Nordrhein "Open": Der ganz große Kracher war nicht zu notieren

(Essen/Krefeld, 06. Juni 2016) Da wir schon als Internet-Portal von, aber nicht nur für Senioren-Werfer/innen in unserer kleinen Vorschau auf die Offenen Nordrhein-Meisterschaften der Ü30-Generation am vergangenen Samstag im Sportpark „Am Hallo“ in Essen von der Flug-Show der Stabhochspringer geschrieben haben, wollen wir auch in unserer Ergebnis-Berichterstattung darauf eingehen. Der Ausgang darf getrost als faustdicke Überraschung bezeichnet werden. Thomas Ritte (M35) ist als potenzieller 4,80-m-Springer gemeinhin auf die familieninterne klassenübergreifende Gesamtwertung abonniert. Diesmal musste er sich dem gesamten verbliebenen Familien-Quartett mit Vater Wolfgang (M60; 3,90m), Mutter Ute (W60; 2,60m), Schwester Christina (W30; 3,30m) und Schwager Timo (M35; 3,60m), alle vom SC Bayer 05 Uerdingen, geschlagen bekennen. Fachleute ahnen es bereits: Der 37-jährige Wahl-Uerdinger aus Moers fabrizierte einen so genannten „Salto nullo“ über die selbst gewählte Anfangshöhe von 4,60m. Dies war sicherlich auch zum Teil der Tatsache einer langen Wartezeit im dazu – verniedlicht ausgedrückt – mollig warmen Kurvensegment am 200-m-Start geschuldet, wo die Reflektion der Kunststoffanlage ihr Übriges tat. Was am Umstand dreier gerissener Versuche freilich nichts ändert.
Eine prima Vorstellung bot dagegen Siegbert Gnoth (*1940; im Bild) vom TuS Gildehaus. Der Niedersachse überquerte 2,70m, benötigte dafür aber mit den Durchgangsstationen 2,50 und 2,60m insgesamt sieben Anläufe. So fehlte ihm auch eingedenk der Hitze die Kraft bei seinen drei (Fehl-)Versuchen über 2,80m, die Einstellung seines eigenen deutschen Rekordes bedeutet hätten.

Geteilte Freude ist doppelte Freude

Kommen wir zu unserem originären Bereich von Stoß und Wurf, picken uns allerdings ein paar Rosinen aus dem großen Kuchen heraus, ohne hier in Börsenmanier einen Abklatsch der Ergebnisliste abzuliefern. Traditionell dürr besetzt bis hin zu einsamen Streitern waren die jüngeren Altersklassen. Denkbar knapp ging es in einem vereinsinternen Duell im Kugelstoßen der M40 zu. Das entschied Markus Kuhlmann von SuS 09 Dinslaken mit 13,56 zu 13,52m vor seinem Klubkameraden und vermutlich auch Trainingspartner Niels Olav Depner für sich. Der drehte dann im Diskuswurf mit 37,81 zu 37,54m den Spieß um. Geteilte Freude ist doppelte Freude.
Freilich gab es hier wie da metrisch bessere Leistungen. Mit der Kugel durch Sven Rocho von der LG Meckenheim in der M30 (14,09m) und Lokalmatador Frank Werth von der DJK LC Assindia Essen in der M45 mit gleichem Gerätgewicht und aufgrund des höheren Alters relativ gesehen noch besseren 14,03m. Um den Klassen-Primus mit der Scheibe stritten sich auf nahezu gleichem Niveau Hans-Jürgen Schomburg (TSV 09 Twiste) mit 45,46m in der M60, Johann Stein (TV Werther) mit 45,32m in der M65 und Michael Wolf (LG Mönchengladbach) mit 45,28m in der M50. Die absolut beste Speerwurf-Weite ging auf das Konto von Christian Hund von der DJK Rasensport Aachen-Brand aus der M45 mit respektablen 53,25m. Vergessen wir Altmeister Peter Speckens (*1935) vom SV Rot-Weiß Schlafhorst in Übach-Palenberg bei Aachen nicht, der in der M80 nach längerer Durststrecke sein einstiges Parade-Gerät, den Diskus, 17 Zentimeter über 36 Meter beförderte. Damit hätte er auch die M70 (34,81m) und fast die M75 (36,23m) für sich entscheiden können.

Maria Emelieze warf den Diskus 40,37m

Genau genommen würde es in der Natur der Sache liegen, dass auch bei den Seniorinnen die Besten aus der freilich ebenfalls unterrepräsentierten jüngsten Altersklasse kommen würden. Das schaffte allerdings nur Jung-Dreißigerin Maria Emelieze (*1986) vom TSV Bayer Dormagen mit 40,37m im Diskuswurf.  Stefanie Tielsch (W35) vom TV Wesel mit dem Speer (35,82m) und Christine Wenzel (W50) von DJK Blau-Weiß Annen mit der Kugel (12,32m) entschieden unsere interne All-Star-Wertung in den beiden anderen Disziplinen zu ihren Gunsten. Eher dürftig von Klasse und Masse besetzt ging es zumeist in den oberen Altersetagen zu.
Aber diese Einschätzung bleibt selbstverständlich jedem bei einem Streifzug durch die Online-Ergebnisliste selber überlassen. Per Saldo bleibt eh zu konstatieren, dass der ganz große Kracher nicht zu notieren war. Wobei hier nicht behauptet werden soll, dass Rekorde, und sei es "nur" auf Verbandsebene, das Maß aller Dinge sind. Doch machen wir uns nix vor: schön ist es trotzdem, wenn sie fallen.