Senioren-DM: Regenpause erwies sich für manche als Leistungskiller

(Zittau/Krefeld, 02. Juli 2017) Machen wir den Gegenentwurf zu „Jugend forscht“, lassen wir den Senioren unter lauter Senioren bei den Deutschen Meisterschaften der Ü35-Generation im Weinauparkstadion in Zittau diesmal den Vortritt. Das bis dahin gute Wetter machte insbesondere den Technikern einen gehörigen Strich durch womöglich höhere Rechnungen. Die bereits laufenden Wettbewerbe mussten gegen 17 Uhr wegen wolkenbruchartiger Regenfälle für rund 20 Minuten unterbrochen werden. Wer das schon einmal erlebt hat, dem muss nicht lange erklärt werden, dass danach keine Topweiten oder -höhen mehr möglich sind. Denn abgesehen von der leistungskillenden Pause tut der Temperatursturz sein Übriges. Ärgerlich für alle, nicht zuletzt Ralf Unger (*1947) vom TuS Buir. Der Jung-Siebziger hatte nach verkorkstem Auftakt mit einem x wie war wohl nix im zweiten Versuch des Kugelstoßens in dem für persönliche Bestleistungen handgemalten Feld eines Sextetts starke 14,19m (bisher 14,14m) hin- und im nächsten Durchgang trotz des kleinen Spannungsabfalls 14,04m nachgelegt. Der anvisierte zwölf Jahre alte Nordrhein-Rekord (14,23m) von keinem Geringeren als Weltklasse-Senior Peter Speckens (*1935) vom SV Rot-Weiß Schlafhorst schien zum Greifen nahe.

Erfolgreiche Rekordjagd von "Petrus" verhindert
 
Doch dann spielte ihm „Petrus“ einen Streich. Nach Wiederbeginn erst mal zwei „Fahrkarten“ und im finalen Durchgang 13,75m. Indes immer noch viel zu viel für die klar unterlegene Konkurrenz. Der zweitplatzierte deutsche Hallenmeister Franz Didio (*1945) vom ESV Weil am Rhein hatte mit 12,28m bereits einen erdrutschartigen Rückstand. Tags zuvor entschied Unger schon mit 41,01m den Diskuswurf vor Hermann Huppertsberg (40,10m) von der DT Ronsdorf und Didio (40,03m) für sich. Damit schaffte er nach den „Westfälischen“ (13,87/43,01m) und den Nordrhein „Open“ (13,90/42,13m) abermals ein von Erfolg gekröntes klassisches Double.
Der schon erwähnte Speckens musste nach Trainingsleistungen klar jenseits von 40 Meter im Hammerwurf der M80 eine überraschende Niederlage gegen Nachrücker Heinz Janson (*1937) vom TV Groß-Gerau hinnehmen. Der Mann mit dem eisernen, verletzungsträchtigen Händedruck wusste das Schwächeln des weltweit erfolgreichsten aktiven Senioren-Werfers zu nutzen und behielt mit 38,27 zu 37,31m die Oberhand. Speckens konnte sich derweil am Samstag mit einem überlegenen Sieg im Diskuswurf (33,83m) schadlos halten. Titel okay, aber auch hier blieb der sonstige Großmeister der gezielten Vorbereitung hinter seinen Weiten auf der heimischen Anlage in Übach-Palenberg bei Aachen zurück. Irgendwie war der Wurm drin, wiewohl es einem Jammern auf zumindest mittelhohem Niveau gleichkommt.

Ingrid Holzknecht kehrte auf die nationale Bühne zurück

Ingrid Holzknecht (*1940; im Bild) von der LG Elmshorn hatte sich nach ihrem lebensbedrohlichen Sturz im September 2016 bei einer am Bergwanderung am Groß Glockner erst einmal ins ganz normale Leben zurückkämpfen müssen. Bei den Landesmeisterschaften von Schleswig-Holstein Ende Mai feierte die „Kernige aus Elmshorn“ ihre sportliche Wiederauferstehung. Nunmehr betrat sie auch die nationale Bühne. Und wie! Die gesamte Wurf-Palette abdeckend, gewann sie drei Titel in der W75, wobei sie den im Hammerwurf als buchstäblich Konkurrenzlose quasi geschenkt bekam, und verfehlte den im Speerwurf lediglich um winzige vier Zentimeter gegen Chris Helmke (22,03m) vom ESV Lok Potsdam.
Mehr dazu und allem anderen von den beiden ersten Tagen in der Ergebnisliste.