Nur das Wetter spielte bei tollen Voraussetzungen verrückt

(Erfurt/Krefeld, 12. Juli 2014) Einmal mehr hatten Betriebsstättenleiter Richard Debuch vom Sportamt der Landeshauptstadt Erfurt und seine Crew hervorragende Rahmenbedingungen im ohnehin vorzeigbaren Steigerwaldstadion geschaffen. Dazu gab es diesmal dank der neuen Leiterin Wettkampforganisation Gisela Stecher (Grevenbroich) keine spartanischen Vorgaben des DLV zu den Feldmarkierungen bei Stoß und Wurf wie zuletzt 2012 bei den „Deutschen“ an gleicher Stelle. Hinzu gesellte sich eine perfekte Organisation, kompetente, freundliche Kampfrichter, eine blitzschnelle, unbestechliche (so der Einschlagpunkt richtig fixiert wurde) elektronische Weitenmessung bei den Würfen und ein minutiös eingehaltener Zeitplan. Sportlerherz, was willst du mehr? Ja, wenn das Kreislaufwetter, bei dem man(n)/frau stets einen Piccolo im Anschlag haben musste, nicht am gestrigen Auftakttag gewesen wäre. Es war (er-)drückend und bei hoher Luftfeuchtigkeit schwül-warm. Einmal von den berühmten Ausnahmen abgesehen keine Hochleistungsvoraussetzungen für „betagte Bürger“ jenseits der Sechzig.

Johann Stein trotzte Witterung und Titelverteidiger Sieben
 
Viele Senioren/innen erreichten lediglich 90 Prozent oder noch weniger ihres individuellen Leistungsvermögens. Da war mancher Titel unerwartet preiswert zu haben. Einer dieser Ausnahmen war Diskuswerfer Johann Stein vom TV Werther, den außer lauthals palavernde Holzbirnen in Ringnähe so ziemlich nichts aus der Ruhe und Fassung zu bringen vermag. Der 62-jährige Westfale entschied das hochkarätige Diskuswurf-Duell mit Titelverteidiger Gerd Sieben vom ASC Dortmund mit der neuen Saisonbestleistung von 49,40 m (bisher 47,87 m) für sich. Er hatte noch drei weitere Versuche in seiner stabilen Serie, die weiter waren als Siebens bester Wurf von 47,39 m.
Ausgesprochen sparsam ging es in der gleichen Disziplin eine Altersetage höher zu. Durchgängig. Herbert Mussinghoff (Team Voreifel) blieb fast sechs Meter unter seiner Jahresbestleistung. Es konnte ihm insofern herzlich egal sein, als er bei seinen völlig unterbelichteten 40,88 m mit der Winzigkeit von neun Zentimetern vor Georg Kinadeter (TV Hauzenberg) lag. Bereits der Drittplatzierte, der in Deutschland wegen seines Lebensmittelpunktes hier startberechtigte Kroate Stipo Knez (LG Augsburg), blieb unter der 40-Meter-Markierung (39,89 m). Das hinderte ihn freilich nicht daran, den Diskus bei seinen Versuchen mit einem ohrenbetäubenden Urschrei auf die auch bei ihm verkürzte Reise zu schicken. Überraschend war der Ausgang in der M 70. Der höher eingeschätzte Kurt Goldschmidt (TSV Kücknitz), Vorjahressieger und in Mönchengladbach klassenübergreifend Bester mit der 1-Kilo-Scheibe, musste sich mit für ihn mäßigen 42,54 m Felix Mohr (TV Radolfzell) geschlagen geben. Der  bekannt gute Wettkämpfer erzielte im letzten Versuch mit 45,11 m seine Tagesbestweite.

Mit Spannung erwartete Duelle mutierten zu Rohrkrepierern
 
Gehämmert wurde auch. Entgegen Diskus und Speer auf dem Nebenplatz. Freilich ebenfalls eine schöne Anlage. Die mit Spannung erwarteten Duelle in der M 65 und 70 erwiesen sich jedoch als veritable Rohrkrepierer. Der schwer in die Gänge kommende Hermann Huppertsberg (TV Ronsdorf) befreite sich schließlich im vierten Versuch mit 49,02 m von der Seuche an den Fingern. Genau in dem Durchgang war der Spuk für seinen Bezwinger vom Lampis-Werfermeeting vorbei. Klaus Kynast (ASC Dortmund) zog sich eine Adduktorenzerrung zu, musste die weiteren Versuche und das spätere Diskuswerfen sausen lassen. So blieb der Wurf-Allrounder mit 44,80 m deutlich unter seinen Möglichkeiten (SBL 49,20 m).
Ordentlich Dampf im Kessel war bei der M 70 zwischen den körperlich wie technisch sehr unterschiedlichen Giganten Lutz Caspers (TV Alzey) und Hermann Albrecht (SpVgg), was sich in den Weiten allerdings aus besagten Gründen (?) nicht widerspiegelt. Die Nummer ging für Caspers mit 48,46 m unterhalb von 50 Meter weg. Albrecht blieb gar bei zum Auftakt erzielten 46,16 m „hängen“, produzierte danach nur noch ungültige Versuche. Was auch immer den guten Hermann in Harnisch brachte – er soll dem Vernehmen nach die Siegerehrung verweigert haben, die bekanntlich zum Wettkampf gehört. Ohne triftigen Grund und unentschuldigt kann das sogar eine Disqualifikation nach sich ziehen. Sehr stark die 40,73 m von Helmut Brüning (ATS Cuxhaven) in der M 80.
Beim Speerwurf der älteren Semester waren die M 70 und 75 fest in Händen der LG Altmark aus Sachsen-Anhalt. Dazu mit ordentlichen Weiten durch Ewald Jordan (43,37 m) und dem unverwüstlichen Lothar Huchthausen (41,14 m).

Christa Winkelmann verbesserte deutschen Hammerwurf-Rekord

Herausragend bei den reiferen Mädels der neue deutsche Kugelstoß-Rekord in der W 50 von Jana Müller-Schmidt, von dem wir im Fenster „Nachrichten“ bereits berichtet haben. Es war von der Klasse zwar nicht der große Brüller. Dafür aber spannend. Knapper als knapp ging es nämlich im Diskuswurf der W 80 zu. Bei identischer Weite von 15,72 m entschied der nächst bessere Versuch (14,64 zu 14,40 m) zugunsten von Christa Winkelmann (CSV Krefeld) gegenüber Ruth Baumann (SuS Dinslaken). Winkelmann entschied auch den Hammerwurf (24,92 m) für sich. Den allerdings relativ klar vor Lotte Leiß (22,72) vom TV Borghorst. Doch das war noch nicht alles. Die Krefelderin verbesserte obendrein den sechs Jahre alten deutschen Rekord (23,60 m) von Marianne Neubert (TSV Schwebheim) um proppere 1,32 m.
Die Ergebnisliste vom ersten Tag.