Ex-Zehnkämpfer Norbert Demmel gewann mit links das Tripel

(Erfurt/Krefeld, 13. Juli 2014) Weitestgehend setzten sich nach der so genannten Papierform und der danach von uns in der Vorschau im Fenster „Flurfunk“ vorgenommenen Einschätzung die Favoriten am gestrigen zweiten Tag der Deutschen Senioren-Meisterschaften im Erfurter Steigerwaldstadion durch. Bliebe noch anzumerken, dass die äußeren Bedingungen wesentlich angenehmer waren als zum Auftakt, gelegentlich ein angenehmes, frisches Lüftchen wehte. Diese Weisheiten beziehen wir nicht aus dem unvermeidlichen Wetterbericht vom „Kachelmann für Arme“ namens Karl-Heinz „Flunker“ Flucke, so er denn irgendwo bei irgendwelchen Titelkämpfen vor Ort weilt, sondern von unserem Korrespondenten Hans Josef Weitz life und live aus der Thüringer Landeshauptstadt.
 
Johann Stein machte auch mit der Kugel sein Meisterstück
 
Es hätte schon mit dem Teufel zugehen müssen, wenn der jeweils Jahresbeste mit Kugel und Diskus in der M 50 der geflochtenen Vorschusslorbeeren nicht gerecht geworden wäre. Der Aufgaben entledigte sich Norbert Demmel (TSV Unterhaching) mit großer Souveränität sowie feinen Leistungen von 15,45 und 52,03 m. Dass er allerdings auch noch den Speerwurf, allerdings mit nicht gerade berauschenden 47,72 m gewann, war nicht zwingend zu erwarten. Spricht zwar nicht gegen den Linkshänder, aber schon gar nicht für die Konkurrenz.
Johann Stein (TV Werther) machte einen Tag nach dem Erfolg mit dem Diskus (49,40 m) auch mit der Kugel sein Meisterstück in der M 60. Nicht mal eben so. Vielmehr gründlich mit einer neuen persönlichen Bestleistung von 14,38 m (bisher 14,33 m aus 2011). Schaffe, schaffe, Häusle bauen und sich dabei die Form versauen. So hieß es noch Freitag bei Bauherr Kurt Goldschmidt (TSV Kücknitz), der mehrere Wochen kein Techniktraining absolvieren konnte, beim Diskuswurf der M 70 mit der unprogrammgemäßen Niederlage gegen Felix Mohr. Doch die Drehungen brachten den Drehstoßer offenbar wieder in Schwung. Mit der Kugel lieferte er hervorragende 15,09 m ab und verwies Mohr trotz der für ihn starken 13,65 m deutlich auf Rang zwei.

Heinz Brandt als Zweiplatzierter Kugelstoß-Meister der M 85

Das verstehe wer will, was die Ergebnisliste im Kugelstoßen der M 85 ausweist. Dort wird Heinz Brandt (TSV Klausdorf) mit 10,37 m als Sieger ausgewiesen, derweil Wilhelm Modersohn (Bielefelder TG) mit 10,45 m aW (= außer Wertung) unplatziert als Letzter des Sechserfeldes eingereiht wird. Beide sind vom Jahrgang 1929, beide gehören einem deutschen Verein an, sind meines Wissens und von anderen Gegebenheiten Deutsche. Sollte für Modersohn keine Startberechtigung vorgelegen haben, weshalb auch immer, dann hätte er auch nicht starten dürfen. Denn selbst bei einem nett gemeinten Gnadenakt sieht es jetzt für Brandt ganz schön blöd aus, als von der Weite Zweitplatzierter Meister geworden zu sein. Ob da die rechte Freude aufkommen kann, darf füglich bezweifelt werden.
Immer noch eine Klasse für sich ist der inzwischen 48-jährige Hammerwerfer Ralf Jossa (im Bild) vom SV Herzberg im Harz. Mit grandiosen 61,80 m lag er in der M 45 fast 20 Meter vor dem Zweitplatzierten, ganz zu schweigen vom weiteren Rest des Feldes. Da verblassen selbst die beileibe sehr ordentlichen 55,46 m des fünf Jahre jüngeren Thomas Neumann (SC Bayer Uerdingen) in der M 40. Wobei allerdings anzumerken wäre, dass der einstige 73,34-m-Werfer inzwischen schlank und rank daherkommt, nur sporadisch trainiert und nunmehr seinen ersten und vermutlich zugleich letzten saisonalen Wettkampf bestritt. Seine Qualifikationsleistung von 53,92 m war aus dem Vorjahr.

Karin Warok erlitt heftige Schlappe

Keine Regel ohne Ausnahme. Karin Warok (SC GW Paderborn), als Ranglistenerste ihm Hammerwurf (48,06 m) der W 35 angereist, erlebte einen rabenschwarzen Tag. Die Westfälin brachte für ihre Verhältnisse lediglich ein Würfchen von 42,28 m zustande und unterlag Nadine Beck (43,67 m) vom SV Großolbersdorf), die vermutlich ihr unverhofftes Glück kaum fassen konnte. Sehr respektable die 43,61 m von Gabriele Engelhardt (LC Rothaus) in der W 45. Bei der Kugel ohne Draht und Griff ragte Dunja Koch (TuS Metzingen) mit 13,91 m in der W 40 heraus.
Die zusammengefasste Ergebnisliste von den beiden ersten Tagen gibt es unter diesem Link. Eingedenk des kommenden Fußball-Ereignisses und anderer Aufgaben berichten wir vom heutigen Schlusstag der Titelkämpfe morgen an dieser Stelle.