Ü35-DM: Jahr eins nach rigider Abschaffung des Ausländerestartrechts

(Zittau/Krefeld, 04. Juli 2017) Es war das Jahr eins nach der rigiden Abschaffung des Ausländerstartrechts durch den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Viele lieb gewordene Gesichter von Sportkameraden und zum Teil auch Konkurrenten anderer Nationalität mit Lebensmittelpunkt hier zu Lande wurden bei der Senioren-DM in Zittau schmerzlich vermisst. Sei es beim Frühstück im gleichen Hotel, beim Plausch in der Cafeteria des Weinauparkstadions oder gar bei der Siegerehrung auf dem Stockerl. Halt – einer war dann doch dabei: Der Italiener Daniele Biffi (*1972) von TopFit Berlin, der mit seiner Einstweiligen Verfügung vor dem Amtsgericht Darmstadt gescheitert war (wir berichteten), erwirkte auf Antrag beim „Großen Zampano“ Frank O.Hamm vom DLV ein Teilnahmerecht außer Wertung.
Der Wahl-Berliner lief über 200 Meter der M45 mit 24,16 Sekunden die drittschnellste Zeit. Es ist nicht überliefert, ob er sich die entgangene Bronzemedaille zumindest mal angeschaut hat. Aber er hätte sich bei der „Goldenen“ seines Klubkameraden und Schützlings Roland Gröger (*1964) einen Eindruck verschaffen können. Der – immer noch nicht geführte – Weltrekordler der M50 (50,73sec.), eine weitere Fehlleistung der WMA-Statistikerin Sandy Pashkin aus den USA, ließ es diesmal in 53,52 Sekunden sehr gemächlich angehen. Für die Mitbewerber indes immer noch eine Nummer zu groß.
Was gab es sonst bei dieser dreitägigen Heerschau der „ewigen Talente“? Klar, sie wurde geadelt durch die beiden Sprint-Weltrekorde in der W70 von Ingrid Meier (*1947) vom LAC Quelle Fürth. Soweit und falls nicht zu fern vom Schauplatz am östlichsten Zipfel der Republik sich die deutsche Spitzenklasse einfand (300 Gemeldete weniger als im Vorjahr), war das Gebotene doch alles in allem ziemlich durchwachsen. Obendrein waren es zumeist die üblichen Verdächtigen, die sich am Ende des Tages durchsetzten. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Vorzeige-Senior Andy Dittmar diesmal unter 18 Meter

Selbst der Vorzeige-Senior schlichtweg, der als einziger jenseits der M35 noch zu erweiterten Elite bei den Männern gehört, stellte sich für sein außergewöhnliches Leistungsniveau nicht gerade in absoluter Topverfassung vor. Kugelstoßer Andy Dittmar (*1974) von BiG Gotha, der morgen Geburtstag feiert, musste mit einem für ihn eher seltenen Resultat unter 18 Meter zufrieden sein. Wiewohl nur zwölf Zentimeter daran fehlten. Dafür kann es gute Gründe geben, die wir aus der Fernsicht nicht zu beurteilen vermögen. Möglicherweise den, dass er aus dem vollen Training heraus in den Ring ging und den Start lediglich als Durchlauferhitzer für die DM der Männer/Frauen am kommenden Wochenende im Steigerwaldstadion im für ihn sehr nahen Erfurt betrachtete.
Da ja auch der einstige Wunderknabe David Storl (*1990) vom SC DHfK Leipzig im 14-köpfigen Feld sein wird, bekommen wir von der Entscheidung am Samstag ab 15.35 Uhr ja vielleicht ein paar Schnipsel in der ARD-Sportschau zusehen. Wenn dem nicht die „rollende Apotheke“ durch Frankreich entgegensteht. Der einstmals geächtete Radsport ist wieder salonfähig und wird alternativlos buchstäblich bis zum Abwinken auf der Ziellinie in epischer Breite über Stunden hinweg frei Haus geliefert. Natürlich ist niemand gezwungen, sich das anzutun.
Aufgrund unserer schon häppchenweisen Berichterstattung und fehlender eigener Eindrücke von vor Ort des Geschehens lassen wir es dabei bewenden, nicht ohne auf das Gesamtkunstwerk der Online-Ergebnisliste zu verweisen.