Ü35-EM: Klemens Grißmer pulverisierte Zehnkampf-Weltrekord der M65

(Aarhus/Krefeld, 30. Juli 2017) Losgelöst davon, dass wir autonom und autark sind über wen und was wir schreiben, erst recht am heutigen „Internationalen Tag der Freundschaft“, besteht der Zehnkampf immerhin aus 30 Prozent Stoß/Wurf. Manche „Könige der Athleten“ wie der frühere Norbert Demmel (jetzt Werfer und Wurf-Fünfkämpfer) aus Unterhaching und der ehemalige Senioren-Weltmeister Christopher Gerhard (*1967) aus Viersen-Süchteln waren/sind ausgesprochen wurfaffin, gewannen bei der Ü35 auch Einzeltitel mit Kugel und Diskus bis zu Weltmeisterschaften aufwärts. Der Kategorie ist Klemens Grißmer (*12.11.1951) von der TSG Oberursel nicht zuzurechnen. Das hinderte den noch 65-jährigen Hessen jedoch nicht daran, bei den 20.Senioren-Europameisterschaften in Aarhus mit 8.205 Punkten einen fantastischen Weltrekord aufzustellen und die alte Bestmarke (7.837) von Rolf Geese (*1944) von der LG Göttingen  von der WM 2009 im finnischen Lahti förmlich zu pulverisieren. Bleiben wir bei seinem Zwei-Tage-Werk beim Wurf-Dreikampf innerhalb des Zehnkampfs. Für seine Schnellkraft und koordinativen Fähigkeiten stark unterbelichtet das Kugelstoßen mit gerade mal 10,08m (711 P.). Dagegen sehr ordentlich und durchaus einem Solisten bereits würdig die 41,52m (830 P.) mit dem Diskus sowie 40,03m (776 P.) mit dem Speer. Seine punkteträchtigsten Disziplinen waren der Weit- und Hochsprung, bei denen er jeweils die 1.000er-Grenze knackte.

Drehstoßer Tilman Northoff dominierte mit Riesenvorsprung die M45

Und was gab’s bei den tatsächlichen Spezialisten? Da räume ich frank und frei ein, dass auf mich bezogen irren männlich ist. Auf den schon erwähnten Demmel (*1963) hätte ich einen namhaften Betrag gewettet, dass er in Europa bei seiner überragenden Klasse in der Klasse M50 mit Kugel, Diskus und im Wurf-Fünfkampf unschlagbar ist. Hätte. Glücklicherweise habe ich es nicht gemacht. Denn mit der Kugel erwischte er einen rabenschwarzen Tag, stieß für ihn eher unterdurchschnittliche 15,34m und musste sich dem Briten John Nicholls (15,53m) um 19 Zentimeter geschlagen geben. Dafür sprangen andere in die Bresche. Allen voran Drehstoß-Techniker Tilmann Northoff (*1969) vom TuS Jöllenbeck in Ostwestfalen. Da sein Sohn Timo unter Umkehrung der Hierarchie kürzlich U18-Welmeister in Nairobi wurde (wir berichteten), wollte sich der Papa nicht lumpen lassen. Northoff sr. dominierte bei seinem Titelgewinn (15,93m) mit gewaltigem Vorsprung von 1,59m auf den „ersten Verlierer“ die Konkurrenz der M45 nach Belieben, hätte auch die beiden jüngeren Altersklassen mit dem hier noch 7,26 Kilogramm schweren Gerät klar für sich entschieden.
Die weiteren deutschen Medaillengewinner: Kugel, M35: 1. Dominik Lewin 15,05m; M40: 2. Ralf Mordhorst 14,44m; W35: 3. Gunhild Kreb 10,71m; W40: 1. Nadine Kant 14,40m, 3. Martina Greithanner 13,31m; W45: 1. Claudia Kodel 11,99m; W50 1. Jana Müller-Schmidt 13,40m; 2. Barbara Gähling 12,64m.
Diskus, M55: 2. Rolf Heinzmann, 46,29m; M60: 3. Wolfgang Kühndel 35,63m, M80: 2. Peter Speckens 32,00m; M85: 2. Heinz Brandt 21,67m.
Alle Resultate in den Einzeldisziplinen und Mehrkämpfen.