Pflichtübung in das Finale heute Abend (Beginn 19.34 Uhr) ein. Auch die übrigen, von uns in der Vorschau genannten Medaillenanwärter kamen weiter. Der Portugiese Fortes (20,03 m) und der extrem schwächelnde Russe Lesnoy (19,88 m) mussten allerdings die „Gnadenregelung“ der Auffüllung bis zur zwölfbesten Leistung in Anspruch nehmen. Nur sechs Schwerathleten übertrafen die geforderte Norm.
Eine Zitterpartie hatte Katharina Molitor (*1983) in der ersten Gruppe der Speerwurf-Ausscheidung. zu überstehen. Obwohl die 57,50 m nun wahrlich kein sehr hohes Anforderungsprofil für sie hätten darstellen dürfen, schaffte die - nett formuliert - temperamentarm wirkende Leverkusenerin sie erst im dritten Versuch mit 58,24 m mal gerade so. Ganz ohne Nachschlag kam auch ihre Klubkameradin Linda Stahl in Gruppe B nicht aus. Dabei hinterließ sie bei ihren im zweiten Durchgang erzielten 59,42 m nicht gerade den Eindruck, als sei hier die europäische Jahresbeste (67,32 m) unterwegs. Ausgerechnet Nesthäkchen Christin Hussong (*1994) bot mit der zweitbesten Weite von 61,13 m die stärkste Vorstellung des deutschen Terzetts. Eine faustdicke Überraschung war, dass Titelkandidatin Hanna Hatsko-Fedusova aus der Ukraine kläglich scheiterte. Angereist mit einer diesjährigen und zugleich absoluten Bestleistung von 67,29 m, musste die 23-jährige nach blamablen, für sie indiskutablen 53,81 m die Segel streichen.
Sehr enttäuschend der Besuch der Vormittagsveranstaltung in einer Leichtathletik-Hochburg wie Zürich. Allenfalls halb gefühlte Ränge bei den vielen weiteren Vorentscheidungen. Nicht zu vergessen, dass  die „Könige der Athleten“ Hof hielten und ihre Zwei-Tage-Werk aufnahmen. Und da ist bekanntlich jede Disziplin ein Finale. Das hat zum Beispiel bei der WM 2009 in Berlin völlig anders ausgesehen, wo das vom Fassungsvermögen dreimal so große Olympiastadion schon bei den „Morning Sessions“ nahezu gefüllt war. Da war der Chronist, anders als jetzt, mittendrin und nicht nur dabei.
Alle Daten, Fakten und Zahlen beim kontinentalen Dachverband European Athletics (EA) unter diesem Link.