Wurf-Allrounder Norbert Demmel trumpfte zum Einstand mächtig auf

(Moosach/Borken/Sinzig/Krefeld, 11. April 2017) Wo will der Mann noch hin, wenn er sich zu den saisonalen Höhenpunkten in Bestform befinden dürfte. Dabei ist der angedachte Trainingsaufenthalt mit Ehefrau Sabine und Tochter Svenja ins portugiesische Leichtathletik-Zentrum Monte Gordo an der Algarve aufgrund zu teurer Flüge von München nach Faro und zurück sogar gescheitert. Ungeachtet dessen feierte Wurf-Allrounder Norbert  Demmel (*1963) vom TSV Unterhaching bei der Moosacher Wurfserie im letzten Jahr der Zugehörigkeit zur M50 mit 15,65m  im Kugelstoßen, 55,66m im Diskuswurf, 52,14m mit dem Hammer und 19,70m im Gewichtwurf einen brillanten Einstand unter freiem Himmel. Das liegt in diesen vier Disziplinen in etwa auf dem Niveau seines Weltrekords im Wurf-Fünfkampf (4.696 Punkte) vom 15.Mai 2016 in Dingolfing. Da scheint bei passender Gelegenheit eine Verbesserung förmlich in der Luft zu liegen.

Geschichtliches zum Wurf-Fünfkampf

Da wir schon gerade beim Vielseitigkeitswettbewerb der Werfer sind. Ein paar Altersetagen höher in der M65 scheint es wieder auf ein national hochklassiges Duell von zwei gleichaltrigen absoluten Könnern der Zunft hinaus zu laufen. Gerhard Zachrau (*1949) von RKS Phoenix Mutterstadt „erklomm“ auf seiner Heimanlage schon Ende Februar im bereits dritten Anlauf mit 4.033 Punkten den begehrten Viertausender. Nunmehr legte der für den ASC 09 Dortmund startende Klaus Kynast aus Hagen nach. Zunächst gewann der 67-Jährige beim 20. Werpvijfkamp zu Ehren von Jan Smit (jetzt M85) am 1.April 2017 in Eindhoven (Niederlande) die bei unseren Nachbarn übliche klassenübergreifende All-Start-Wertung des 21 Teilnehmer starken Feldes mit 3.947 Punkten deutlich vor dem Niederländer Martin Regtop (M65/3.428). Beim anschließenden Bankett war von dem Namensgeber dieses Meetings Geschichtliches zum Wurf-Fünfkampf zu erfahren. Denn er war es, der bei einem zehnjährigen USA-Aufenthalt in den achtziger Jahren den amerikanischen Gewichtwurf (und die entsprechende Geräte dazu) mit nach Europa brachte, damit diesen Mehrkampf zunächst in seinem Heimatland etablierte. Durch die deutsch-niederländische Freundschaft unter Werfern schwappte er irgendwann ins hessische Borken 30 Kilometer südlich von Kassel. TuSpo Borken war es auch folgerichtig, der 2003 die 1.Deutschen Senioren-Meisterschaften im Wurf-Fünfkampf ausrichtete. Zuvor und danach wartet er darüber hinaus mit einem jährlichen Meeting auf, das vorigen Samstag bereits seine 23. Auflage erlebte.

Kynast löste Zachrau in der frühen Jahresbestenliste ab

Da hatte sich neben Kynast mit Jan van Hooft, Frans Klep (beide M65) und Jan Titulaer (M70) trotz 320 Kilometer langer Anreise durch den deutschen Urlaubsverkehr ein niederländisches Trio von Swift Atletiek Roermond eingefunden. Wie schon in Eindhoven war allerdings gegen den Westfalen kein Kraut gewachsen. Der häufte diesmal mit 45,18m im Hammerwurf, 11,73m mit der Kugel, 42,27m im Diskuswurf, für ihn ordentlichen 30,54m mit dem Speer und 15,48m im Gewichtwurf 4.069 Punkte an, womit er Zachrau (vorerst?) überholte. Der Hagener sieht allerdings vor allem mit Kugel und Wurfgewicht noch Potenzial nach oben. Es muss halt auch irgendwann in Summe alles zusammen kommen. Und das ist bekanntlich in Mehrkämpfen jeder Art die größte Kunst.
Und da bekanntlich aller guten Dinge derer drei sind, gab es auch bei den Offenen Wurf-Meisterschaften des Kreises Ahrweiler in Sinzig ein Angebot für die Vielseitigen und solche die sich dafür halten. Da nennen sie es allerdings fälschlicherweise Werfer-Fünfkampf (es wird mit Geräten und nicht Athleten geworfen) und die etatmäßige letzte Disziplin Gewichtswurf. Manche lernen es eben nie. Aber wir werden nicht müde, darauf hinzuweisen. Das punktbeste Resultat erzielte Ingrid Kusche (*1940) vom TV Erkelenz mit 4.327 Zählern in der W75.
Noch nennenswert aus Seniorensicht das Double von Rainer Horstmann (*1957) vom TSV Kirchlinde mit 13,65m Kugel und 44,73m Diskus in der M60. Ralf Unger (*17.April 1947) vom TuS Kerpen-Buir blieb trotz zuvor vielversprechender Trainingsleistungen und 12,90m aus dem Stand beim Einstoßen bei seinem knapp vorgezogenen nationalen Einstand in der M70 ohne gültigen Versuch im Kugelstoßen. Nach dazwischen zweistündiger Wartezeit verfehlte der 70-Jährige in Lauerstellung beim Diskuswurf mit entsprechend schweren Beinen und lediglich knausrigen zwei Versuchen zum Einwerfen relativ knapp die 40-Meter-Marke (39,31m). Beides nur eine Durchgangsstation und unter „abhaken“ einzuordnen. Nicht bei jedem, außer Demmel, wachsen Anfang April die Bäume schon in den Himmel.
Eine verlinkbare Online-Ergebnisliste aus Sinzig liegt leider (noch) nicht vor.